Night Punch – Where Sins Bloom So Does Death CS

Night Punch aus Hamburg haben sich nicht etwa nach dem fruchtigen Getränkecocktail aus der Glasbowle benannt, der um Mitternacht ausgekippt wird, weil die Plörre halt scheiße schmeckt und jemand die Bowle als Hut braucht. Nein.

Ich glaub, der Name bezeichnet vielmehr das Gefühl, dass man hat, wenn man die 13 (Synth) Punk Kracher auf die Zwölf bekommt. Tageslicht ist da nicht mehr viel. Auf die Fresse und Licht aus.
Ziemlich eingängige bis aggressive Skate-, Pogo- und von-der-Bühne-Springen-Nummern, die mächtig viel Spaß machen. Auch ohne Rum.

It’s Eleven Records. Auf Kassette erschienen und limitiert. Bolero ist ein Hit. Und ein Getränk. Und ein Tanz. Krass…

Bell Toll – 23′ Demo CS

Schönes Demo von Bell Toll aus Las Vegas. Die machen coolen Hardcore Punk mit ein bisschen bösen Metal Gitarren und einer großartigen Sängerin. Scheppert ordentlich und macht Spaß. Die Band reiht sich also ein in die Playlist für den Skatepark oder den Ladendiebstahl oder um die Luft aus den E-Bike-Reifen vor dem Freibad rauszulassen. Keine Ahnung, was ihr so beruflich macht. Geiler Scheiss.

Auf Kassette bei Noise Merchant Records erschienen. Get him to the Greek war gar nicht so lustig, aber vielleicht haben da Leute von der Band mitgespielt? Ich versteh den Text nicht.

Klint – Adrenaline CS

Diesen Synth Punk Wikinger Haudegen habe ich viel zu lange nicht mehr im Programm gehabt. Ihr wisst bestimmt, dass Klint aus Schleswig unglaublich fleißig ist und es irgendwie schafft, alle paar Monate mit neuen schief bis krachigen Ohrwürmern um die Ecke zu kommen.

Ich hab den einfach ein bisschen aus den Augen verloren ob der tausenden anderen Veröffentlichungen, die so täglich reinpurzeln. Aber der Typ macht immer weiter und weiter; wie das Duracel Häschen, aus dessen Augen der flüssige Elektrolyten-Batterie-Saft quillt. Stark. Der muss irgendwo einen großen Schatz ausgehoben haben.

Auch mit "Adrenaline" hat er wieder 4 rotzige Kratzbürsten aus dem digitalen Feinkostladen der Punk-Unterhaltung geschnitzt und hat sich mit dem Cover noch mal so richtig Mühe gegeben. Das Koks genau so anzurichten, dass es aussieht, als würden zwei Wikinger gegeneinander kämpfen, erfordert schon eine Menge Geschick. Und ne Menge Koks. Ab dafür…wer dazu nicht tanzen kann, ist tot.

Kassette bei Blä Records. Der Erlös aus dem digitalen Album bei Bandcamp geht an unsere Freunde von Radical Aid Force. Also bitte…

Loozer – Long Drive Inside A Car

Falls Ihr heute noch eine Kurzstrecke zum Bäcker oder zur Schule oder so fahren müsst und verträumt in die Leere der Landstraße oder Stadtautobahn starrt, über euer ebenso leeres Leben nachdenkt und dabei vergesst, warum ihr eigentlich überhaupt heute aufgestanden seid, dann hab ich hier den passenden Song.

Loozer. Wenn ihr nach 2:45 umdreht, empfehle ich einen anderen Song für den Rückweg. Aber was?

Gorilla Men – High Power Tube Blaster

Passend zum Wetter gibt es heute das Album von den Gorilla Men in die Schublade "Garage Punk" gelegt. Passend wegen des Titels, meine ich. Na gut, ich hab eigentlich gar keine Ahnung, was ein "High Power Tube Blaster" ist, aber ich stelle mir da gerade in meinem hitzigen Kopf so etwas wie diese modernen Spritzpistolen vor, die man einfach nur im Planschbecken aufzieht und dann eben mit einem enormen Druck das Bier überall hinspritzen kann. OK.

