AJJ – Horsehair Vase

Jeden Tag fahre ich an einem kleinen Flüsschen entlang, der sich an eine enge Kopfsteinflasterstraße schmiegt (oder andersherum) und in den frühen Morgenstunden noch etwas Nebel ausdampft.
Immer, wenn ich um die eine enge Kurve biege, kommt auf der linken Seite ein zauberhaft schönes Haus zum Vorschein, das sich da etwas zurückgesetzt heimlich und doch stolz präsentiert.
Mit viel Understatement rieselt da der Reichtum aus den Backsteinen und das Anwesen kotzt einfach nur ein bisschen mit dem verwilderten Rosengarten und der schmucken Veranda seine gutbürgerliche Arroganz der 60er Jahre vor die kleine hübsche Straße.

Und ich könnte schwören, dieses Haus lacht mich jeden Morgen aus. Mit seinen blauen Fensterläden und dem kreisrunden Fenster im Dachgeschoss. Es lacht mich aus, wenn ich im Vorbeifahren darüber nachdenke, dass und wie ich dort wohnen würde.

Kennt ihr Andrew Jackson Jihad? Ja, oder? Heißt jetzt ja nur noch AJJ. Keine Pointe, kein Zusammenhang. Schönes neues Lied plus ein Cover.

Morgen zünd ich das scheiß Ding an.

Citric Dummies – Die Nasty CS

Ey, was macht denn Rikk Agnew da auf dem Cover? Und wieso klingt das so scheiße, als ob man die Bänder noch mal absichtlich in Essig eingelegt und dann durch den Gartenhäcksler gejagt hat?
Hä? Versteh ich nicht. Mit Absicht?

Ach so. Wenn man sich die Sachen runterlädt, dann klingen sie besser und sind bereinigt. Klar, das ergibt Sinn, schließlich kostet das Album von den Citric Dummies ja nichts. Total logisch, mein Fehler.
Und wenn man Rikk Agnew nicht auf dem Cover haben möchte, ist man zwar ein Idiot, aber dann kann man sich einfach das Tape kaufen. Da ist dann ein anderer saucooler Punk Rocker drauf. Haha.

Naja, musikalisch bieten die „alten weißen Männer“ auf jeden Fall schön schnodderigen Punk Krach, der ausreichend schnell und lärmend vorgetragen wird, um mit Deinem Speedkonsum mitzuhalten, obwohl jetzt hinsichtlich der Argumentation blöderweise der beste Song (I better take drugs) son mid-tempo Ding ist.
Ich glaub, bei solchen Veröffentlichungen steht dann immer was von „all killer“ und authentisch oder so. Ist halt Punk Rock. Unironisch und Punk.

Wenn da nicht dieser Quatsch mit dem bekackten Sound bei Bandcamp wäre. Saublöde Idee – wäre ja lustig, wenn sie das ausschließlich auf dem Tape in „gereinigter“ Form anböten, aber so…naja. Da müsst ihr wohl auch einmal den Umweg über den Download machen, um die Songs in gut zu hören, schließlich hat sich Daniel beim Mastern in London damit Mühe gegeben.

10 Songs unter zwei Minuten (jeweils, ihr Vögel) aus dem schönen Minneapolis. Gibt Schlimmeres heutzutage.

Ero Guro – Yin Dang

Bei der ganzen Vorfreude auf den kommenden Lockdown und die viele Zeit und die massig Kohle, die mir flöten gehen, hab ich heute 10 Minuten im Auto vor der roten, grünen, roten, grünen, roten, grünen und roten Ampel gesessen und vor mich hingeträumt.

Ja, sorry, ich kann Deine kack Hupe nicht hören, meine Musik ist zu laut. Schieb es auf Ero Guro, du Penner. Der hat gestern ein neues Album bei den immer guten Belly Button Records, Ronny Rex Records  und Drink and Drive aus Belgien veröffentlicht und das muss man halt auch ein bisschen lauter hören.

Neun Songs zwischen weirdo Garage Punk Rock und Roll. Hin und wieder fliegt mal das Signal und die Lautstärke von links nach rechts, aber vielleicht ist auch mein Autoradio kaputt. Eine schöne rotzige Abwechslung zur besinnlichen Weihnachtszeit.
Hier, hört doch mal – das ist doch ein prima Geschenk und Du musst jetzt nicht mal zum fucking Saturn fahren , du Ei.

