Honolulu High – Plays The Secret Names CS

Hier ein Schnappschuss von mir aus dem Urlaub. Es hat zwar ein bisschen Wald gebrannt, aber dafür war der Pool ordentlich beheizt und ich konnte den ganzen Tag im Morgenmantel meiner äh, Mitbewohnerin herumlaufen. Das Foto war der Beweisversuch, wer von den beiden Elefanten den dickeren Bauch hat. Ich hab gewonnen!

Erstaunlich unbekannt, diese Band aus Cleveland. Also mir. Macht eigentlich recht populären Rock’n’Roll Sound, der irgendwo aus den Kneipen Ohios herausquillt und mit dem punkigen Siff von längst toten Jungs angefüttert ist.

Wahrscheinlich sind die drei Kerle von Honolulu High einfach schon ein bisschen zu alt, um noch irgendwie einen neuen Quatsch wie Eier Punk Rock auszuprobieren und einfach ein bisschen zu blue, um die Songs unter 2 Minuten zu drücken. Tolle Melodien, großartiger Sänger, wunderbarer Blues Rock Punk oder so? Super Sache.

Just Because Records. Kommt demnächst auf Kassette. Weder Cover noch Bandname haben mich auf die Musik vorbereitet. Eine klassische Bild-Ton-Text-Schere. Cool.

Headcheese – Expired LP

Tolle zweite Platte von den Hardcore Kollegen aus Kamloops in Kanada. Ihr erinnert euch, an diesem Headcheese spielt der Label-Boss Eric am Schlagzeug mit und (Bullshit, sorry) hat Josh geknabbert darf deswegen auch in der Bandinfo schreiben, dass sie die schlimmste Band überhaupt und im Grunde ein Haufen Scheiße seien. Man kennt sich selber eben immer am besten, ne?

Musikalisch gar nicht mal so scheiße, sogar eigentlich richtig toll, aber eben auch die beste Anleitung trotz schönen Wetters und 50 Mark in der Hosentasche eine beschissene Zeit zu haben. Ist ein bisschen wie Alkohol. Wenn Du eh gerade aggro bist, steigerst Du Dich leicht in eine Keilerei mit der Warteschlange vor dem Metzger. Bist Du gut gelaunt und fröhlich auf dem Skateboard unterwegs, schubst Du lachend die Longboarder und Elektro-Roller-Fahrer vom Gehweg. Passt. 12 Songs für eine Viertelstunde Spaß. Cool.

Neon Taste Records. Limitiertes Vinyl ist ausverkauft, in schwarz bestimmt bald ein paar in Europa zu bekommen. Apropos abgelaufen. Wenn man diese alkoholfreien Biere lange genug stehen lässt, schmecken die leider auch nicht. Profi Tipp.

Charlie Tangos – Deadwood CS

Genau das Richtige für Montagmorgen. Ein etwas infantiler Blick auf Skate-Hardcore-Punk mit einem homogenen Gemisch aus adoleszenten Problemen und simplen Gitarrenmelodien. Das eine gibt es nicht ohne das andere, oder?

Dazu wahlweise ordentlich Geballer vom Schlagzeug oder ein bisschen mehr Geschepper hier und da, Hauptsache, die Hi-Hat ist offen. Spielt da auch ein Bass mit? Bestimmt. Sound ist aber auch eher so nebensächlich, es ist halt Hardcore Punk, wie man ihn liebt und kennt.

Mit so Songtiteln wie "Skate Or Fry", "Joystick Justice" oder "Handplants to Split Pants" spricht/sprechen mir Charlie Tangos aus der pubertierenden Seele. Der titelgebende Track "Deadwood" ist ein Hit. Die anderen auch. Toll.

Noise Merchant Records. Auf Kassette erschienen und mit 18 Songs unter 15 Minuten auch viel zu schnell vorbei. Ich weiß eigentlich gar nichts über die Band. Vielleicht sind das auch Mitt-Vierziger aus den Vororten Edinburghs und wollen noch mal so richtig cool sein. Ha.

Erik Nervous – Immaturity LP

Erik Nervous bringt nächsten Monat ein neues Album raus. Man kann schon einen Song davon hören. Der ist seht gut. Es ist Punk Rock aus der poppigen Ecke der Garage. Klingt wie Weezer. Mögt Ihr heimlich Weezer? Dann könnt Ihr hier zugreifen und Euch immer noch wie ein rebellierender Punk Rocker oder Antikapitalist oder individuell fühlen.  Ist zwar albern, aber der Albumtitel verlangt ja auch nach unreifem Verhalten. Also bitte.

