Stress Positions – Human Zoo LP

Stress Positions melden sich nach dem Album im Dezember schon mit der zweiten Ladung an geballter akustischer Frustbewältigung zurück. Thematisch möchte uns die Band aus Chicago in den Zoo mitnehmen und auf die besonderen Exponate (sagt man nicht bei einem Zoo, oder?) hinweisen, die hier in Käfigen und Gehegen zu begaffen sind.

Sorry, das ist nicht witzig, die Historie der sogenannten Völkerschauen zeigt uns deutlich, was für ein dummes Stück Scheiße eigentlich der weiße Mann war (und wahrscheinlich in den meisten Fällen noch ist). Die beste Antwort lautet da eigentlich nur draufhauen und kaputtschlagen.

Stress Positions machen das ganz wunderbar mit ihrem eingängigen Hardcore Punk der schnelleren Spielart und zeigen mit der Themenauswahl ebenso anschaulich die vielen Spiel- und Schauplätze der menschlichen Verrohung.

Bittere Pille, bleibt im Hals stecken und schmeckt nach Hass. Ziemlich geil.

Three One G. Erscheint auf Vinyl im Mai in grün und coke bottle. Mal sehen, wie lange es noch dauert, bis man auch die Tiere nicht mehr so zur Schau stellt, dass sie dem verwöhnten Kind ein Wohlgefallen sind. OK.

Big Mess – Terry 7″

Vielleicht sollten wir damit anfangen, nur noch doitsche oder europäische Musik zu konsumieren, weil die Platten aus den USA bald eh nicht mehr zu bezahlen sind. Und wenn einer bockig und kindisch sein kann, dann doch wir?

Hier würden sich die Dänen aus Kopenhagen anbieten, die ähnlich power poppig unterwegs sind wie die gestrigen Number Ones (auch ein europäisches Produkt), nur ein bisschen mehr Punk in die Garage schaufeln, was den 3 Songs, die man schon einmal vorab hören darf, sehr gut zu Gesichte steht. Sie nennen sich Big Mess oder auch Kings of Bestial Pop, ich nenne sie Steuerschlupfloch.

Naja, passt nicht wirklich, aber gute Musik. OK.

Specialist Subject Records. Erscheint auf 7″. Sollte man live nicht verpassen, aber haben wir jetzt bereits. Letztes Wochenende schön in England unterwegs gewesen. Wieder zu spät. Aber wir wollten ja eh nur europäisch bleiben, ne? Ha.

The Number Ones – Sorry 7″

Da fängt man am Montag schon in aller Frühe damit an, sich zu entschuldigen. Wo soll das enden?

Erstes Lebenszeichen von The Number Ones aus Dublin seit 7 Jahren – uiuiui. Beim letzten Release war ja England noch in der EU? Ich glaub, die müssen wieder an ihre Instrumente und raus in die Welt, um Geld zu verdienen. Die Mietpreise in der Stadt haben sich in den letzten 10 Jahren dort verdoppelt.

Da muss man halt aus der Kneipe taumeln und wieder in den Proberaum schaukeln, um ein paar Hits unter die Bevölkerung zu bringen. Die Irren haben tatsächlich nichts verlernt, vielmehr hat es den Anschein, als ob sie ihre Handwerkskunst sogar noch ein bisschen verbessern konnten über die Laufe der Jahre.

Schön eingängiger Power Pop, der so nur in Großbritannien aus dem Pub geflossen kommen kann. Schmeckt nach Guinness und Gentrifikation, aber man kann dazu prima tanzen. Schön.

Static Shock. Kommt auf 7″ Vinyl am Karfreitag raus und wird bei den irischen Katholiken dann bestimmt arg abgefeiert. Hierzulande kann man das auch schon jetzt digital abfeiern und sich im Entschuldigen üben. Einfach mal sorry. Wegen allem.

TV Sundaze – Plastic Bags / Packing Tape LP

Das ist ja schon ein bisschen gehässig, dieses Album ausgerechnet am Tanzverbotstag in Deutschland zu veröffentlichen. Vielleicht hält man sich als streitbarer Franzose da eh nicht dran, mag sein. Aber ich als guter Katholik, ach nee.

