Telecult – Don’t Talk

Erinnert sich noch jemand an diese französische Band, die ich vor ziemlich genau einem Jahr hier wegen ihrer tollen 7″ abgefeiert habe? Ja? Perfekt, das erspart mir Arbeit. Nein? Dann hier.

Die Jungs von Telecult haben sich auf jeden Fall nun zurückgemeldet und ihr Album „Phases“ angekündigt, das ich damals schon angepriesen hatte. Aber da kamen wohl ein paar Besetzungswechsel bei der Band dazwischen und nun sind sie (fast) soweit, 10 Songs auf die Menschheit loszulassen. „Gut Ding will Weile haben“, zieht man da als Ausrede heran.

Das Cover sieht zwar so aus, als hätte jemand Angst vor knalligen Farben und wirkt eher wie eine Design-Studie zum Thema „Kopfschmerzen“, aber vielleicht hat das auch einfach nur ein Kleinkind mit MS-Paint zusammengeschraubt. Ist ja auch nicht so wichtig – der Song, den man schon einmal hören kann, ist dafür wie zu erwarten ein schönes, poppiges Kleinod namens „Don’t talk“ und kann überzeugen.
Ja, es ist affig, nur einen Song bei Bandcamp zu veröffentlichen. Ja, es dauert noch ein halbes Jahr, bis das Album rauskommt. Nein, das ist mir scheißegal.

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DeeDee (Catpiss) and the Fuzz Coffins

Ich wusste ja gar nicht, dass Hattiesburg in Mississippi so eine coole Punk Rock Szene hat. Und ich wusste gar nicht, dass es eine Stadt in Mississippi gibt, die Hattiesburg heißt, in der eine Punk Szene existiert. Toll – wieder was gelernt!
Besonders toll daran ist, dass ich die ziemlich geilen DeeDee and the Fuzz Coffins so kennengelernt habe und nun nicht mehr aus dem Ohr bekomme. Das Trio hat jüngst ein Tape bei Earth Girl veröffentlicht, das zwar nur mit 3 Songs bestückt ist, dafür aber sehr ordentlich abliefert. So ordentlich, dass ich mir das heute schon vierhundertmal angehört hab.
Der Song „Phone Call“ ist einfach mega gut. Garage Punk Fuzz Blues oder so. Eigentlich ist nach 45 Sekunden schon alles gesagt, alle Akkorde abgenudelt, Text fertig gesungen. Aber der Song streckt sich noch auf großartige 5:13, weil ganz einfach über 3 Minuten rumgedudelt wird, dass einem das Herz aufgeht. So was muss man live sehen. Sehr cool.

Oh, schaut mal. Ein Live Video.

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Ditches – The Taste/1000 Elephants/Demo

Es gibt ja so Bands, bei denen fällt es wahnsinnig schwer, einen adäquaten musikalischen Vergleich zu finden. So Bands, die einfach total eigenständig und mit nichts Anderem in Verbindung zu bringen sind. Einzigartig! Unvergleichlich!

Ditches ist nicht so eine Band. Die 4 Schweden aus Stockholm bemühen sich bereits seit knapp 1 1/2 Jahren, die europäischen Marked Men zu sein. Und ich meine das überhaupt nicht böse, denn sie schaffen das locker. Und bei so viel Ähnlichkeit kann man auch nicht von einem Versehen sprechen, ne? Ist ja höchstwahrscheinlich nicht so, als ob die Kerle in den Proberaum gegangen sind und nach 5 Bier und 10 Songs auf einmal gemerkt haben, „Mist, wir klingen ja 1:1 wie diese mega bekannten Texaner. Ach, das merkt schon keiner.“

Das wird ihnen natürlich immer nachgesagt werden: „Ihr klingt ja genau wie…und ist das nicht ein bisschen billig?“ Nein. Sonst würden es ja alle machen, weil es geile Musik ist und so simpel klingt. Aber da steckt eben doch mehr Talent hinter, als man denkt. Sag ich jetzt mal so.

Vielleicht haben Jeff Burke und Mark Ryan deshalb auch ihre Finger mit im Spiel? Zumindest haben sie gemeinsam die 1000 Elephants gemixt und gemastert; die beiden neuen Songs aus dem Februar (The Taste) dieses Jahres hat Jeff Burke alleine optimiert. Sensationell – könnte eine neue Marked Men Single sein. Kommt demnächst auch auf Vinyl raus, jetzt erst mal nur digital.

Wann kommt die LP? Ich nehm zwei.

Hier die erste Single, die man auch auf Vinyl kaufen kann. Letztes Jahr in Eigenregie veröffentlicht. Auch voll gut!

Das Demo ist im übrigen auch super. Na gut. Dann baller ich das hier auch noch rein. Bonus:

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Mike Krol – Power Chords LP

Es sieht so aus, als würde mich Mike Krol mit seiner 4. Platte dann doch noch hinterm Ofen hervorlocken. Dort hatte ich mich nach seinem ersten Release (I hate Jazz) im Jahre 2011 verkrochen, weil es doch alles sehr nach einer schwächeren Jay Reatard oder Brat Farrar Platte klang. Und das braucht ja kein Mensch – also ab hinter den Ofen.