Ja, ist gut. Ich fahr ja schon. Einen schönen Gedanken hatte ich aber noch. Warum heißt es eigentlich „gasförmig“ und nicht „überflüssig„?

D.B.R. – Loafing CS

Ich glaub, diese Leute rund um die Allee der Kosmonauten Crew sind inzwischen etwas gelangweilt von dem spröden Punk der Neuzeit.

Zumindest klingen die Releases alle immer ein bisschen sehr unterkühlt. Das kann natürlich auch einfach nur die arrogante Coolness Berlins sein oder eben schlicht der Stil dieser Szene. Aber wer wird das denn werten wollen? Wer will den ersten Stein schmeissen?

Ich. Hier!
Das ist voll gut. Auch jetzt wieder mit D.B.R., die ganz leckere 4 Songs auf eine Kassette gespielt haben und damit genau in diese düstere, coole Kerbe einschlagen, die man eben mag oder nicht.
Könnt ihr ja mal ausprobieren.

Der Kram ist am Samstag erschienen und ich glaub, diese stimmungsvolle Musik passt ganz wunderbar für die nächsten Wochen. Ich geh noch mal ein paar Steine schmeissen. Ugh.

MSS France – V 10″

Es gibt tatsächlich noch Leute, die eine 10″ Vinyl Scheibe herausbringen. Hoffentlich haben die bedacht, dass es keine Leute mehr gibt, die 10″ Vinyl Scheiben kaufen?

MSS France aus Paris haben es zumindest geschafft, dass diese zehn Zoll auf beiden Seiten mit guter Unterhaltung vollgequetscht wurden.
Hier kann man ganz wunderbar gelungenen Punk Rock Schrägstrich Hardcore der melodiösen Art hören, der zum Glück nicht in irgendeine peinliche Prollo-Scheiße abdriftet und ganz fantastisch zum besinnlichen Weihnachtsfest oder Chanukka passt.

Die EP erschien letzte Woche in der Stadt der Liebe und wenn ihr schnell seid, dann kommt das Teil auch noch pünktlich zum Fest der Liebe. Boah, so viel Liebe. Toll.

Lasst Euch doch heute einfach mal zur Abwechslung auf Französisch anschreien. Manche Leute behaupten ja, das sei die Sprache der Liebe.

S.G.A.T.V. – Don’t Talk To Me CS

Na endlich mal wieder ein Solokünstler, der mit Synthie und schlechtem Akzent Punk Rock aus dem Schlafzimmer zaubert. Ich mag das.

Dieses Mal kommt der verzerrt-tanzbare Zappelkram aus der Schweiz von einem Typen mit kranken Gitarren und Terrorvisionen. Füher hätte man sowas wie S.G.A.T.V. bei den Eidgenossen ja weggesperrt, wenn ich den Asterix Band kulturhistorisch richtig deute, aber vielleicht sollte man seine geopolitische Bildung auch nicht ausschließlich Herrn Goscinny überlassen. Egal.

Geiler Scheiß aus Winterthur. Erschien gestern bei AuGeil Records (toller Name!) und kann man sich für 10 Schweizer Franken in die Vitrine stellen.

Ich weiß bis heute den Umrechnungskurs für die scheiß Franken nicht. Musste ich früher auch bei Aktenzeichen XY ungelöst immer Papa fragen, wie viel Belohnung in D-Mark denn Herr Toenz nun für sachdienliche Hinweise eigentlich bezahlen wollte.

Teenage Woman – S/T 5″

Achtung, Pop Punk.
Hin und wieder esse ich eine Tube Kinderzahnpasta und höre infantile Popmusik mit verzerrten Gitarren. Heute war so ein Tag.

Und ihr dürft daran teilhaben, weil ich den „Werbetext“ zu dem Produkt, was Teenage Woman hier anbieten, so gut fand. Die äh, Single (?) ist Ende November erschienen und bietet ganz feine 3 kurzweilige Pop Punk Nummern, aber das hab ich ja schon erwähnt.

Double-sided 5″ lathe limited to 25 (11 USD)
You don’t want to buy this. This will be the dumbest record you own. It probably won’t sound as good as these mp3s and you’ll be lucky if your turntable even plays it. It will drive you crazy and make you miss your $11 terribly. Maybe I’ll make some packaging for it, maybe not. This is going to suck, do not buy this. This is only for the refined pop punk collectors and connoisseurs. Also you won’t get your record til I’m gonna say February to be safe. You’re really going to buy this? You’re kind of a moron.

