Knowso – Pulsating Gore LP

Heute mal ein bisschen Post Punk mit intellektuellem Appeal. Das bedeutet natürlich gleichzeitig, dass man zu dumm für Musik ist, wenn einem das nicht gefällt, logisch. Aber ich will in diesen harten Zeiten nicht polemisch sein. Nein.

Hier, für all die hart streikenden Dummbauern auf den Straßen und die hart trauernden Dummbrote in den Gossen rund um Deutschlands Fußballstadien. Der König der Bauern, der Beckenbauer, der Kaiser ist von uns gegangen, aber hey, gute Freunde kann niemand trennen, ne.

Auch Knowso aus Cleveland spaltet nicht, sondern versöhnt missmutige Bahnfahrer, die auf ihren Zug warten, mit streikenden Treckerfahrern, die ebenso auf ihre Almosen vom Start warten, mit dickbäuchigen Deutschland-Fans, die um eine vermeintliche Lichtgestalt weinen, die sie als Kaiser und einzige Führungsperson in schwarz-rot-gold akzeptierten. Wir sind alle eins, und das ist ganz schön impertinent.

Sorry, das hat alles gar nichts mit dem verqueren Gedudel der Band zu tun, die nun ihr drittes Album herausbringen und ähm, eigenwilliger denn je sind. Dazu kann man sich vielleicht nicht unbedingt konstruktiv in einen Dialog miteinander begeben, die Musik erfordert zu viel Aufmerksamkeit. Aber vielleicht ist es das, was wir gerade brauchen. Mehr Zuhören, weniger Scheiße labern. Mehr Versuchen, komplizierte Dinge zu verstehen, als sie in eine Schublade zu stecken und reinzukacken. Naja. Ich mags jedenfalls. Die Musik meine ich, nicht in Schubladen kacken. OK.

Sorry State. Auf 12″ erschienen. Mir ist gerade aufgefallen, dass es in Deutschland gar keine Thronfolge für den Kaiser gibt. Haben jetzt die Reichsbürger gewonnen oder verloren?

Perp Walk – Permacrisis 7″

Wieso heißt es eigentlich Doppelhaushälfte? Dieses Land macht mich fertig. Da verdoppelt man etwas, um es dann wieder zu halbieren. Kann man das nicht wegkürzen und dann steht da einfach nur "Haus"?

Perp Walk aus Bristol müssen sich – da nicht deutschsprachig – mit anderen Sorgen herumplagen, die sie auf einer neuen Single hübsch angepisst und wütend vertont haben. Passend zur neuen Woche also ein paar Hardcore Schmankerl zur Permakrise, die den Weg zur Arbeit im Stau versüßen und schon einmal das korrekte Stimmungsbild für das Büro zeichnen. Cool.

Crew Cuts Records macht das Vinyl, Hollow Life die Kassette und den digitalen Vertrieb. Oder man gibt de Band direkt Geld.
Am Wochenende hab ich eine andere schöne Wortkreation im Supermarkt entdeckt: "Hündchenlaptop". Das Produkt war aber leider ein Kinderspielzeug und kein fellüberzogenes Notebok. Chance vertan.

V.A. Fichines Ruido Zafarla – Este Sinte Mata Fascistas CD

Leider hat man nicht nur in unserem Land mit einem furchtbaren Linksruck zu kämpfen, auch in anderen Teilen der Welt fallen immer mehr Menschen auf die vernünftigen Vorschläge von intelligenten Personen rein. Hä? Nee. Moment.
Da hat mir mein Praktikant was durcheinander gebracht.
Eigentlich wollten wir einen flammenden Appell niederschreiben, der zum Ausdruck bringt, wie populistische Männer mit lustigen Haaren die ärmeren Menschen eines Landes mit hohlen Phrasen zu blenden, anschließend an die Macht kommen, um dann diesen Leuten den Rest des Geldes aus den Taschen zu ziehen.

Dann nennt man das "Anarchokapitalismus", wischt sich den Scheiß seiner arbeitenden Bevölkerung auf die Stirn und lächelt verschmitzt verschwitzt in die Weltpresse.

Offensichtlich haben die jüngeren Menschen Argentiniens den Mann und die herrschenden Politiker durchschaut, schließlich kämpft das Land schon seit gefühlten Ewigkeiten mit wirtschaftlichen ähm, Fehlentwicklungen, die zumeist auf dem Rücken der untersten Schichten des Landes ausgetragen werden. Vor 70 Jahren war Argentinien noch das Land mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen in der Welt. Mit natürlichen Ressourcen und fruchtbaren Böden, die eigentlich bis ins 22. Jahrhundert eine goldene Zukunft verprachen. Und dann haben die Deppen die Nazis ins Land gelassen, sich selber erfolgreich am Faschismus versucht und letztlich nur im internationalen Fußball brilliert. Was sagt die Jugend dazu? Alles Tango? Oder eher Synth-Punk und Techno?
Könnt ihr hier hören. Schöne Zusammenstellung aktueller Reaktionen aus der subkulturellen Musiklandschaft Argentiniens. Von Eier bis Uffta alles dabei. Cool.

