Gagu – Demo CS

Ich bin schon den ganzen Morgen auf der Suche nach dem richtigen Soundtrack für einen ordentlichen Streit, verdammte Scheiße. Es gibt so Tage.

Zum Glück gibt es auch solche Bands wie Gagu, die für nichts Anderes mit furchtbar schlechtgelaunten Pantoffeln in die Welt gesprungen sind und ihre armen Instrumente mit den latenten Aggressionen aus der verkorksten Jugend zum Hardcore quälen. Hervorragend. Danke, Jungs & Mädel.

Die Band kommt aus Connecticut und besteht aus 4 Leuten. Einmal Lexi, einmal Louie und zweimal Zach Zach. Das hört man auch.

So, wer hat Bock auf Stress?

Dirtbag Distro. Auf Kassette Ende April erschienen. Wenn es statt dem doppelten Zach den doppelten Louie Louie in der Band gäbe, würden die bestimmt entspannten Rock’n’Roll machen. OK.

Ÿdeg – Elme

Wasn das für ein komischer Name? Wasn das für ein seltsamer Buchstabe? "Ÿ" (ALT + 0159). Mehr Marketing braucht es eigentlich nicht, um als exotisch zu gelten, nehme ich an.

Wenn die Band dann auch noch auf Ungarisch singt – eine Sprache, die von 0,17% der Weltbevölkerung gesprochen verstanden wird – hat man wohl so etwas wie ne lokale Sondertruppe, die sich anschickt, für ein auserwähltes Publikum zu musizieren. In Berlin. Puh, das muss man erst einmal alles verstehen. Oder eben nicht.

Ganz nebenbei machen Ÿdeg hervorragenden Post Punk mit viel Gedudel in der Gitarre und Rumpeln im Bass und Geschepper beim Beckenstand. Rhythmisch abwechselnd, im Sound der späteren Dischord-Phasen gefangen und mit Emo-Spritzern versehen, erscheinen die depressiven Texte manchmal ein bisschen zu grau, aber ich hab gehört, Berlin ist im Winter total schlimm (man kann sich auf der Bandcampseite die Texte auf Englisch anzeigen lassen). Interessanterweise ist aber ein Song hier im Süden bei Karlsruhe entstanden. Das muss dann dieser frohlockende Zungenbrecher "Középszerű szar" sein, der sogar tanzbar ist. Tolle Single, super 7 Songs.

Beim näheren Hinsehen: Der Bandname bedeutet bestimmt nix, Titel auch nicht. Egal. Jeder der drei Jungs durfte wahrscheinlich im Wörterbuch nach Buchstaben würfeln. Muss ein französisches gewesen sein, den Buchstaben gibt es ja sonst gar nicht. Und dann auf Ungarisch singen. Hier weht der europäische Geist. Warum nicht.

It’s Eleven. Auf Single erschienen Ende März, glaub ich. Mir schickt ja niemand was.
Der Anteil von Leuten, die Bayrisch verstehen, ist im übrigen genauso groß (0,17%). Man könnte also beispielsweise sagen, die Black Metal Band Waldgeflüster sei genauso exotisch. Aber dann wiederum isses ja Black Metal und das soll man eh nicht verstehen (oder die Logos erkennen). Kunst, ey.

Sexfaces – Bad Vibes OST LP

Sagt mal, sind hier Traumdeuter unterwegs? Ich hab ne Frage. Ähm, für einen Freund.
Ist das gut, wenn man träumt, von sehr weit oben ins Wasser zu springen und dann beim blöden Aufprall auf die Wasseroberfläche ohnmächtig wird, sich im Schlaf dessen jedoch bewusst ist und krampfhaft versucht, aus dieser Ohnmacht zu entkommen, um nicht zu ertrinken und dann die Augen aufreißen will, weil man ja davon wach werden würde; also aus der Ohnmacht aufwachen und dementsprechend nicht ertrinken würde und dann denkt, wo jetzt die Augen schon einmal offen sind, wohin muss ich eigentlich tauchen, um nach oben, also zur rettenden Luft zu kommen und man aber gar nichts sieht und einfach nur wild strampelt in der Hoffnung, die richtige Richtung eingeschlagen zu haben und dann tatsächlich wild strampelnd aufwacht und aus dem Bett fällt?

