{"id":1887,"date":"2018-02-16T12:10:08","date_gmt":"2018-02-16T11:10:08","guid":{"rendered":"http:\/\/manierenversagen.de\/?p=1887"},"modified":"2025-04-09T17:01:05","modified_gmt":"2025-04-09T15:01:05","slug":"discogs-aufstieg-und-fall-in-der-gunst-eines-nutzers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/manierenversagen.de\/?p=1887","title":{"rendered":"Discogs &#8211; Aufstieg und Fall in der Gunst eines Nutzers"},"content":{"rendered":"<p><strong>Discogs<\/strong>! Die fast schon zwanzig Jahre alte Webseite hat sich in den letzten 10 Jahren zu der meistbesuchten Plattform f\u00fcr Musikliebhaber\/Nerds und Sammler gemausert, wenn man den nicht ganz so genauen <a href=\"https:\/\/www.alexa.com\/siteinfo\/discogs.com\">Statistiken<\/a> Glauben schenken mag. Und das auch irgendwie zurecht, denn mit der Idee einer vollst\u00e4ndigen Online-Datenbank von Tontr\u00e4gern aller Musikrichtungen hat man &#8211; gerade was Vinyl angeht &#8211; bei dem Hipster-Zeitgeist offene T\u00fcren eingerannt. Ok, zun\u00e4chst war das alles anders und der Gr\u00fcnder Kevin Lewandowski (<em>habt ihr auch zwei h\u00e4ssliche Fu\u00dfballer vor Augen? Haha<\/em>) wollte eigentlich blo\u00df seine eigene Plattensammlung online katalogisieren. Das fanden viele Leute ganz prima und so wurde Discogs zu einer \u00f6ffentlichen Seite, die durch ihre Nutzer und deren Input stetig wuchs. Zun\u00e4chst wurden Diskografien von K\u00fcnstlern eingetragen, die nur ein einziges Genre &#8211; elektronische Musik &#8211; bedienten. Dann kam Hip Hop hinzu und nach und nach wuchs die Datenbank durch die Flei\u00dfarbeit der vielen Discogs-Nutzer an.<br \/>\nHeute hat Discogs fast <a href=\"https:\/\/www.discogs.com\/stats\/contributors?page=7963\">400.000 Nutzer<\/a> und die Datenbank umfasst mehr als 9 Millionen Tontr\u00e4ger. Das ist alles ziemlich cool, wie ich finde. Ein System, das von einer Vielzahl von Nutzern aufgebaut und kontrolliert wird, erf\u00fcllt so seinen Selbstzweck: die vollst\u00e4ndige Diskografie von Labels und Bands mit allen offiziellen und inoffiziellen Releases in all ihren Variationen. <!--more--><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\" alignleft\" src=\"https:\/\/scontent.flju2-1.fna.fbcdn.net\/v\/t1.0-9\/12011145_723842501086428_2593578896736756873_n.jpg?oh=f1b374fa2bd71cd7ab68f5bcece1ec50&amp;oe=5B22D2B0\" alt=\"\" width=\"183\" \/>Gerade im Punk Rock und Hardcore Bereich ist das interessant f\u00fcr mich gewesen, da ich hier sehen konnte, welche Pressung einer bestimmten LP eigentlich bei mir im Schrank steht, welche anderen Releases die Band noch hat und vor allem, welche anderen Variationen es von den LPs und Singles weltweit so gibt. Das, was das <a href=\"http:\/\/fuzzlogic.com\/flex\/index.html\">Flex<\/a> schon sehr ausf\u00fchrlich, aber eben nicht vollst\u00e4ndig leisten konnte, war hier auf einmal online einzusehen. Und ich habe das Flex immer sehr gerne durchgebl\u00e4ttert und den Burkhard in Gedanken gelobt (f\u00fcr seine unfassbare M\u00fche) und gehasst (f\u00fcr seine unfassbare Plattensammlung). Nat\u00fcrlich ist das alles nur nerdige Sammlerkacke und im Endeffekt auch nur eine bekloppte Verg\u00f6tterung seiner Plattensammlung, wenn man irgendeine seltene Auflage einer alten Hardcore LP im Schrank stehen hat. Aber so ist das ja generell mit dem Sammeln von Dingen. Wenn