Orsini – Ezin Atera CS/LP

Ich verstehe dieses Demokratie-Dings auch irgendwie nicht mehr. Da wählen Leute also mehrheitlich eine Partei, und diese Partei darf dann den Gott des Bundeslandes stellen, aber der kann mit seiner Partei nicht alleine regieren und soll deswegen alles so machen, wie eine andere Partei, die nicht gewählt wurde, um doch zu regieren. Hä?

Können wir das vielleicht einfach mal lassen? Wir sind da zu doof für.

Aus Spanien kommen seit dem 11. Februar viel nettere Klänge über die Pyrenäen geweht. Da geht es um die gleichen Probleme, die man auch hier so kennt (Gentrifizierung, Fußpilz, kalter Kaffee), aber in Bilbao gibt es wenigstens Siesta und Pintxos und Orsini. Letztere nicht in Form des Adelgeschlechts, das Italien rund 800 Jahre mit Päpsten und Kardinälen und anderen Hohlbirnen bombardiert hat, sondern in Form der vierköpfigen Band.

Und die macht ganz wunderbare Hafenpromenaden-Garage-Punk-Schweinereien mit Wave und No. Tolles Album – die nächsten Sommerhits, die man unbedenklich am Strand trällern kann.

Andalucía Über Alles hat die Kassetten gemacht, irgendein anderes Label die LPs, die man derzeit noch vorbstellen muss, denn der Kram erscheint erst nächste Woche auf den physischen Tonträgern. Digital bläst das schon schon seit dem 11. Februar durch alle Gassen.

Dres Code – Not From Texas CS

Ah, der Kaffee für die Ohren. Dres Code aus Tennessee ballern sympathischen lofi Garage Punk in die Tasse und erinnern mich dabei an eine entspanntere Version von Atari Teenage Riot.

Krach, Schrei, noch ein Schrei, ein anderer Schrei und alles verzerrt und darunter irgendwo Melodien, die aus den 80er Jahren Best-Of Hardcore-Riff-Buch abgeschrieben wurden. Geiler Scheiß.

Ragdoll Records. Auf 25 Kassetten erschienen. Wer davon nicht wach wird, sollte vielleicht mal zum Ohrenarzt. Oder nach dem Hören sowieso mal hingehen, ist ganz schön laut, kann nicht gesund sein.

Sexaphone – Lost Connections 2004-2025 CS

Vom "Board of Peace" zum Krieg in nur einem Monat – Respekt. Wo gibt es eigentlich diese Pillen, die man für Montag bis Sonntag einnehmen muss, um zu funktionieren? Ah, direkt hier… wir praktisch.

Lofi Garage Punk mit Drums und Gitarre aus der Vergangenheit Londons.

Sexaphone gab es eigentlich nur ein paar Jahre in den Nullern, also ziemlich genau vor 20 Jahren, und damals haben sie zwei Singles mit genau diesem dreckigen und vielleicht auch simplen Sound vor die Pubs gerotzt. Also zumindest simpler als der Kram von Black Time, bei denen sie beide ebenfalls ziemlichen Krach gemacht haben, aber ein bisschen bluesiger, rockiger.

Hier also die Zusammenfassung ihrer Schaffenskrisen aus den letzten 21 Jahren inklusive ein paar neuer Stücke, die extra für diese Veröffentlichung aus dem modrigen Keller gezogen und komplett neu eingespielt wurden. Roh und sympathisch dilettantisch – wunderbar.

Girlsville. Auf Kassette erschienen. 20 Songs für den Montag, gut dosiert gibt das genügend Schub für den ganzen Tag. Und mit Schub meine ich im Bett liegen bleiben, Sonne hin oder her.

Tacoblaster – Digital Fun-Zone LP

Tacoblaster aus Bordeaux haben jetzt schon den erfrischenden Sound für den heißen Sommer im Angebot. Oder andersrum.

Das klingt manchmal ein bisschen so, als hätten Sweet Reaper ein neues Fuzz Gerät Fußpedal in der Garage gefunden und hüpfen darauf fröhlich herum. Eine entspannte Mischung aus Pop Punk, Surf und Garage Rock wird da in 12 Songs auf dem Album geboten, die wie warmer Sand zwischen den Zehen durchrieselt.

Und dann im Zelt nervt, aber das hat man davon, wenn man so ein schiefes Bild aufmacht. OK.

Howlin' Banana Records. Auf LP erschienen. Das Cover ist auch vom Chef der Band entworfen und mit der Hilfe von Lucie Bedu umgesetzt worden. Aber eigentlich macht alles Tom Caussade. Auch die Interviews. Oh lala. Das ist Egg? Verdammt.

Today’s Milk – Party Store/Good People

Unsere tägliche Milch kommt heute aus Kalamazoo und schmeckt nach lofi Garage Punk aus den 90ern mit einer guten Ladung "zu weird fürs College Radio". Today’s Milk ersetzt die Abnehmspritze. Toll.

Will sich denn kein Label da mal dranhängen? Schon 3 EPs und diese Single veröffentlicht. Wenn das zu lange herumliegt, werden die nur sauer.