Feel It Records (US) und FatCat Records (UK). In Europa leider nur mit Zoll. Kann man jetzt schon bei der dicken Katze auf rotem Vinyl vorbestellen, wenn man möchte. Ich mag auch Weezer und brauch das ja alles eigentlich gar nicht. Naja.

Cut Piece – S/T 7″

Wir sind auf einem guten Weg, Freunde. Zwar schrumpft die Wirtschaft und "wir" befinden uns in einer Rezession, weil die verdammten Konumenten einfach nicht genug konsumieren wollen. Aber "wir" haben einen Plan!

Wir führen einfach die Zwangsarbeit wieder ein und lassen die faulen Asylbewerber nur bei uns wohnen, wenn sie einer ordentlichen Arbeit nachgehen (Tankstelle, Sonnenstudio, Dosenfabrik). Und dann bezahlen wir die Sklaven Arbeitnehmer nicht mit Geld, sondern mit Sachleistungen (Tankgutschein, Sonnenstudio, Dosenobst). Genial. Also wenn das nicht die Wirtschaft ankurbelt, was dann?

Hier, ich hab noch eine Idee. Listen global – buy local. Ihr könnt auch die neue Single von Cut Piece aus Portland einfach bei einem deutschen Label kaufen und sämtliche Fliegen auf einen Streich erwischen. Nicht nur habt Ihr erstklassige 4 Songs aus der Fachwerkstatt des Punk Rocks mit bekannten und bewährten Gesichtern von Piss Test oder Macho Boys. Nein, hier fließt das Geld auch noch nach Norddeutschland, wenn ihr beim Label bestellt. Eine Region, die ohnehin finanzielle Hilfe benötigt.

Obendrein hat die melodisch aggressive Stimmung der Songs zum Glück nicht viel mit der gleichnamigen Performance von Yoko Ono zu tun – alles richtig gemacht. "Life Goes Dark" hat einen leichten Red Dons Anstrich. Steht ihm gut, ist ein Hit. Cool.

Sabotage Records. Vor drei Wochen auf 7″ erschienen und noch bestellbar. Oder digital bei der Band, wenn Ihr Euer Geld nicht im Land ausgeben wollt.

Faulty Cognitions – Demo CS

Mein Gott, ist das düster da draußen. Hat übers Wochenende die Sonne endgültig aufgegeben und dem Planeten den Rücken zugedreht? Ach so. Herbst. Früher dunkel, später hell.
Vielleicht müssen wir das mit sonnigem Gemüt kompensieren. Aber wo soll ich das jetzt hernehmen? Oder vielleicht besser mit diesem Punk Rock, der immer ein bisschen an Skateboard im Park und Dosenbier auf der Veranda erinnert. Das geht natürlich nur durch die Ohren ins Herz, aber ich kenne da jemanden, der ein Talent dafür hat.

Chris Mason von Dirt Cult Records hat diese Gabe in der Vergangenheit schon bewiesen, den Sound solch unbeschwerter Zeiten in Musik zu gießen (Low Culture, Shang-A-Lang, etc.) und mit dem neuen Wohnsitz in Texas und den Faulty Cognitions ist es ihm wieder gelungen. Sechs lockere lo-fi Pop Garage Punk Nummern, die das Herz und die Seele noch ein bisschen warm halten, bis wir demnächst dann wieder mit dem Post Punk anfangen. Cool.

Dead Broke Rekerds hat ein paar Kassetten davon. Vielleicht kommt das auch auf Vinyl bei Chris selber raus? Mal sehen. Ich stell mir jetzt schon mal die zwölf Heizpilze auf den Balkon. Vielleicht kommt ja ein Klimaaktivist vorbei und streicht mir das Haus dann orange, das wäre ja was.

The Butts – S/T

Das Tolle am Internet ist ja auch, dass man so ziemlich jeden Scheiß einfach reinstellen kann, weil die Geschmäcker so verschieden sind, dass man auf jeden Fall irgendeine Person erreicht, die das toll findet. Zum Beispiel the Butts.

Digital Hotdogs. Weil ein gutes Pferd immer nur so hoch springt, wie es muss, bis es in die Wurst kommt.