Scheiß auf die christlichen Konventionen, das neue Album von TV Sundaze wird am Erscheinungstag mit voller Fahrt und großer Lautstärke als Begleitmusik zu sämtlichen Kreuzigungen eingespielt. Wie blöd kann man eigentlich sein, wegen des vermeintlichen Todes eines Mannes an einem bestimmten Tag des Jahres ein ganzes Land über Jahrhunderte zum Trauern zu verpflichten, wenn man doch weiß glaubt, der Typ hat das eh überlebt?

Wieso reißen wir eigentlich nicht alle Kirchen ab und bauen Wohnungen oder Kneipen? Wieso zahlen Menschen Steuer für die Kirche? Wieso lässt man sich das Tanzen verbieten? Hallloooo. Die Aufklärung hat angerufen, sie möchte bitte beim Bällebad des Propheten abgeholt werden.

Nebenbei ziemlich gute zwei Songs, die man hier vorab hören kann. Klingt manchmal ein bisschen so, als hätte Rick Froberg sich an Garage Rock probiert. Sehr cool.

Howlin' Banana Records. Auf Vinyl am Karfreitag. Wieso kann Rick Froberg eigentlich nicht wieder auferstehen, wäre mir persönlich wichtiger, aber naja. Nicht OK.

Distance – Le Décor EP

Gibt es sowas wie Posi-Deathrock? Ach, diese bekloppten Genre Schubladen werden noch einmal mein Ende sein. Die fünf Franzosen aus der Distance in Bordeaux zaubern auf jeden Fall auf ihrer Debüt EP eine schöne Mischung aus Post Punk mit Melodie und Garage Rock mit kalten Füßen aus dem Hut und positionieren sich damit irgendwo auf dem Schulhof zwischen Gummitwist und den Tischtennisplatten.

Melodiös und verspielt, aber rau und hart. Kaugummi mit Biergeschmack vielleicht? Ziemlich gut. Also die Band, das Kaugummi spucke ich im hohen Bogen in dein Rotweinglas. Prost.

Sabotage & Dans Le Vide. Da soll irgendwann Vinyl erscheinen und vielleicht auch was auf Kassette? Keine Ahnung, digital sind die 6 Songs schon erschienen und das muss erst einmal reichen.

The Pennys – S/T 12″

San Francisco Occult Heartbreak Pop. Viel mehr Worte braucht es eigentlich nicht, um mich anzulocken. Die Musik von The Pennys kommt etwas grobschlächtig daher, ärgert sich nicht über schiefe Harmonien oder Rauschen im Hintergrund und macht deswegen genau alles richtig, um nicht langweilig und austauschbar zu wirken.

Keine Ahnung, was okkult an dem Quintett ist? Der Song, den man jetzt schon einmal hören darf, ist einfach nur ein poppiger Abgesang über eine verflossene Liebschaft, aber das Wort "Kerze" kommt vor. Vielleicht reicht das schon. Schön.

Mt.St.Mtn. Kommt auf 12″ raus und ist auf 100 Stück limitiert. Mal sehen, ob ein paar davon den Weg über den Ozean schaffen. Kann man jetzt vorbestellen, sind 6 Songs und bis zur Zustellung und/oder Veröffentlichung kann man sich auch das Video zu dem Song "Say Something" ansehen.

Aldi Ost – S/T 7″

Ob wohl der fiktive, ostdeutsche Part des Aldi Konzerns genauso kleine Eier hat wie die Schlappschwänze von Aldi-Süd und vor dem mächtigen Präsidenten der USA einknickt, wenn es um Diversität geht? Einfach mal sämtliche Informationen über Initiativen zu Diversität, Gleichstellung und Inklusivität (DEI) von der Webseite mit Jobangeboten und Karrieremöglichkeiten genommen.

Danke, ALDI – schöne Grüße in den Arsch von Trump & Musk. Wir sollten uns merken, wer höchstwahrscheinlich in Zukunft nicht auf unserer Seite steht. Aber im Osten weht bestimmt ein anderer Wind, oder?
Wie dem auch sei. Geiler Bandname der Reinkarnation von den Dead Kennedys. Aldi Ost – Alles richtig gemacht.

