Oh Snap!!

Aus der unbeliebten Reihe "Vier Bands von einem Label für Manierenversagen" (muss noch an einem catchy Titel arbeiten) kommen heute mal ein paar nette Veröffentlichungen vom spanischen Label Snap!! Records aus Madrid. Alles im Juni erschienen und alle auf Vinyl bei eurem Lieblingsplattenhändler zu bekommen. Sonst ist der doof.
Wenn das wohl mit dem unbeschwerten Sommer nichts mehr wird in diesem Jahrzehnt, dann holen wir uns eben den Sommer in die klimatisierte Mancave und tun bei Craftbier und High-End so, als wäre die Welt in Ordnung.

The Cheap Cassettes – See Her In Action EP 7″

Eigentlich schon im Jahr 2019 erschienen und somit auch völlig unberührt von diesem ganzen Pandemie-Zirkus, kommen diese alten Herren von Cheap Cassettes aus Seattle und Boston (?) mit ihrer EP recht fröhlich und unbedarft rüber, was allerdings in dem gewählten Subgenre von Power Pop auch zur Pflicht gehören dürfte. Die Männer machen schon seit Mitte der 90er zusammen Musik und sind nicht unbedingt schlechter geworden. So gesehen alles richtig gemacht, drei stabile Lieder mit guter Tanzlaune zu unstabilen Zeiten und Krampflaune.

Food Fight – S/T EP 7″

Ein paar Franzosen aus Rennes kamen jüngst auf die Idee, eine Power Pop Band zu gründen und sich dafür einen anrüchigen Namen zu geben, der aneckt, aber nicht komplett die linksgrünversifften Zuhörer abschreckt. Et voilà – Food Fight! Ich glaub, wenn man sich am Tisch gegenseitig mit Kartoffelschale und ausgelutschten Pampelmusen bewirft, ist das ok. Müssen ja nicht immer Mettigel sein, die da durch den Raum fliegen. Ach so. Ja. Musik – Power Pop. Ahh, hab ich schon gesagt. Ja nun. 4 Songs, tanzen und Kaugummi.

Eddie Mooney And The Grave – Telephone 7″

Wenn man es ernst meint mit Power Pop, muss man eigentlich in den späten Siebzigern buddeln und irgendeine Perle hervorzaubern, die damals die Punks in England begeistert hat. So geschehen dann hier auch mit Eddie Mooney, der schon die Bühne mit the Cure und the Damned und Joy Division geteilt hat und somit also vielen Leuten außer mir ein Begriff sein dürfte. Mitgewirkt haben hier an den zwei Portionen Zuckerguss außerdem noch Mike Rowbottom, Ricky Medlock und Malte Buhr. Aha. Und man merkt, dass es entweder alte Männer oder alte Lieder sein müssen, wenn es um die Beschwerde über das Klingeln eines Telefons in einem Song geht. Haha.

The Speedways – Borrowed And Blue

Ich mag die Speedways. Solch fein dargebotener Power Pop mit Punk Rock passt einfach immer in den Sommer und zum Fenster auf und Beine hoch und Eiswürfel. Kaum gefährdet von schlechter Laune. Nach zwei sehr guten LPs und einem Haufen guter Singles (auch alle bei Snap!!) haben die Jungs aus Nottingham wie ihr berühmter Legendenvater nun auch mal bei den Reichen gestohlen, um den Armen zu geben. Naja, da hab ich ein bisschen übertrieben. Sie haben ein paar Coversongs eingespielt. Den hier find ich aber super. Zack, Ingwer-Bier auf, Beine hoch. Prost.
Bäääääh.

Rata Negra – Una Vida Vulgar LP

¡Buenas! Tolles drittes Album von Rata Negra aus Madrid!

Die zehn Songs, die von "Una Vida Vulgar" erzählen, trällern dabei irgendwo zwischen dem quietschvergnügten frühen 80er Jahre WavePunk und dem verspielten Gute Laune Punk Rock vom Lagerfeuer am Strand. Und auf dieses Gerüst wird dann ein großer Haufen von grobem Brei aus Postpunkigem Allerlei gegossen. Fertig ist der Pop Punk Post Dudel Wahnsinn.

Hin und wieder kann man das Salz schmecken, den Sand in der Arschritze fühlen und die toupierten Haare vor seinem geistigen Auge sehen. Schöne Produktion, man schummelt sich hier nicht sieben Gitarren in den Sound, der nur von den drei schwarzen Ratten eingespielt wurde.
Klingt echt, macht Spaß. Sogar Menschen, die kein Italienisch können.

Kam vor ein paar Wochen in Spanien bei Humo Internacional heraus und in England bei dem bewährten Label La Vida Es Un Mus Discos. Die Farben, die bei der Covergestaltung fehlt, haben die kreativen Köpfe dann in das Vinyl gemischt. Es gibt sowohl rote wie auch grüne und schwarze LPs zu kaufen. Zusammen ist das dann die gefürchtete Kenia-Koalition.

Viel mehr Punk als "schwarze Ratte" kann man eigentlich beim Bandnamen nicht sein. Obwohl, "Pantalones Muertos" hört sich eigentlich auch ganz cool an. Haha.