Ich hab zwei bestellt, wer möchte eine?

Sweet Reaper – Sidekick LP

Nanu, da kommt aber unverhofft schnell Nachschub vom Reaper. Ich hab gerade erst die Texte und Tanzschritte vom ersten Album auswendig gelernt, da wird schon wieder neuer Zucker in eine formschöne 12″ Vinylscheibe gepresst.
Wie zu erwarten, ist auch diese Platte voll von tollen Melodien und kommt inklusive der Atmosphäre, die an die Leichtigkeit der Westküste Amerikas erinnert.
Kein Wunder, wenn die drei Leute der Band sich doch ausdrücklich für Ventura und gegen L.A. entschieden haben. Für den Strand und gegen die Großstadt. Für das Bier auf der Porch und gegen das Crack in der Gosse. Für das Lagerfeuer im Garten und gegen das brennende Ölfass vor dem Liquor Store. Ja, und das hört man.

Auch jetzt wieder erscheinen die 10 poppigen Garage Perlen bei dem Berliner Alien Snatch und ich glaube, damit hat das Label auch dieses Jahr gewonnen. Glückwunsch.

Fun Fact: Sweet Reaper haben sich benannt nach einem Tattoo des Gitarristen und Sängers, Seth Petterson, das einen Sensenmann zeigt. Er stand wohl in einer Schlange im Liquor Store und hinter ihm hat ein Typ nur gemeint, „Hey Man. Sweet Reaper!“

Shrinkwrap Killers – Feral Rats Have Become Our Only Pets LP

Es passt einfach sehr gut in dieses bekackte 2020, dass die Shrinkwrap Killers mit „Feral Rats…“ bereits ihr drittes (!) Release dieses Jahr veröffentlichen.
Einen besseren Soundtrack als diese düsteren Garage Synthie Punk Nummern wird man wohl für die ewig währende Isolation und den allgemeinen maladen Geisteszustand nicht finden können.

Nach der brillanten Single „Stolen Electronics…“ im März auf Iron Lung Records und der Platte „Parents + F.B.I. …“ auf Rockstar Records im Sommer wird nun bereits zum dritten Mal der Hit-Song von dem Ein-Mann-Projekt auf Vinyl gepresst. Denn „Stolen Electronics…“ ist tatsächlich auf dieser neuen LP ebenso vertreten, wie auch als hidden Track auf dem letzten Album bei Rockstar (wenn auch auf Deutsch).
Das stört allerdings überhaupt nicht – ist halt ein richtig guter Song und offensichtlich passen mehr geklaute Elektronikartikel in den Arsch, als man zunächst angenommen hatte, haha.

Die Platte erschien am Freitag offiziell bei Iron Lung und ist in limitierter Version bereits ausverkauft. Vielleicht schaffen es ein paar schwarze Platten ja über den Ozean, ma sehen, ne? Ich nehm eine.

Also – für die letzten paar Wochen noch mal ein bisschen Endzeitstimmung – danach machen wir mit dem wirklich depressivem Kram weiter.

Erquickendes Zitat von der Platte noch zum Schluss: „Death is the only Exit.“ Bin mir da gar nicht mehr so sicher…

Various Artists – Solidarity! – The Second Wave

OK. Ich hab mich umentschlossen und schreibe ab jetzt nur noch über Compilations. Es hat keinen Zweck. In den letzten Wochen sind einfach zu viele gute Sampler erschienen; das kann man nicht ignorieren.
Also gut, kann ich schon, aber ihr würdet dann so viele tolle Bands auf einem Haufen verpassen und außerdem sollt ihr hierfür Geld ausgeben!

Ich mein, auf dem Soli-Sampler für einen Club in Köln von Mort Clique Shows sind so tolle Sachen wie Küken, Alien Nosejob, Kool and the Gang Bangers, Mitraille, Stiff Richards, Zero Zeros, Ausmuteants und und und vertreten. Hallo? Das ist ja quasi ein best of Manierenversagen, haha.

Also los, Weihnachtsgeld gezückt, 5 Mark in die Spendendose und dafür 39 Songs (!) erhalten. Dafür bekommt ihr ein gutes Gewissen und richtig viele tolle Songs aus Punk Rock, Garage, Synthiepunk und Power Pop.

Ich vermisse die Shows in Köln. Nirgendwo hab ich je gelangweilteres, arroganteres und desinteressierteres Publikum auf Punk Konzerten erlebt. Gute Zeiten.