Liquids – January 2026

Toll. Einfach nur toll. Klingen erfrischend lofi und schrammelig nach M.O.T.O., von denen sie auch ein paar Songs hier covern. Und von Queen, Cock Sparrer usw. auch.

Keine Ahung, ob ihr Rosenmontag feiert, aber das hier ist der beste Soundtrack, um nüchtern durch den Tag zu kommen, wenn alle anderen normalen Menschen auf einmal meeega lustig sind. Alaaf.

Insgesamt 21 neue Songs. Passen so auch nur ins digitale Fach. Liquids – tolle Band, kann nix falsch machen. Habt ihr die live gesehen?

Pasado – S/T CS

Ach ja, die Ambivalenz des Wiedererkennungswerts. Schon beim ersten Gitarrenakkord hört man die Herkunft heraus, ist das dann ein Markenzeichen?

Oder ist eine gewisse Einfältigkeit und im wahrsten Sinne des Wortes eine Eintönigkeit eher der vorherrschende Grund? Ist das dann gut oder schlecht? Die ewige Frage nach immer mehr vom gleichen Scheiß oder immer wieder was Neues. Ich mag beides, ha.

Hier hört man auf jeden Fall direkt den Sound vergangener Helden wie Warsong oder Insomnio heraus, die jetzt ein bisschen glattgebügelt im neuen Gewand als Pasado auf Spanisch daherträllern und ansonsten den gewohnt melodiösen Garage Punk zelebrieren, den die beschriebenen Bands auch schon vor knapp 20 Jahren in jugendlicher Manier von der Bühne gebrüllt haben. Ganz geil.

Polze De La Mort. Auf Kassette erschienen. Vielleicht auch bei Chichen Attack Récords zu bekommen? Keine Ahnung. Bad Religion haben seit 30 Jahren ja eigentlich auch nur 2 Songs geschrieben und das finden alle total super, also ist das mit dem "Wiedererkennungswert" wohl ein Qualitätsmerkmal. Gut oder schlecht sei dahin gestellt. OK.

Straight Arrows – Middleman / Do The Sloth 7″

Es ist schon bemerkenswert, dass in einem Skandal um alte weiße Männer derzeit nur eine Frau im Knast sitzt. Findet ihr das nicht auch komisch? Nee, wahrscheinlich ist das ganz normal. OK.

Goodbye Boozy hat Straight Arrows gefragt, ob die nicht Bock auf ne Single hätten und die hatten. Haben.

Die Band aus Sydney lieferte prompt zwei eingängige Garage Punk Schenkelklopfer ab und sichert sich damit ihre und des Labels Reputation als langjährige zerbogene Speerspitze des Genres. Sehr schön.

Goodbye Boozy. Auf Single erschienen und bestimmt schon ausverkauft. Digital aber auch gut. Ja, ich weiß, ein Mann saß auch bereits im Gefängnis, aber der ist ein bisschen zu jung verstorben, bevor er noch großartig reumütig oder gesprächig werden konnte. Komisch, oder?

D.B.R. – Unbearable CS

Das neue Album von D.B.R. aus Berlin kommt in Gestalt einer richtigen Garage Punk Band daher. Ungestüme Melodien versteckt in krachigen Gitarren, die von dem schepperndem Schlagzeug aus der hinteren Ecke befeuert werden und mit dem Post Punk Bassläufen vom Sofa zum übertriebenen Kopfnicken einladen.

Erinnert bestimmt an viele Bands, mich ein bisschen an das letzte Album von Personality Cult oder an die urbanen Mitbewohner von Liiek. Ziemlich gut.

Das Artwork wurde von Fuzzgun erstellt, der auch die letzte Split System 7″ und darüber hinaus die feine Ruby Single auf Rockstar Records gestaltet hatte.

OK, aber wusstet ihr, dass er auch mit verantwortlich für die Gitarrenarbeit auf diesem Album hier ist? Verrückt.

Phantom Records. Auf Kassette erschienen. Richtig gut.

Fashion Bathers – From The High Desert CS

Synth Punk aus Manitoba, der ein bisschen an die Terramoto oder Wall Of Phlegm Sachen von M.O.T.O. erinnert.

Nicht weiter verwunderlich also , dass Fashion Bathers auch eine Ein-Mann-mit-Schnurres-Show ist. Lofi as Fuck und mit zu vielen Melodien für eine Person alleine am Frühstückstisch. Sensationell, wie man 18 Hits in 11 Minuten verpacken kann, ohne sich zu wiederholen oder eintönig zu wirken.

Mal ein bisschen mehr Gitarre, mal ein bisschen mehr Synth und Background Harmonien – das klingt alles mehr nach einer kurzen Schlafzimmerprobestunde, die dann zu einem "richtigen" Album führen soll, aber nein. Das Produkt ist fertig. Geil.

Knuckles On Stun Records. Auf 25 Tapes erschienen und im Moment gibbet noch 6. Tut eurem Schnurrbart einen Gefallen und kauft die restlichen Kassetten. OK.