Soundtrack dazu kommt aus Washington D.C. mit den drei Fick-Fratzen von Sexfaces. Ganz geil.

Slovenly Records. Kommt auf LP demnächst im Mai raus mit 11 Songs. Einen darf man jetzt schon einmal hören, aber für länger reicht auch meine Luft nicht. Äh, ich meine, die von einem Freund. OK.

Hoon – Speed And Fatigue LP

Und noch eine weitere Garage Punk Band aus Australien, die in die gleiche Kerbe haut, wie die ganzen anderen schnitzbegabten Kneipenrocker aus/von dem Land/Kontinent da unten.

Hoon aus Wollongong machen diesen Quatsch auch schon seit über 10 Jahren und haben in der Zeit eigentlich ünberall live gespielt, wo man sie lässt. Von großen Festivalbühnen bis zur Toilette auf der Autobahnraststätte ist alles mit dabei. Naja, außer der Toilette, aber fragt sie mal, die machen sicherlich überall Stopp.

Eingängiger Pub Rock Punk Schraddel, wie man es nicht anders erwartet und dennoch wird der Kram nicht langweilig oder eintönig – das ist einfach geiler Scheiß. Einen Song darf man jetzt schon mal, der Rest folgt dann Ende des Monats. Ziemlich gut.

Idiotape Records. In Europa von unseren Freunden aus Frankreich vertrieben, die auch schon das andere Album der Band hier herausgebracht haben. Im Juni kommen Hoon auf Tour, checkt schon mal eure Stadtparkklos, ob die genug Steckdosen haben.

Sekunderna – Se dig inte om

Ein neuer Song von Sekunderna. Ich liebe Sekunderna. Die kommen im Herbst auf Tour. Markiert euch schon einmal die Kalender mit Pop Punk aus Schweden. Überall.

Ein Brückentag, an dem ich tatsächlich auf einer Brücke stehe und in die Alster pinkel. Kann es etwas Schöneres geben? Ja, sicherlich, aber ich bin genügsam.

Bellum – Gure Gerra 12″

Ich wünsche euch einen schönen revolutionären 1. Mai, liebe Leidgenossen. Keine Ahnung, wie ernst ihr das heutzutage noch nehmt, aber schmeisst doch bitte einen Wattestein für mich mit in die hässliche Fratze des Kapitalismus, wenn ihr gerade dabei seid.

Ich kann heute leider nicht, bin verreist und mache ähm, Freiheitskampf im Baskenland. Getaria bietet sich da wunderbar für an, liegt hübsch am Meer, in der Nähe von San Sebastian (nur ein Steinwurf entfernt, haha) und obendrein kommen hier auch noch die tollen Bellum her, die den Soundtrack für eine friedvolle Abspaltung des Landes abliefern.

Poppiger Post Punk mit melodieverliebten Gitarrengeplänkel und Gesangspassagen aus der besten Tradition baskischer Punk Rock Bands. Passt ebenso zum Surfen wie auch zum Wasserbomben bauen. Toll.

Mendeku Diskak. Kommt auf 12″ später im Monat, wenn wir uns durch den Schutthaufen des Spätkapitalismus durchgewühlt haben und sich der Rauch verzogen hat. Also bei euch. Hier isses schön. Peace?

Real Losers – Time To Lose (2025 Total Punk Edition) LP

Rechtzeitig zur Vorstellung des neuen Kabinetts unter dem schlaksigen Hampelmann mit dem moralischen Kompass Deutschlands ("Vergewaltigungen in der Ehe sind okay") haben wir schon einmal die passende Band aus dem Keller ausgegraben.

Die Real Losers aus Leeds haben vor knapp 25 Jahren angefangen, ordentlich Radau im Stile von krachigen Garage Bands wie den Oblivians oder dem späteren Jay Reatard auf die Bühne zu tragen und dabei nicht nur Spuren der Begeisterung sondern auch ein paar Meisterwerke auf Vinyl hinterlassen. Das Erstlingswerk aus dem Jahre 2003 erschien damals auf Squirrel Records, die nicht unbedingt für diesen Sound bekannt sind, sondern wohl eher den Vorteil hatten, dass sie um die Ecke ihr Büro hatten und man bequem aus dem Proberaum in die Zentrale torkeln konnte, um den Deal zu unterschreiben.

