Uzu – S/T

Tolles Album von den arabischen Punks aus Montréal. Textlich kann ich da nicht viel zu sagen, aber das wäre bei Französisch ähnlich und meistens kann man sich in unseren subkulturellen Kreisen ja auf die inhaltliche Gestaltung verlassen. Sollte jemand sich beleidigt fühlen oder einen Schreibfehler auf dem Cover von Uzu finden, kann er/sie sich bestimmt vertrauensvoll an die Band wenden.

Musikalisch ist das Abenteuer irgendwo zwischen Red Dons, Nightwatchers oder Criminal Code und Estranged anzusiedeln. Könnte also allen Menschen auf der Welt gefallen.

A World Divided. Meinen letzten Ouzo hab ich bestimmt in einem griechischen Lokal als kostenlose Dreingabe nach dem Essen getrunken und das muss mehr als 10 Jahre her sein. Furchtbares Zeugs.

Destiny Bond – Be My Vengeance LP

Das Debüt Album von Destiny Bond aus Denver lässt nichts zu wünschen übrig. Also wenn man das Demo kennt. Ansonsten vielleicht schon, keine Ahnung, müsst Ihr mit dem Weihnachtsmann am Ende des Jahre klären.

Das Demo kam ja bereits im Jahr 2021 heraus und eigentlich wollte das Album auch schon viel früher, aber leider sind bei den Aufnahmen letztes Jahr drei der fünf Mitglieder an dieser verdammten Seuche erkrankt und mussten die Session abbrechen. Daher also erst jetzt die knapp 20 Minuten Spaß, die sich mit der Szene, queerer Identität und unseren sozialen Konstrukten auseinandersetzen.

Richtig gute Hardcore Punk Platte, die mit genügend Melodie imstande ist, die 10 Songs zu zähmen, ohne die Aggression und den Spaß am Lenkrad verprügeln zu bremsen. Wie damals bei Dag Nasty, auch wenn es da noch das Bonanza Fahrrad war. Egal. Geiler Scheiß!

Sind auf Convulse Records gelandet. Ich vertippe mich die ganze Zeit und schreibe "Destiny Bong" – der Name gefällt mir eigentlich sogar besser. OK.

Failure To Thrive – Demo CS

Sehr cooles Demo von Failure To Thrive, die visuell einen recht niedergeschlagenen Eindruck machen, wenn man sich das Cover der Veröffentlichung mal so ansieht. Die kommen aus Wyoming und dort scheint es nicht viel zu lachen zu geben. Tut mir leid, aber der Musik gut – Hardcore mit schlechter Laune. Könnt ihr euch schon einmal in die Hamsterbacken packen für den kommenden Herbst und Winter.

Das Tape ist bei Dirtbag Distro erschienen. Die Band stammt aus Laramie (Wyoming) – das ist in etwa das Äquivalent zu Salzgitter (Niedersachsen) – kein Wunder, also.

Taxi Girls – Coming Up Roses

Sommer, Sonne, Kaugummi. Scheint es auch in Montréal zu geben, denn zumindest der Sound der drei Mädels von den Taxi Girls erinnert an die unbeschwerliche Zeit, als ein verklebter Magen und Darmverschluss als Konsequenz aus dem Verschlucken von Kaugummis noch zu den schlimmsten Dingen gehörte, die meine Eltern mir prophezeit hatten. Heute passt der poppige Punk auch ganz wunderbar zu Planschbecken auf dem Balkon mit Bier und Flutschfinger. Macht was draus.

Auf Vinyl bei Wild Honey Records in Italien und auf Kasstte bei Dirt Cult Records in den USA. Digital hier zu bestaunen und live in Kanada. Verrückte große Welt.

Eastern Syndrome – Brain Driller CS

Eastern Syndrome. Neue Band aus Berlin, die sich nach einer langen Nacht im AGH in der KØPI 137 zusammengefunden hat und anstatt nach Hause zu stolpern, haben sie ihre verklebten Augen und Nasen in den Proberaum geschleppt und ein bisschen mit dem Halleffekt herumgespielt.