Fichines Ruido Zafarla. Auf CD und digital zu erwerben.
Immer wieder schade, dass Hoffnungsträger einer Generation zunächst beklatscht werden, um daran anschließend irgendwie dumm wie Brot alten Kram nachzuplappern und nichts zu ändern. Ging mir auch so.

TV Cop – Another Good One CD/LP

Beim Hören der neuen Ausgabe von Pop Punk für heranwachsende Skateboarder hatte ich ein Flashback zurück in die 90er, als solch Bands auf einmal überall aus ihren Löchern gekrochen kamen und gefühlt die Sonne Kaliforniens aus dem Lautsprecher in mein Leben transportierten.

Ich fand das damals super, ein unbeschwerter Sound für eine unbeschwerte Zeit – die größten Probleme waren ein leiernder Walkman und die Eltern.
Gut, für viele Menschen in meinem Alter hat sich das nicht großartig geändert, die sitzen jetzt auch mit ihrem Walkman in der S-Bahn und drehen ihre Kassetten lautstark um, damit das auch alle sehen. Nerds. Und gleichzeitig denken sie darüber nach, wie sie ihre senilen Eltern am liebsten an Weihnachten zu den Geschwistern abschieben würden.

TV Cop aus dem Süden Iowas spielen diesen Power Pop Punk Rock, der in den meisten Comig-Of-Age Filmen und Serien im Hintergrund zur Berieselung läuft. Oder der auf einem Tony Hawk Soundtrack hätte landen können. Und alle 4 Jahre mag ich das. Wünsche Euch eine unbeschwerte Zeit.

Bloated Kat Records. Kann man auf CD oder LP kaufen. Leider keine Kassetten für unterwegs. Aber schaut doch mal, ob euer alter MP3-Player noch irgendwo herumfliegt. Die sind auch bald wieder in, wetten?

Idaho Green – Double Ashley / Virgelle to Victor 7″

Während wir hier sitzen und unser Bildungssystem hinterfragen, weil die meisten einheimischen Kinder zu doof sind, um aus einem tiefen Teller zu essen, haben sogar die Erfinder von "Bang", "Poof" & "Pow" als literarische Unterhaltungselemente das Land der Dichter und Denker im Lesen überholt. Na sowas.
Ich habe gestern Post von einer Band aus Brooklyn bekommen, die ich vorher noch nicht kannte. Jetzt fangen die Amis also auch noch an, die deutschen Blogs zu lesen und mit ihrem kulturimperialistischen Vinylveröffentlichungen zu überschwemmen. Und es funktioniert.

Idaho Green haben eine tolle Single im Sommer auf Vinyl gepresst, die mit 4 poppigen bis schmutzigen Indie Garage Punk Songs bestückt sind. Jeder um die 3 Minuten lang und sehr passend zu Kaffee im Thermosbecher, während man mit Schlittschuhen zur Arbeit stolpert. Beste Überermalung des Besuchs auf dem gezwungen fröhlichen Weihnachtsmarkt mit Glühweindunst in der Luft und Lebkuchenkotze auf den Schuhen.
Die Band gibt es schon seit 2008, ist trotz des Namens in New York City ansässig und die haben sogar einen hübschen Weihnachtssong in ihrer Discografie – passend zur Saison. Toll.

Satellite Tribe Records, Minor Bird Records. Die 7″ Single ist grün, limitiert und nach dem 3. Abspielen nicht mehr aus den Ohren zu kriegen. Danke, Austin. Wenn das so weitergeht mit der Bildungsmisere, wünschen wir uns in ein paar Jahren amerikanische Verhältnisse. Na sowas.

Lexicon – Poison Head 7″

Manchmal muss es Geballer sein, wenn man es eilig hat. Garniert mit Ernte 23 Stimme und mehr Kreischen als Akkorden aus dem Gitarrenamp, haben Lexicon das Hardcore Alphabet in Form von 6 Songs auf Vinyl gepresst und dabei alles befolgt, was man so Regeln aus dem DIY Hardcore Punk weiß. Nix. Macht wach, macht Spaß mach Krach.

Iron Lung Records. Kommt auf 7″ raus, jetzt schon einmal 2 Songs anhören und die Band im Nordwesten der USA auf Tour bestaunen. Ich leg mich wieder hin.

Spectres – Presence LP

Hier, die neue Spectres Platte wurde vor knapp zwei Wochen angekündigt. Ich hab mit dem Teilen lediglich gewartet, bis das Wetter richtig ist. Schlimmer wirds wohl gerade nicht mehr, also einmal einen Song aus der Post Punk Melancholie Dose, bitte.

Irgendwie sind da immer The Cure und The Smiths drin versteckt, wenn man ausgiebig sucht. Oder vielleicht andere, modernere Coldwave Bands, die sich anschicken, den trübseligen Herbst zu vertonen. Spectres aus dem regenreichen Vancouver schaffen es auf jeden Fall stets, den Soundtrack für die dunkle Jahreszeit zu liefern und das beweisen sie hier bereits mit nur einem Song, den man schon einmal hören darf. Die restlichen 10 kommen dann erst im Frühling (!) heraus. Tolle Platte, schlechtes Marketing. Hurra.