Über 20 Jahre später torkeln die 3 Loser in das nächste Büro und unterschreiben einen Knebelvertrag, der ihnen nichts einbringt, als eine inoffizielle Veröffentlichung am Record Store Day. Was für ein Haufen Loser. Alles richtig gemacht. Geile Platte.

Total Punk. Auf LP wiederveröffentlicht am 12.04. Stellt sich natürlich die berechtigte Frage, wer am Ende die "echten Verlierer" sind. Ich würde auf ein paar Millionen tippen. Tja.

Grandmas House – Anything For You 10″

Die zweite EP vom Haus deiner Omma randaliert altersgerecht mit einer guten Schrammelattitüde und scheppernden Becken(knochen).

Grandmas House aus Bristol verpacken schöne Melodien in düsteren Texten und garnieren diesen Spagat obendrein noch mit abwechselndem Gesang aus zuckersüßem Sirup und whiskygetränktem Reibeisen. Toll.
Die sind im Mai in Hamburg (Molotow) und Berlin (8MM Bar) zu bestaunen, falls ihr sowas wie Konzerte besucht.

Duchess Box Records. Erscheint demnächst auf 10″. Endlich mal wieder dieses handliche Format der Schellack Platten. Bisscheren ommerig, aber passt ja. Ha.

Late! – Coolest In Town CS

Ironischerweise bin ich mal wieder ein bisschen spät zur Party von Late!, der Garage Grunge Punk Band aus Toulouse, die jüngst ihr Kasstten Debüt abgeliefert haben. Aber wie sagte Großmutter Shumway immer? "Es ist selten zu früh und niemals zu spät." OK.

Auf dem Tape findet man 6 Songs, die irgenwo in den 90ern den Rückenwind von poppigeren Grunge Bands aus dem Radio aufgeschnappt und diese dann in frische Melodien geblasen haben. Recht unterhaltsam und adrett zubereitet ist das eine runde Sache im eckigen Format. Kann man so an einem Montag machen.

Idiotape. Auf pink oder rot. Keine Ahnung, was da sonst für Leute in Toulouse herumlaufen, aber wenn böse Schauen und Sonnenbrille schon das Nonplusultra der Coolness ist, was machen die dann, wenn sich jemand eine Zigarette ansteckt und Coca Cola trinkt? Fallen die dann alle in Ohnmacht? Ha.

M.O.T.O. – 2 Hit Albums In 1! The T4pe CS

Habt ihr das auch in eurem Financial Times Abo gelesen, dass Kalifornien jetzt die viertgrößte Wirtschaftsmacht ist? Nur die USA (hä?), China und Deutschland übertrupmfen die wirtschaftliche Leistung des Bundesstaates noch. Damit hat Kalifornien Japan überholt. Verrückt. Und das alles mit Skateshops und Surfer Dudes und Hardcore Bands.

Nicht dazu beigetragen haben M.O.T.O., die Band aus New Orleans (falscher Staat), die jetzt zwei ihrer besten lo-fi Schlafzimmer 4-Spur Alben zusammen veröffentlichen, die steinalt sind (falscher Zeitraum). Ich glaub, Walls Of Pflegm hatte ich hier schon mal angepriesen, oder? Naja.

Diese grandiosen bis launischen Superhits aus der Garage Mottenkiste werden jetzt gepaart mit weiteren 27 Superhits aus dem Zauberkasten der Schrammelmelodien. Das Album Terramoto aus dem Jahr 1998 wird noch mit dazu gepackt und so entsteht eine Kassette mit 51 Liedern, von denen jeder Song ein Ohrwum ist. Das grenzt schon fast an Quälerei. Sehr cool!

Nuthin' Records. Eine Kassette mit 51 Liedern inklusive ein paar Bonustracks. Was will man mehr Ende Juni? Naja, vielleicht ein besseres Bruttionlandsprodukt in Louisiana , damit die nicht immer so viel schlechten Whisky saufen müssen. Man arbeitet dran. Steht in der FT.