Auf einmal waren 5 Songs aufgenommen, die aus den 80ern direkt in die müden Tanzbeine drängeln und mit einem charmanten anarchisch-hippiesken 80er Geschmack den Sonnenaufgang versüßen. Toll.

Kassette kommt bei Brainwasher Records in den nächste Wochen heraus, das digitale Demo ist am Freitag bei der Band erschienen. Love, Peace & Anarchy 🙂

Home Is Where – The Whaler LP

Wieso läuft in den Autos, die mit offenen Fenstern durch meine Nachbarschaft tuckern, eigentlich immer so unfassbar bekloppte Musik? Hört denn niemand mehr gute Musik? Immer nur stupide aggressiver Deutschrap oder bummslangweiliger Techno oder der lärmende Best-of-Mix aus der türkischen Pop-Hitparade. Puh.

Vielleicht hören coole Leute heimlich bei geschlossenen Fenstern und Klimaanlage solch Post Punk Rock und Emo Perlen wie Home Is Where aus Florida? Schade eigentlich, das sollten mehrere Leute vorgesetzt bekommen, und wenn es nur an der Ampel für die kurze Zeit einer Rotphase ist – denn mehr braucht die Band eigentlich nicht, obwohl das neue Album wieder einmal extrem vielschichtig ist und zwischen den verschiedenen Subgenres hin und her schwingt wie ein besoffenes Pendel.

Ist da auch ein bisschen Screamo? Indie? Ach, einmal mit allem, bitte.

Wax Bodega. Heute erscheint das Album auf blauem Vinyl.
Das letzte Mal, dass ich gute Musik aus einem vorbeifahrenden Auto gehört habe, war in Aachen vor 8 Jahren, als ein tieeeefergelegter BMW ziemlich laut die Einlaufmusik vom Heartbreak Kid Shawn Michaels über seine fettttte Anlage liefen ließ. "I’m just a sex boy, I’m not you boy toy." Fand ich fast schon poetisch schön.

Silver Car Crash – Shattered Shine LP/CS + VHS

Bei dem Namen der Band muss ich immer an James Dean denken. Aha. Soundtechnisch bewegen sich Silver Car Crash eher so auf der Überholspur in Richtung Dischord Records in den 90ern und vielleicht schmieren sie noch eine Portion Emo und Grunge mit aufs Brot, wenn der Papa nicht hinschaut. Coole Platte. Als besonderes Schmankerl kann man eine Videokassette (!) mit einem Mitschnitt eines Livekonzerts dazu kaufen. Nerds.

Crafted Sounds bringt das Schmuckstück auch auf Kassette und Vinyl heraus. Also dreifach analog. OK.
Ein weiterer "silver car crash" wäre ein Aston Martin Imitations-Matchbox Auto gewesen, dass ich gemeinsam mit einem Freund und einer handvoll Ladycrackern in die Luft gejagt hab. Nimm das, 007!

Graveyard Of The Pacific – Sorcerer

Das passiert also, wenn Punk Rocker als Kinder zu viele Horrorfilme geschaut und zu viel Dungeons and Dragons gespielt haben. Sie treffen sich 30 Jahre später im Proberaum, vergleichen ihre Wohlstandsbäuche und die Actionfiguren-Sammlung und dudeln dann ein bisschen ihre Lieblingshits aus den VHS Kassetten der 70-80er des Gruselgenres.

Und dann merken sie, dass das ja gar nicht so schwierig ist, man muss nicht die ganze Zeit schrammeln und dreschen und wie ein Irrer ins Publikum springen. Das geht ja auch dudelig und macht Spaß und klingt cool. Dann buddeln sie noch ein paar weitere Gräber um und so wird eine wunderbare Mischung aus Espectrostatic, Eerie Family und den Hex Dispensers zu Tage gefördert, die sich Death Surf nennt.

Nicht sonderlich verwunderlich, wenn Alex Cuervo und Alyse Mervosh hier zwei vom Trio sind. Und dann obendrein David Bessenhoffer als Dritten im Bunde haben, der ja ebenfalls eine zeitlang bei den Hex Dispensers mit dabei war. Naja, und die bringen jetzt nach einer Single vor drei Jahren ihr erstes Album als Graveyard of the Pacific heraus. Wieder von Mark Ryan produziertt. Ein Song heute, der Rest am Freitag(?). Richtig gut.