Und dazu passt dann auch der Sound der Band, der irgendwo zwischen The Dirts und den Angry Samoans liegt. Sympathisch.

Goblin Records. Wasser? Wieso Wasser?

It Thing – Constant State 7″

Wieso entwickeln Menschen eigentlich mehr Empathie gegenüber irgendwelchen Schnöseln, die sich freiwillig mit ihren Taschen voller Gold in eine Blechdose hocken und zum Grund des Meeres sinken lassen, als gegenüber, keine Ahnung, 1.166 Menschen, die dieses Jahr bisher auf der Flucht mit ihren Kindern im Mittelmeer ertrunken sind?

Eigentlich eine rhetorische Frage, aber die Fränkische Landeszeitung hat mal "Empathie" gegoogelt und eine Frau gefunden, die dazu schon einmal was gesagt hat. Dann zerrt man die noch einmal vors Mikro für ein Interview zu dem aktuellen Thema. Spoiler Alert: es liegt an der Hautfarbe.

In anderen Teilen meines Hirns finde ich dann das hier interessant und frage mich, warum auch ich so ein unsensibler Bastard bin. Ich ruf die Frau nachher mal an und kläre das. Aber in der Tat fand ich die neue Single von It Thing interessant, weil ich kurz gedacht hatte, Kathleen Hanna steht (schon wieder) im Wohnzimmer. Tolle Stimme, solider Punk Rock, gute Single. Die kommen aus Hobart, der Hauptstadt von Tasmanien. Also dem Paradies auf Erden. Da ist es wirklich zuhause am schönsten. Die touren bestimmt nie.

Feel It Records. Ich möchte da auch nicht so viel drauf rumhacken, aber ich wette mich Euch, dass kein Kind von den Flüchtlingsfamilien Blink-182 Fan ist. Und auf einem Konzert herumeiert, während die Eltern in Seenot geraten. Aber was weiß ich schon.

Rat Cage – Savage Visions LP

Habt Ihr auch den Verfassungsschutzbericht gelesen? OK, müsst Ihr auch nicht, ich fass die Eckpunkte mal zusammen.

Wir haben ungefähr eine gleichgroße Anzahl an sogenannten "Links- und Rechtsextremisten" in Deutschland (ca. 36.500 resp. 38.800). Die rechtsextremen Straf- und Gewalttaten beziffern sich im Jahr 2022 auf eine Summe von 22.357. Die linksextremistischen Straf- und Gewalttaten kommen lediglich auf eine Summe von 3847. Das sind nur 17.2% von den rechtsextremen Taten! Und da sind die Spinner von den Reichbürgern noch gar nicht mit eingerechnet.

Was war denn da los, Freunde? Nächstes Jahr möchte ich ein bisschen mehr Bemühungen sehen. Nicht immer nur reden und so, ne. Sonst müssen wir Euch irgendwann zurückstufen zu der Gruppe "Ver­fas­sungs­schutz­re­le­van­te De­le­gi­ti­mie­rung des Staa­tes" und Ihr malt wieder Protestplakate mit Wachsmalern und bekommt das Megaphon ohne Batterien.

Zur Motivation und Aggressionssteigerung empfehle ich die neue Platte von den sagenhaft schlechtgelaunten Rat Cage aus Sheffield. Hier kann man 11 mal bestauenen, wie sich Hardcore Punk im Jahre 2023 noch immer anhört. Wie vor 40 Jahren, wenn wir mal ehrlich sind. Uffta Uffta, Metalsoli, Riff Riff, Schrammel, Schreien, Beckenkrachen, mid-tempo auf die Fresse. Hier wird das Rad eckig gemacht und mit Nägeln gespickt. Das passt schon. Geiles Album.

La Vida Es Un Mus Discos. Auf rotem und schwarzem Vinyl. Weil Antifa, weißte. Herrje, nun kauft halt beide und nagelt sie Euch an die Wand. Vielleicht reicht das dem Verfassungsschutz ja schon, um Euch als Sympathisanten zu zählen.