Holy Ghost – Ignore Alien Orders LP

Habt Ihr das eigentlich in eurer Kindheit so richtig verstanden, was der heilige Geist sein soll? Man brabbelt dann zwar im Glaubensbekenntnis davon, dass man an ihn glaubt und nebenbei natürlich auch noch an den ganzen anderen Unsinn wie Auferstehung und den Schöpfer und Jesus.

Aber ich hab nie so richtig kapiert, was der heilige Geist eigentlich sein soll und das wurde dann von mir auch aus mangelndem Interesse nicht weiter verfolgt.

Schön zu sehen, dass der jetzt in Stockholm wohnt und eine ansprechende Grunge Punk Band mit anderen bärtigen Dudes am Start hat, die eigentlich schon seit über 10 Jahren beim Gitarrespielen auf ihre Füße starren und die eigentlich auch bereits während der Pandemie alle verschwunden sind. Aber wie das so ist mit diesen göttlichen Dingen…wenn Du den heiligen Geist hast, bist, äh, dann hast Du auch das ewige Leben. Mach was draus.

Zum Beispiel eine kurzweilige LP mit 7 Songs, die ein bisschen nach 90er Jahre klingen und irgendwie den ganzen Grunge Revivial mitnehmen und bei der Auferstehung des Genres helfen. Ich mag das, es passt auch inzwischen zum Wetter. Was das Album mit den Befehlen von den Aliens zu tun hat und warum man diese ignorieren solle, müssen Euch dann die Verantwortlichen selbst erklären. Holy Shit Ghost.

Lövely Records. Gibt es auf lila Vinyl. Vielleicht sind das ja auch einfach nur eine handvoll Irrer, die sich tatsächlich für den heiligen Geist halten und an Aliens glauben, die uns unterbewusst und unbemerkt zu kontrollieren versuchen. Aber kann es denn in einer Band dann mehrere heilige Geister geben oder nur einen? Und wäre Gott nicht eigentlich auch nach der Auffassung der Bibel ein Alien, das/der/die Gebote, Befehle und Regeln vorgibt? Hm.

Brorlab – S/T LP

Für alle Leute, die gerne am Dienstag ihr Wochenende starten wollen und schon einmal langsam die Frustrations-Ablass-Schraube lösen möchten, empfehle ich das neuen Album von Brorlab aus Antwerpen. Die machen Partymusik für schlecht gelaunte Menschen und wabern irgendwo zwischen Elektropunk und Don’t-Give_A_Fuckwave herum, klingen beizeiten nach den 90er Jahren Beats aus der Techno-Hölle Belgiens und verbreiten dennoch oder gerade deswegen eine Stimmung der aggressiven Föhligkeit. Kann auch nicht jeder.

La Vida Es Un Mus. Die LP besteht zum Teil aus ihrer 8-Song-EP aus dem Jahr 2020, plus 7 neue macht das dann 15 Lieder für den Feierabend im überfüllten Schienenersatzverkehr nach Hause. Top.

Robots – El Plan

Schau an, die Robots aus Barcelona haben einen Plan. Sehr gut. Wurde auch Zeit, dass sich jemand, äh, darum mal kümmert? Schade, dass ich nicht so recht Spanisch kann. Dann muss ich mich eben an der Musik erfreuen und hoffen, dass es die zwei Spanier und die Spanierin ähnlich gut mit mir meinen wie die ganzen schwedischen Bands, von denen ich ebenfalls nichts wirklich verstehe und was mich dennoch nicht davon abhält, zumindest unter der Duche oder im Auto lauthals falsch mitzusingen.

So wie damals, als ich noch zu den Beatles irgendeine Sprache gesungen hab. Macht eigentlich am meisten Spaß. Zu Singen, ohne zu wissen, worum es geht. Fragt mal bei der Schlagerparade nach, die wissen, wovon ich spreche.
Poppiger Punk mit ein bisschen lofi Charme und viel Melodien für das Bier zum Sonnernuntergang, der jetzt zum Glück schon ein bisschen früher beginnt. 7 Songs mit einem Hauch Spätsommer, bei dem man die herbstliche Lethargie bereits anrollen fühlt. Das Cover muss mir aber jemand erklären. Schön.

Nur digital. Seit ner knappen Woche schon veröffentlicht und noch immer nicht langweilig. Hoffentlich singen die keinen Unsinn, das würde meine spanische Hauskatze des Nachbarn bestimmt verstören. Naja.