The III – Dig Your Own Grave

Ich bin mir nicht einmal sicher, wie die Band heißt oder wie sie korrekt geschrieben wird, aber es ist für heute meine neue Lieblingsband. Irgendwie ein bisschen Songwriting von Vaguess und Melodien von den Wipers und die (fehlende ?) Dynamik von Codeine machen diese 5-Song EP zu einem beruhigenden Abenteuer zwischen zwei veganen Mahlzeiten. Toll.

Roachleg Records. Nur digital. Sind das drei III oder drei lll oder drei ||| oder gar eine Mischung mit Bedeutung Ill oder was ist das? Ich muss das doch meinen Freunden erzählen. Was sag ich denn da?

Rehash Neu Klang – War Crimes & Love Songs LP

Noch einmal eine Platte aus dem letzten Jahr/Monat. Rehash Neu Klang beweisen auf ihrem zweiten Album, dass sich Diebstahl lohnt und kopieren ungeniert einfach mal das gesamte intellektuelle Eigentum der Post Punk Helden aus England der späten 70er und 80er.

Also, äh, die Platte ist stark inspiriert von Gang of Four und Wire. Interessanterweise hat sich die Band nun umbenannt, um bei ihrem Raubzug unerkannt zu bleiben, aber der Zusatz "Neu Klang" ist dann eigentlich auch nur ein müder Versuch, über die Affinität für den Post Punk hinwegzutäuschen.

Neu klingt hier nichts, aber wozu auch – wenn man Bock auf den alten Sound in neuen Gewändern hat. Kategorie tanzbarer Kaminabend.

Mangel Records. Auf LP erschienen. Haltet den Dieb.

Rifle – S/T LP

Wollte gerade sagen, dass die Jungs ja ganz schön angepisst sind, aber wer sich schon Rifle nennt, kann dann ja auch nicht mit Flower-Power Dudelei um die Ecke kommen. Das ist momentan mein Soundtrack zu der neuen Oxfam Studie.

Wie können wir zulassen, dass 12 Dödel auf diesem Planeten mehr Geld zur Verfügung haben als 4 Milliarden Menschen. Also zusammen. Die haben mehr Geld als alle anderen 8 Milliarden Menschen, aber eben auch mehr als die 4 Milliarden Ärmsten zusammen. Und das kannst DU auch schaffen, wenn du endlich richtig arbeiten gehst und wenn deine Einstellung stimmt. Fuck off.

OK. Auf ihrem LP Debüt nach 2 Singles und einem Kassetten-Demo haben die 5 Londoner Jungs jede Menge Wut abgeladen und in melodiöse Oi-Launen gepresst und dann alles mit gewohnt großartigen Garage Punk Gitarren garniert. Hervorragend.

YEAR0001. Kann man beim Label vorbestellen. Für 30€. Haha. Da kommt dann noch Zoll hinzu, oder? Vielleicht reicht auch digital auf dem Kopfhörer. Für die Kneipenschlägerei mit einem Milliardär aus deiner Nachbarschaft kann man die Schallplatte eh schlecht mitnehmen.

The Arrivals – Payload LP

Huch. Wer hätte denn mit sowas gerechnet? Nach 15 Jahren bringen The Arrivals aus Chicago im April ein neues Album raus. Und einen Song kann man jetzt schon einmal hören. Nett. Arrivals halt.

Recess Records. In den letzten Jahren kamen von einem Distro-Laden immer wieder E-Mails mit dem Betreff "New Arrivals" bei mir eingetrudelt und ich hab bestimmt 10 Mails gebraucht, um das zu checken und nicht jedes Mal vor Freude direkt meinen Kaffee zu verkippen. Jetzt aber!

Jacob Kynard – Didn’t Get To Sleep Last Night

Ganz schön müde.

Jacob Kynard hat ein ähnliches Problem.

Doe St – Same Day

Pub Rock Garage Punk aus Australien in einer weiteren Reinkarnation. Die haben sich da eine recht inzestuöse Szene angelegt, die ich nicht aufdröseln kann. Immer wieder die selben Menschen in anderen Bands und Labels und man wird total bekloppt, wenn man die Stammbäume versucht, nachzuzeichnen. So auch bei Doe St.

Sehr eingängige 4 Songs nach 3 Jahren in Abwesenheit, die sich irgendwie auch ein bisschen anders anhören, was nicht weiter wundert, wenn man die halbe Band im Grunde ausgetauscht hat. Arron (Split System) am Bass ist jetzt raus und Darcy ist dafür drin (hat schon bei Animal Farm mit dem Sänger Tom zusammen musiziert). Brandon ist jetzt ein neuer Gitarrist (Cutters), zuvor hatte Sharni gespielt und mitgesungen.

Das kippt soundtechnisch auch ohne den Bassisten in die Richtung von Split System und kann da gerne liegen bleiben. Ziemlich gut.

Legless Records (Label vom ehemaligen Bassisten Arron). Kommt bestimmt auf 7″ raus. Freu ich mich drauf. Hätte das ja gerne am selben Tag wie Groschi veröffentlicht, nur, weil es wegen des Titels lustig gewesen wäre, aber der Penner musste ja vorpreschen. 😉 Schönes Wochenende.