Sabotage. Auf Single erschienen. Opportunismus führt nicht zum Erfolg. Die Frage ist nicht, was nützt es mir, sondern wem nutze ich?

Roberta Lips – En Plein Cœur 7″

Eine lustige Mischung aus quietschvergnügtem Keyboard Power Pop und zuckerfreiem Punk Rock kommt da in Form einer runden Vinylscheibe ins Haus geflogen.

Roberta Lips macht sich an den Frühjahrsputz und fegt noch schnell vor dem Umstellen der Uhrzeit die Reste aus den 60ern und 70ern in die vier Songs der Debüt Single. Das hat den Charme eines rotweingetränkten Baguettes zum Frühstück an der Atlantikküste und passt am besten zu einer hektischen Fahrt auf dem Roller zur Kneipe, bevor die Pforten und Zapfhähne eine Stunde früher schließen.

Trifft mich nicht mitten ins Herz, sondern ist eher so der Bauchschuss, aber die Veteranen sagen immer, da hat man länger was von. OK. Hübsch.

Le Cèpe Records (Paris) und Flexidiscos (Valencia). Da auf Französisch und Spanisch gesungen wird, ist das nur konsequent. Kommt letzten Freitag raus, als es noch früher spät war. Das geht mir alles zu schnell mit dieser Zeit.

Licklash / Scud – Split 7″

Ah, die Split Single. Unser Format des Herzens. Dieses Mal mit zwei Bands aus Melbourne, die tatsächlich auch beide letztes Jahr den Support für Jack White gespielt haben. Aber in Australien läuft das ja eh anders, da finden sich auch Pub und Punk Rocker in den Charts wieder.

Licklash und Scud spielen beide rotzigen Power Pop oder poppigen Kneipen Rock, wie man’s nimmt. Scud schummeln mit ihrer vertonten Ophidiophobie sogar eigentlich einen zweiten Song auf ihre Seite, aber da war halt noch Platz auf dem digitalen Vierspurgerät. Licklash dudeln einfach nur sehr angenehm eine Ode an ihren Vorort ins Ohr und sind soundtechnisch ein bisschen in der Nähe von Amyl & the Sniffers, wenn die noch interessant wären. Cool.

Roolette Records. Im März noch auf ganz vielen quietschbunten Vinylscheiben erhältlich gewesen. Jetzt noch auf grün, aber naja, Porto. Bestes Format. OK.

Butrón – ¡Mentira! 7″

In NRW gibt es jetzt bald die Polizei der Polizei. Ihr könnt da zu den "unabhängigen Polizeibeamten" hingehen, wenn ihr Probleme mit einem prügelnden Beamten habt und die schreiben das dann auf und schmeißen den Zettel weg.

Kurzer Dienstweg, keine langen Verhandlungen mit immer wieder denselben Ergebnissen, Staatsanwaltschaft wird entlastet. Win Win Winnetou.

Was ich auch nicht verstehe ist Spanisch, aber das hält mich trotzdem nicht davon ab, immer wieder mit eingängigem Garage Punk von der iberischen Halbinsel meinen Lambada-Kurs zu malträtieren. Gestern haben wir zu Butrón getanzt und es sind nicht wenige Stühle dabei geflogen, was ich als Erfolg werte. Die drei Nager liefern mit dem 4 Song Debüt eine ordentliche Mischung aus Pop Punk und Garage, Rock’n’Roll und Punk Rock ab, was ein bisschen mit dem Titel der Single kollidiert ("Bullshit"), aber Selbstkritik ist natürlich immer lieber gesehen als Eigenlob. Cool.

Jarama 45RPM Records. Kommt im April auf Vinyl. Digital jetzt schon zu erwerben und für jede Tanzschule geeignet. Nicht zu verwechseln mit der Band aus Madrid, die nicht mal die Eigenheiten ihrer eigenen Sprache berücksichtigt und sich mit einem Umlaut schreibt. Tss.