man mal eine Leidenschaft entwickelt hat, nimmt man auf einmal solche im Grunde unwichtigen Sachen ernst, wie limitierte Erstauflagen und bestimmte unterschiedliche Farben der Cover oder des Vinyls. Da ist man schnell von der Musik, um die es ja eigentlich geht, weg und nicht viel besser als ein Briefmarkensammler, der seine seltenen Papierfetzen im staubigen B\u00fcchlein aneinanderreiht, um sie sich einmal im Jahr anzusehen. Aber \u00fcber den Sinn und Unsinn vom Plattensammeln will ich hier gar nicht gro\u00df schreiben, das ist ein viel zu gro\u00dfes und komplexes Thema.<\/p>\n<p>Angemeldet habe ich mich bei Discogs, um meine eigene Sammlung einzutragen und die Datenbank zu erg\u00e4nzen, wo es n\u00f6tig war. Zu der Zeit hat man \u00fcber die Seite nur sehr wenig LPs gekauft, da die Preise im Vergleich zu anderen gebrauchten Angeboten bei Ebay oder im echten Plattenladen doch recht hoch waren. So kam man eigentlich nie auf die Idee, sich an dem angeblichen Wert einer LP, die man besitzt, aufzugeilen oder andere Releases zu kaufen, da man wusste, diese Preise entsprachen nicht der Realit\u00e4t. Aber die M\u00f6glichkeit, fast jede Platte online kaufen zu k\u00f6nnen, war auf einmal da. Wenn man heute Geld hat, kann man sich eine sehr geschmackvolle Plattensammlung zusammenstellen, ohne daf\u00fcr 30 Jahre auf Konzerten, Flohm\u00e4rkten, Plattenl\u00e4den oder in dubiosen Internetforen sein Leben zu vergeuden. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, muss jeder selber wissen.<br \/>\nIn den letzten Jahren ist aber durch das gestiegene Angebot von Tontr\u00e4gern und die ebenfalls erh\u00f6hte Nachfrage ein Preisniveau entstanden, das einigerma\u00dfen nah bei den Preisen der besagten anderen Anlaufstellen angesiedelt ist. Ob Discogs jetzt hier ma\u00dfgeblich die Preise bestimmt, weil sich einfach jeder auf diese Seite bezieht oder ob das alles gerechtfertigt ist, kann man auf einem freien Markt immer schlecht beurteilen. Auf jeden Fall hat sich die einstige Datenbank zu einem lukrativen Umschlagplatz entwickelt, bei dem Discogs nicht schlecht mitverdient. Wenn man <a href=\"https:\/\/blog.discogs.com\/en\/state-of-discogs-2017\/\">liest<\/a>, dass im Jahr 2017 \u00fcber 10 Millionen Tontr\u00e4ger \u00fcber die Seite verkauft wurden und bei jeder Transaktion ein kleines Bisschen an Discogs abgetreten werden muss, kann man sich schon denken, dass es sich hier nicht mehr nur um eine nette Datenbank f\u00fcr nerdige Sammlerspinner handelt, sondern um ein fettes Gesch\u00e4ftsmodell. Und damit geht der ganze sch\u00f6ne Gedanke leider fl\u00f6ten. Denn es f\u00fchlt sich irgendwie falsch an, dass wenige Penner davon profitieren, was sehr viele Sammler zusammengetragen haben &#8211; klingt vielleicht naiv, aber mit genau dieser Naivit\u00e4t hat das Projekt Discogs ja begonnen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.discogs.