Graveyard Of The Pacific – Sorcerer

Das passiert also, wenn Punk Rocker als Kinder zu viele Horrorfilme geschaut und zu viel Dungeons and Dragons gespielt haben. Sie treffen sich 30 Jahre später im Proberaum, vergleichen ihre Wohlstandsbäuche und die Actionfiguren-Sammlung und dudeln dann ein bisschen ihre Lieblingshits aus den VHS Kassetten der 70-80er des Gruselgenres.

Und dann merken sie, dass das ja gar nicht so schwierig ist, man muss nicht die ganze Zeit schrammeln und dreschen und wie ein Irrer ins Publikum springen. Das geht ja auch dudelig und macht Spaß und klingt cool. Dann buddeln sie noch ein paar weitere Gräber um und so wird eine wunderbare Mischung aus Espectrostatic, Eerie Family und den Hex Dispensers zu Tage gefördert, die sich Death Surf nennt.

Nicht sonderlich verwunderlich, wenn Alex Cuervo und Alyse Mervosh hier zwei vom Trio sind. Und dann obendrein David Bessenhoffer als Dritten im Bunde haben, der ja ebenfalls eine zeitlang bei den Hex Dispensers mit dabei war. Naja, und die bringen jetzt nach einer Single vor drei Jahren ihr erstes Album als Graveyard of the Pacific heraus. Wieder von Mark Ryan produziertt. Ein Song heute, der Rest am Freitag(?). Richtig gut.

Ohne Label. Ich würds ja machen, dann hätte ich das auch auf Vinyl. Muss ma anrufen. In der Zwischenzeit schaue ich mal mit meinen Kindern die 13 Halloween Filme. Scheint ja doch was zu bringen auf lange Sicht.

Silver Car Crash – Shattered Shine LP/CS + VHS

Bei dem Namen der Band muss ich immer an James Dean denken. Aha. Soundtechnisch bewegen sich Silver Car Crash eher so auf der Überholspur in Richtung Dischord Records in den 90ern und vielleicht schmieren sie noch eine Portion Emo und Grunge mit aufs Brot, wenn der Papa nicht hinschaut. Coole Platte. Als besonderes Schmankerl kann man eine Videokassette (!) mit einem Mitschnitt eines Livekonzerts dazu kaufen. Nerds.

Crafted Sounds bringt das Schmuckstück auch auf Kassette und Vinyl heraus. Also dreifach analog. OK.
Ein weiterer "silver car crash" wäre ein Aston Martin Imitations-Matchbox Auto gewesen, dass ich gemeinsam mit einem Freund und einer handvoll Ladycrackern in die Luft gejagt hab. Nimm das, 007!

Home Is Where – The Whaler LP

Wieso läuft in den Autos, die mit offenen Fenstern durch meine Nachbarschaft tuckern, eigentlich immer so unfassbar bekloppte Musik? Hört denn niemand mehr gute Musik? Immer nur stupide aggressiver Deutschrap oder bummslangweiliger Techno oder der lärmende Best-of-Mix aus der türkischen Pop-Hitparade. Puh.

Vielleicht hören coole Leute heimlich bei geschlossenen Fenstern und Klimaanlage solch Post Punk Rock und Emo Perlen wie Home Is Where aus Florida? Schade eigentlich, das sollten mehrere Leute vorgesetzt bekommen, und wenn es nur an der Ampel für die kurze Zeit einer Rotphase ist – denn mehr braucht die Band eigentlich nicht, obwohl das neue Album wieder einmal extrem vielschichtig ist und zwischen den verschiedenen Subgenres hin und her schwingt wie ein besoffenes Pendel.

Ist da auch ein bisschen Screamo? Indie? Ach, einmal mit allem, bitte.

Wax Bodega. Heute erscheint das Album auf blauem Vinyl.
Das letzte Mal, dass ich gute Musik aus einem vorbeifahrenden Auto gehört habe, war in Aachen vor 8 Jahren, als ein tieeeefergelegter BMW ziemlich laut die Einlaufmusik vom Heartbreak Kid Shawn Michaels über seine fettttte Anlage liefen ließ. "I’m just a sex boy, I’m not you boy toy." Fand ich fast schon poetisch schön.