Ohne Label. Ich würds ja machen, dann hätte ich das auch auf Vinyl. Muss ma anrufen. In der Zwischenzeit schaue ich mal mit meinen Kindern die 13 Halloween Filme. Scheint ja doch was zu bringen auf lange Sicht.

Rat Cage – Savage Visions LP

Habt Ihr auch den Verfassungsschutzbericht gelesen? OK, müsst Ihr auch nicht, ich fass die Eckpunkte mal zusammen.

Wir haben ungefähr eine gleichgroße Anzahl an sogenannten "Links- und Rechtsextremisten" in Deutschland (ca. 36.500 resp. 38.800). Die rechtsextremen Straf- und Gewalttaten beziffern sich im Jahr 2022 auf eine Summe von 22.357. Die linksextremistischen Straf- und Gewalttaten kommen lediglich auf eine Summe von 3847. Das sind nur 17.2% von den rechtsextremen Taten! Und da sind die Spinner von den Reichbürgern noch gar nicht mit eingerechnet.

Was war denn da los, Freunde? Nächstes Jahr möchte ich ein bisschen mehr Bemühungen sehen. Nicht immer nur reden und so, ne. Sonst müssen wir Euch irgendwann zurückstufen zu der Gruppe "Ver­fas­sungs­schutz­re­le­van­te De­le­gi­ti­mie­rung des Staa­tes" und Ihr malt wieder Protestplakate mit Wachsmalern und bekommt das Megaphon ohne Batterien.

Zur Motivation und Aggressionssteigerung empfehle ich die neue Platte von den sagenhaft schlechtgelaunten Rat Cage aus Sheffield. Hier kann man 11 mal bestauenen, wie sich Hardcore Punk im Jahre 2023 noch immer anhört. Wie vor 40 Jahren, wenn wir mal ehrlich sind. Uffta Uffta, Metalsoli, Riff Riff, Schrammel, Schreien, Beckenkrachen, mid-tempo auf die Fresse. Hier wird das Rad eckig gemacht und mit Nägeln gespickt. Das passt schon. Geiles Album.

La Vida Es Un Mus Discos. Auf rotem und schwarzem Vinyl. Weil Antifa, weißte. Herrje, nun kauft halt beide und nagelt sie Euch an die Wand. Vielleicht reicht das dem Verfassungsschutz ja schon, um Euch als Sympathisanten zu zählen.

New Adults – Listen To New Adults CS

Zum Ende des Jahres wurden noch einmal saftige Strafen auf europäischen Straßen eingeführt, damit sich das Rasen auch wirklich nur noch die Besserverdienenden leisten können.

In Italien und Tschechien sollte man in Zukunft also nicht mehr während der Fahrt aufs Telefon glotzen und masturbieren, die haben die Preise ordentlich angezogen. In Schottland hingegen kann man immer noch am meisten saufen, bevor man mit seinem Defender über die Wiesen holpert und ein paar von diesen komischen langhaarigen Rindviechern umfährt, die eh nix sehen, weil ihr Pony vor den Augen hängt. Falls ihr also während der Feiertage eure Familien im Umland besuchen fahrt, denkt daran…

Andere nützliche Tipps von erwachsenen Menschen geben euch die New Adults aus Leipzig auf ihrem neuen Album. Garage Punk mit künstlichem Hall auf dem Gesang, natürlichem Geschepper von den Becken am Schlagzeug, eierverzerrter Gitarre aus der Blechdose und charmanten Melodien aus der Traumfabrik der sächsischen Idylle. Gebannt auf 9 Songs in tatsächlicher Albumlänge. Vielleicht ist das ja ein schöner Soundtrack für die Heimfahrt?

Flennen & U-Bac. Falls ihr nach Polen fahrt, könnt ihr euch dort hinter der Landesgrenze direkt von der Gurtpflicht befreien, das ist spottbillig und paart sich wunderbar mit dem Rasen, das hier auch noch für den Normalbürger erschwinglich ist. Viel Spaß.