Mit Power Chords legt der gute Mike nun eine sehr melodische Power Pop Punk Fuzz Rock Platte hin (ich hab Garage vergessen), die man zwar wegen des omnipräsenten Fuzz-Faktors auch wieder mit oben genannten Personen vergleichen kann, aber das Album hat einen treffenden und schönen Titel und auf dem Cover sitzt ein blutender Mike im rosa Hemd mit einer babyblauen Gitarre auf einem wiederum rosa bezogenen Bett. Außerdem ist das Album doppelt so lang wie sein letztes (Turkey – 18 Minuten). Und so blöd das klingt, irgendwie ist das Album erwachsener oder reifer als der Rest seiner Sachen. Die Melodien bleiben im Ohr, die Texte sind depressiv genug. Das muss reichen, denn ansonsten ist wirklich nicht viel Neues hier zu entdecken. Aber warum auch?

Eine Mischung aus The Strokes, Jay Reatard und vielleicht sogar ein bisschen White Reaper ist immer gut, da rennt man bei mir offene Türen/Ohren ein. Auf Dauer nervt jemanden vielleicht mit einem zart besaiteten Ohr der Drang, alles maximal zu verzerren, was nicht bei 3 auf den Bäumen oder hinterm Ofen verschwunden ist. Vor allem der Gesang könnte hin und wieder mal glockenklar über den ganzen Fuzz-Matsch erklingen. Aber wer hier hat zart besaitete Ohren? Na also.

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Unholy Sights – Goin‘ South CS

Es nervt mich selber ein bisschen, dass sich immer mehr Kassettenreleases hier auf dem Dings breit machen, aber das scheint jetzt halt der Lauf der Dinge zu sein. Rückwärts. Die Dinge laufen rückwärts in Richtung Schellack Platten. Muss man nicht verstehen, ist wahrscheinlich Punk. Aber wenn da gute Musik drin ist, soll mir doch das Medium scheißegal sein, oder? OK!

Die Unholy Sights aus Kanada Baltimore sind auf jeden Fall Punk genug, um ihr Debüt auf 29 Kassetten zu veröffentlichen und für 10 kanadische Dollar pro Stück an die Frau und den Mann zu bringen. Warum eigentlich kanadische Dollar, wenn doch USA das Heimatland der drei Punk Rocker ist? Weil die 29 Kassetten bei Fishbum Records aus Montreal erschienen sind, aber von der Band handnummeriert wurden und dann wahrscheinlich wieder zurück nach Kanada geschickt wurden. Ich versteh den Quatsch nicht.

Ganz nebenbei ist das Tape ziemlich cool, vermischen die drei Jungs doch sehr elegant dreckigen Garage Rock mit druckvollem Punk, der eigentlich viel zu gut produziert ist. Vielleicht ein bisschen Bikini Cops gemischt mit Warsong? Der Hit ist Visual X-con.

Schade, dass nur 29 Menschen in den Genuss eines Tonträgers kommen. In Berlin könnten die bestimmt bis zu 100 Floppy Disks loswerden…

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Eerie Family – S/T

Da sind sie wieder, die beiden fidelen Stimmungsmacher aus Austin, Texas. Alex Cuervo und Alyse Mervosh sind den meisten Leuten wahrscheinlich als ständige Mitglieder der zwar nicht unbedingt fröhlichen aber nichtsdestrotz (oder gerade deswegen?) genialen Hex Dispensers bekannt; hier haben sie sich zu einer schaurigen Kleinfamilie zusammengefunden und machen thematisch ziemlich genau da weiter, wo die Garage Punkrocker aufgehört haben.
Beweisführend wäre hier zum einen schon mal der Song „I Hope The Sun Explodes Today“ zu nennen, der auch auf dem letzten Album der Hex Dispensers vertreten war. Oder der Opener „Everybody Disappear“, der ebenfalls zuvor bereits auf einer fantastischen Single von Alex Cuervo verwurstet wurde.

Aber da hören die Parallelen auch schon wieder auf. Denn musikalisch sind Eerie Family doch sehr weit von Alex‘ Solokram oder den Hex Dispensers entfernt. Das liegt natürlich vor allem daran, dass die „Band“ nur mit Keyboard und Drums instrumentiert ist und tempomäßig mächtig auf die Bremse getreten wird (außer bei „Dead Stars..“). Dazu kommt dann noch der sehr träge vorgetragene Gesang der beiden, der bei allen Songs durch ein schauerliches Echo/Hallgerät gejagt wird, um noch mehr auf die ohnehin schon sich im Keller befindende Stimmung zu drücken. Wenn ihr jetzt denkt, das klingt ja der Beschreibung nach wie das andere Soloprojekt von Alex (Espectrostatic) nur mit Gesang, dann habt ihr komplett Unrecht und ich den Kram scheiße beschrieben. Hm.

Das ist „Doom Pop“ und „Gloom Pop“. Das ist „Darkwave“ und „Gloomwave“. Ich gehe mal davon aus, dass die Texte ihr übriges tun. Herrjee…Sollte man vielleicht alles nicht unbedingt im dunklen Winter hören. Nun ja – es ist „Death Pop“. Ich liebe es!

Leider nur digital veröffentlicht.… Mehr...