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/3324-DCG.YearEnd-17_Blog-8MarketplaceSalesbyFormat.png\"> <img decoding=\"async\" class=\" alignleft\" src=\"https:\/\/blog.discogs.com\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/3324-DCG.YearEnd-17_Blog-8MarketplaceSalesbyFormat.png\" alt=\"\" width=\"250\" \/> <\/a>Das hat mich jetzt nicht davon abgeschreckt, auch mal die eine oder andere Platte \u00fcber die Seite zu kaufen oder auch zu verkaufen, so viel zu meiner Integrit\u00e4t. Was ich aber tats\u00e4chlich schlecht und schei\u00dfe finde, ist die Restriktion bei Discogs, inoffizielle Tonr\u00e4ger zu verkaufen. Discogs hat seit l\u00e4ngerer Zeit schon damit angefangen, die inoffiziellen Releases vom Verkauf auszuschlie\u00dfen. Das hei\u00dft, die vielfachen Bootlegs von irgendwelchen Liveaufnahmen sind nicht mehr k\u00e4uflich zu erwerben \u00fcber die Seite. Zum Gl\u00fcck werden die Daten nicht entfernt, also man hat nach wie vor die M\u00f6glichkeit, s\u00e4mtliche Releases eines K\u00fcnstlers einzusehen &#8211; egal, ob offiziell erschienen oder ein Bootleg eines Fans oder gar eine F\u00e4lschung. Alle Daten bleiben erhalten, aber kaufen darf man die Artikel nicht mehr. Und hier hakt es eben.<br \/>\nIch wei\u00df, dass es Abmahnungen an Discogs, Ebay, Amazon usw. gibt, wenn sie inoffizielle Tontr\u00e4ger verkaufen, bzw. den Handel mit dieser Ware erm\u00f6glichen. Aber ich kann ja dennoch den Schritt, einen Verkauf von eben diesen Tontr\u00e4gern zu untersagen, erb\u00e4rmlich kacke finden. Denn entweder man bietet alles an oder halt nicht &#8211; dem K\u00fcnstler kann das hier ziemlich egal sein, er verdient ja ohnehin nichts an den Verk\u00e4ufen seiner Second-Hand Platten, da macht es keinen Unterschied, ob es Bootleg, Original oder sogar F\u00e4lschung ist. Wem wird also geschadet? Oder andersherum, wem n\u00fctzt dieses Verbot? Wenn jemand zuviel Zeit hat, k\u00f6nnte er\/sie da bitte einmal dr\u00fcber nachdenken, ja?<\/p>\n<p>Mir pers\u00f6nlich geht Discogs damit auf jeden Fall ziemlich auf den Sack, wenn die Seitenbetreiber einerseits erfreut dar\u00fcber sind, dass so viele Nutzer mitmachen und die Datenbank so gro\u00df geworden ist; dabei so tun, als w\u00fcrden sie der Menschheit einen riesigen Gefallen tun &#8211; und andererseits ihre Taschen vollstopfen mit Geld, f\u00fcr das sie eigentlich nur die Serverkapazit\u00e4ten der Seite zur Verf\u00fcgung stellen m\u00fcssen und nebenbei auch noch einen wichtigen Teil der Releases den Nutzern k\u00e4uflich nicht zug\u00e4nglich machen, weil sie sich in die Hose schei\u00dfen. Dann sollen sie bitte einfach den Marktplatz schlie\u00dfen und lediglich die Datenbank weiter betreiben. Die Nutzer k\u00f6nnen sich ja auch au\u00dferhalb von Discogs auf K\u00e4ufe verst\u00e4ndigen, da braucht man dann auch keine Geb\u00fchren zu bezahlen. Mir hat der ganze Schei\u00df auf jeden Fall wesentlich besser gefallen, als der Verkaufsaspekt noch nicht im Vordergrund stand, hier hat Discogs ganz klar Sympathie und Integrit\u00e4t eingeb\u00fc\u00dft. Und um das noch einmal klar zu stellen: ich finde die Seite nach wie vor gro\u00dfartig, denn die Idee und Aufgabe einer kompletten Katalogisierung von s\u00e4mtlichen Musiktontr\u00e4gern ist f\u00fcr einen Platten- und Musikliebhaber einfach genial. Schade ist halt nur, dass man diese feine Idee mit einem raffgierigen Gesch\u00e4ftsmodell gepaart hat und nun mit diesem Bastard irgendwie leben muss&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Discogs! Die fast schon zwanzig Jahre alte Webseite hat sich in den letzten 10 Jahren zu der meistbesuchten Plattform f\u00fcr Musikliebhaber\/Nerds und Sammler gemausert, wenn man den nicht ganz so genauen Statistiken Glauben schenken mag. 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