Rapid – Enter The Realm Of Fire LP

Sind das alles eigentlich Kinderbuchautoren, diese Black Metal und Heavy Metal Typen? Der Albumtitel verspricht ja schon ne Menge Phantasie mit Teufel und Dreizack und schlimmer Hitze und so und der Song, den man jetzt hören darf, hat auch eine blühende Phantasie aus tausend Märchenbüchern als Grundzutat im Hexenkessel, nur halt irgendwo falsch abgebogen und ins Düstere gedriftet.

Ich glaube ja, wenn die Leute von Rapid so total die Schnauze voll haben von niedlichen Drachen und Zwergen, Zuckerwatte-Bergen und den ewigen Happy-Ends aus ihrer Schreiberwerkstatt des echten Berufslebens, toben sie sich mit den gesamten aufgestauten Gewaltphantasien in der Band aus und dann kommt da sowas bei rum.
Der Gesang erinnert mich an irgendeine düstere Firedhofs-Orgel-Punk Band, aber ich hab den Namen vergessen. Aha.

Dying Victims Productions. Auf limitierten Variationen im August erhältlich. Ähnlich verhält es sich offensichtlich auch mit den Illustratoren, die wohl ebenso die Kinderbuchbilder satt haben und alle paar Monate so schrecklich gruselige Bilder gestalten müssen, um nicht regenbogen-bekloppt zu werden.

Torpor – Ɖungeon Ɖescent LP

Habe ich noch gar nicht erzählt, dass ich neulich auf einem Mittelaltermarkt gewesen bin. Oder heißt das Fest? Egal, auf jeden Fall war das für mich erstaunlich zu sehen, wie ernst die Menschen das meinen.

Nicht nur die äh, Aussteller/Verkäufer und Handwerker, die dort selbstgebackenes Brot und selbstgeschnitzte Langbögen und Suppenschüsseln anbieten, sondern auch die Gäste, die dort ihre neuen Kleider und Pfeile, Kanonenkugeln und Drachentöter kaufen. Dann wird zusammen im Kreis getanzt und am Abend wird ne olle Rothaarige auf dem Lagerfeuer verbrannt.

Ich glaub, ich war der einzige Mensch ohne schwarze Klamotten, Kapuze oder Umhang. Denn es zieht ja nicht nur die wahnsinnigen Hippies mit Walldorfromantik an, sondern auch die ungewaschenen IT-Nerds mit lustigen Band-Shirts voller Säbel und Kerkern und Verliesen und Schriften, die ich nicht entziffern kann.
Das bringt mich zu unserer heutigen musikalischen Untermalung. Torpor aus Polen – nicht zu verwechseln mit der Doom/Sludge Band aus Bristol (meh) oder der Punk Band aus Montreal (ganz geil) oder der Weichspüler-Indie-Künstlerin aus Neuseeland (meh) – haben sich nicht nur nach Stillstand und Lethargie benannt, sondern liefern auch den passenden Soundtrack dazu.

Ich bin da nicht involviert in der Szene, ich hab da keine Ahnung von. Ich weiß nicht einmal, was das sein soll. Speed Metal? Heavy Metal? Black Metal? Wo ist dieser Benjamin Würfel, der damals Harald Schmidt erklärt hat, was Metal ist, wenn man ihn braucht? OK, nicht mein Ding, aber vielleicht braucht ihr das ja mal zwischendurch.

Dying Victims Productions. Erscheint im Juli auf verschiedenen Formaten in tollen Farben. Fun Fact: Den Titel des Albums muss man eigentlich lispelnd aussprechen, denn die Glyphe "Ɖ" nennt sich "Eth" und steht im Altenglischen für das "th". Also "Thungeon Thescent". Haha.