Artoffact Records. Kommt auf Vinyl im nächsten Jahr auch bestimmt in Europa irgendwo. Bis dahin erst einmal die Regenzeit irgendwie überstehen, um dann mit einem Vorschlaghammer aus Vinyl zurück in die Herbstdepressionen gedroschen zu werden. Ich freu mich drauf.

Soup Activists – Mummy What Are Flowers For? CS

Minimalistisch und gut. Keine Ahnung, warum da Mangelware drauf steht. Haha, wie witzig.
Band ist momentan in Europa auf Tour.

Mangel. Auf Kassette erschienen.

Current Affairs – Off The Tongue LP

Könnt Ihr Euch noch an das Lustige Taschenbuch aus den 80ern erinnern, das bis in die späten 90er Jahre in vielen Kinderzimmern und auf diversen WG-Klos herumlag? Als Kind hab ich das nie so recht verstanden, warum die Comics nicht vollständig bunt waren. Nur jede zweite Doppelseite war koloriert, ansonsten mussten Dagobert und der Rest Entenhausens ihre Probleme in schwarz/weiß lösen.
Ab Ende der 80er war das wohl dann kein Geldproblem mehr, alle Seiten in Farbe zu drucken. Die Erstauflagen wurden seit 1989 in Farbe nachgepresst und die meisten Exemplare auf den Flohmärkten sind auch gar nicht so alt, als dass man noch mal so ein halb/halbes Büchlein in die Finger bekommen könnte. Somit sind die Dinger heute schon eine Seltenheit.
Hab ich nur heute dran denken müssen, da es eine schöne Allegorie zu dem Leben ist. Es kann ja nicht immer alles bunt sein, manchmal ist die Welt eben auch schwarz/weiß. Es sei denn, man hat genug Geld. Dann pinselt man einfach die grauen Tage quietschebunt an und tut so, als wäre es nie anders gewesen.

Der passende Soundtrack für den Besuch beim Therapeuten liefern heute Current Affairs, deren Single ich ja schon mal irgendwann hier abgefeiert hatte. Auf der kompletten Länge einer LP funktioniert die Band aus Glasgow und Berlin allerdings genauso gut. Schön zu wissen. Der wavige Post Punk trägt Dich auf einer heiter bis düsteren Melodiensammlung durch die Regentage und steht Dir beiseite, wenn der ohrenbetäubende Nebel der Großstadt zu dicht wird. Schönes Ding.

Tough Love. Kann man auf farbiger LP kaufen. Oder auf CD. Beides im übrigen noch bei X-Mist zu haben, wo Ute das Lager abverkauft und alles zum halben Preis raushaut. Das mit dem farblosen Comics ist im übrigen ja auch nicht nur den Lustigen Taschenbüchern zuteil geworden, auch heute noch werden die Mangas zum Beispiel meist in schwarz/weiß verkauft. Es ist und bleibt eben eine Kunst Geldfrage, sein Leben und seine Comics bunt zu gestalten.

Saffron – No Passenger

So lange man immer wieder nachlesen kann, dass "die Umweltverbände sich enttäuscht von den Ergebnissen zeigen", sollte man wohl davon ausgehen, dass wir das hier auf diesem Planeten ziemlich verkackt und den Weg (zurück?) in einen Einklang mit der Natur wohl verpasst haben.

Zum Beispiel. Sollten wir auf Plastik verzichten? Hm. Schaut mal, da treibt ein Müllhaufen in der Größe von Hessen durch das Meer, in den Flüssen sammelt sich tonnenweise Plastikschrunz, der bei Regen sämtliche Anwohner überflutet, sodass die Menschen dort einfach in Einwegflaschen und Tüten ertrinken. Krasse Scheiße. Da sollte man was machen. Aber was, wenn ein paar Länder mit diesem Zeugs Geld verdienen? Ja, dann geht das naütlich nicht. Da kann man nichts machen. Kapitalismus. Sorry, Leute. Ist so.

Zur korrekten Untermalung der Lektüre der Tagespresse hab ich Euch Saffron herausgesucht. Die Stimmung der zweiten EP fasst so ziemlich zusammen, was man derzeit medial um die Ohren geballert bekommt. Mit ein bisschen Hardcore Punk aus D.C. ist nichts davon erledigt und Deine Welt ist noch immer grau und kalt, die Menschen gemein und das Leben nicht fair. Aber im Herzen geht ein zartes Begehren auf, das sich auf das verranzte (Holz) Skateboard schwingt und den Kapitalismus mit der Wucht eines Yokuzunas (RIP) auf Speed in Stücke schlägt. Cool.

Am 10. November veröffentlicht. Kein Label, nur digital. Vielleicht auch besser so, dieser Vinyl und Tape Wahn zügelt die Plastikindustrie auch nicht gerade, ne. Muss man sich mal an die eigene Nase fassen…