Beer 2 – S/T

Krachig melodisch bis wüster Garage Hardcore aus Louisville mit Bier Fokus. Das ist Beer 2. Mit Frauengesang und Schredder, die manchmal zu gut für 0815 Punk sind.

Bisschen infantil und asi wirkt das schon, aber warum können eigentlich ältere Herrschaften ihre tausenden Weinkorken sammeln und zur Schau stellen und das wirkt dann stilvoll und weltmännisch, während die gleiche Menge getrunkener Alkohol in Bierdosen auf dem Fußboden verteilt direkt asozial sein soll?

"What do we want? – Beeeer… When do we want it? – Beeer!" Die Typen von FIDLAR würden es verstehen. Ganz geil.

Nix Label. Die waren zu sehr damit beschäftigt, sich einen neuen Namen auszudenken, nachdem sie festgestellt hatten, dass es eine Band mit dem Namen "Beer" schon gab. Glückwunsch!

Jumbo XL – The Brier

Zwei neue Songs von Jumbo XL, für die es sich lohnt, noch einmal kurz ins letzte Jahr zurückzublicken. Wieder zwei hervorragende lofi Gemütlichkeits Garage Punk Knaller mit Handbremse. Wieder zwischen Fuzzgitarre mit Orgelhintergrund und Bedroom Pop.

Passt extrem gut für die kurze Autofahrt zur Schule, um die Kinder sicher durch die glatten Straßen zu manövrieren und dabei die akkuraten Scheitel in den lichthupenden Allrad-SUVs hinter einem bei Tempo 25 in Rage zu bringen. Geil.

Am 09. Dezember erschienen und nur Groschi hat die 2,30€ übrig, um den Künstler (?) zu unterstützen. Unglaublich. Das nächste Album mach ich auf LP.

Cigarette Camp – Steps 12″

Schnoddriger Punk Rock aus Boston von Leuten, die früher auch schnoddrigen Punk Rock mit Shorebirds, Witches With Dicks oder Orange Whip gemacht haben.

Die 19 Songs hätten eigentlich 2 Singles werden sollen, aber sind jetzt ressourcensparend auf einer 12″ zusammengefasst worden und bemühen sich allesamt, jeweils unter 2 Minuten Spielzeit zu bleiben. Klappt auch zu 94% ganz gut, nur einen Ausreißer gibt es auf der Platte, der ist dann aber auch direkt ein Hit. Ach, das sind alles gute Songs. Klingt alles nach den 2000ern und Dillinger Four oder Off With Their Heads, als Zigaretten noch cool und verhältnismäßig bezahlbar waren.

Tolles 12″ Debüt der drei älteren Herren von Cigarette Camp, die durch ihre konsequent schwarz-weiße Covergestaltungen mit einer gewissen Körnung auffallen. Hat ein bisschen Fotokopie-Collagen-Charakter wie früher in den 90ern, als Rauchen noch cool war. OK.

Dead Broke Rekerds. Auf lilanem (opaque purple) und schwarzem Vinyl erschienen. Auch für Nichtraucher zu empfehlen.

Screaming Eyes – Demo 2025 CS

Ich muss mal aufräumen und die Sachen aus dem letzten Jahr ausmisten. Das hier zum Beispiel liegt seit März hier rum und die Band hat irgendwie nicht die Aufmerksamkeit erhalten, die sie verdient. Also bitte.
Dort, wo ich einst gewohnt hab, ist für die Schüler ab der 3 Klasse Französisch ein Pflichtfach. Die erste Fremdsprache ist dort Französisch. Weil so viele Menschen auf der Welt Französisch sprechen. Das ist wichtiger als Englisch. Und als Spanisch sowieso. Ich erwähne das nur, weil die Band, die wir heute unter dem Schnee gefunden haben, aus Marseille kommt und auf Spanisch und Englisch singt.

Vielleicht eignet sich Französisch als Amtssprache in der UNO und bei der NATO und bei deiner Omma in der Küche, aber es passt nicht so gut in den Hardcore? Zumindest erwecken Screaming Eyes den Eindruck mit ihrem 4-Song starken Demo. Wobei das eigentlich auch gar nicht so wichtig ist, wenn man ohnehin das Geschrei von Ale nicht wirklich verstehen kann. Tolles Demo aus einer Mischung von Garage Hardcore Punk mit einer Prise Emo. Gefällt mir gut.

Substance D Records. Auf Kassette erschienen. Interessanterweise wird dann bei einzelnen Schulen der Französischunterricht zu Beginn der 5. Klasse unterbrochen und mit Englisch begonnen. Oder er wird fortgesetzt, mit Latein ergänzt und Englisch kommt dann ab der 7. Klasse hinzu. Zum Glück wohne ich jetzt in Niedersachsen und damit in dem Land mit den meisten Anrainern. Wir müssen den Kindern erst einmal die ganzen Dialekte von Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Hessen und Nordrhein-Westfalen beibringen! Bilingual my ass.