Würst Nürse – Hot Hot Hot Ep

Haha, großartig! Da fallen mir mal gar keine sarkastischen oder dummen Kommentare zu ein. Der Name ist super, zumindest für eine Band aus Australien. Das Konzept ist lustig, die erste und einzige und beste Krankenschwester-Punk Rock Band zu sein. Das ziehen die 5 Mädels dann auch textlich durch und singen ziemlichen Quatsch zusammen, der irgendwas mit Ärzten, Krankenhäusern, Chirurgen und derlei Themen zu tun hat.

„If you cut my pay – I’ll cut your oxygen“

Dazu der Name der EP, der einfach nur die drei Songtitel auflistet, die alle mit „hot“ beginnen. „Hot Doctor“, „Hot Brown Rain“ und „Hot Surgeon“ – mein Humor.

Und dann passt natürlich auch die Musik. Würst Nürse aus Melbourne spielen ziemlich souverän rotzigen Garage Punk im mid-tempo Bereich. 4 Songs in 13 Minuten spricht für sich – das ist kein Hardcore. Ich fühlte mich bei der Stimme von Georgia Maq (kennt man vielleicht von Camp Cope) bei den rotzigeren Parts ein bisschen an Amyl and the Sniffers erinnert, aber vielleicht liegt das auch daran, dass ich nicht so unfassbar viele australische Bands kenne, bei denen eine Frau singt. Ziemlich genau 2. Seit heute. Ich bin gespannt, ob das auch auf einer LP funktioniert und nicht ziemlich schnell eintönig wird. Hier funktionierts auf jeden Fall.

Die EP kam jetzt kürzlich auf Kassette raus. Kann man in den Versionen „erotic“ oder „necrotic“ bestellen. Haha, geil.

Future Girls – Motivation Problems LP

Die Future Girls aus Portland sind eine vierköpfige Truppe rund um Matty Grace, die auch bei Outtacontroller, Fat Stupids, Weekend Dads und anderen Bands ihr Unwesen treibt. Und scheinbar ist sie damit nicht ausgelastet, denn eigentlich startete das Projekt „Future Girls“ nur als Zigarrenbox für ein bisschen Songwriting, welches neben den genannten Bands noch so anfiel. Dann kamen aber wohl so viele gute Sachen zusammen, dass sie sich ein paar nette Leute gesucht und nun mit den Future Girls eine feine LP aufgenommen hat.

Thematisch bewegt sich das Ganze rund um Geschlechtsidentitätsstörungen, Depressionen und „geografische Isolation“, wenn man der Beschreibung auf Bandcamp Glauben schenkt; ich verstehe beim bloßen Zuhören ja oft nicht den Sinn hinter den Lyrics und benötige dann einen Blick in den Beipackzettel. Ihr müsst das also entweder einfach glauben oder selber mal hinhören, wie diese Motivationsprobleme textlich umgesetzt wurden. Musikalisch ist das auf jeden Fall genau die Schublade, in der hier auf diesem Dings gerne gekramt wird. Irgendwas mit Punk Rock aus Portland auf Dirt Cult – reicht mir ja meistens als Qualitätsmerkmal.

Eigentlich wollte ich aus diesen Gründen gar nicht erst was über Future Girls schreiben. Weil es ja doch immer wieder der gleiche Kram ist. Aber ich habe beim Hören der Songs wiederholt das Gefühl gehabt, diese Stimme irgendwoher zu kennen und musste mich dann dabei ertappen, dass ich diese Band mit einer alten Leiche im Keller meiner Plattensammlung in Verbindung bringe. Das Quäkende da aus den Lautsprechern ähnelt der zurecht unbekannten Band „The Go Faster Nuns“ aus dem Süden Deutschlands. Eine Band, die irgendwann mal in den 2000ern unterwegs war. Könnt ihr mal vergleichen. Ja, und das finde ich so wahnsinnig interessant, dass ich es hier aufschreibe. Was ist los mit mir?

Lucy and the Rats – S/T LP

Lucy and the Rats kommen aus London und dem Jahr 1979, inklusive der Lederjacken und Frisuren. Trotzdem geben sie vor, ihr neues Album erst letzten Monat veröffentlicht zu haben. Ich müsste das mal gründlich recherchieren, ob da nicht eine Blaupause irgendwo in den Kellern der englischen Hauptstadt rumliegt, die eine Anleitung für super eingängige Melodien liefert. Anders kann ich mir das jedenfalls nicht mehr erklären.

Aber hört mal her, hier kommen ein paar wunderbare Dinge zusammen. Ein sehr tolle Stimme (Lucy), großartige Gitarre (Joe to Lose – schon geil bei Johnny Throttle) solider Bass und ein Schlagzeug aus Spanien. Zumindest soll es sich hier um Manu von Thee Tumbitas handeln und die kamen aus Vigo. So funktioniert also dieses Europa. Toll.

Auf dem Album wird einem zehnmal Gitarrenpoppunk mit der Zuckerwatte um die Ohren gehauen. Und immer dann, wenn es fast nicht mehr zum Aushalten ist, weil man denkt, „boah nee, das wird jetzt aber mal zu kitschig, das is doch kein Punk mehr“, ist der Song auch schon vorbei. So bleiben Kaugummi-Melodien im Kopf und das Bein will nicht aufhören zu wippen. Schon cool.

Bad Shadows – Voices in the Dark LP

„Leute, hey Leute, ich habe ne großartige Idee. Wir müssen einfach nur unseren Namen ändern, die alten Songs spielen – das merkt eh keiner – und dann noch ein paar Lieder von den White Wires so umschreiben, dass es nicht sofort auffällt. Vielleicht schenkt man uns dann mal ein bisschen mehr Beachtung.“

„Und Du meinst, das ist nicht zu plump, wenn wir stumpf alte Sachen kopieren?“

„Wir kommen aus Portland, stumpfer Anachronismus ist bei uns im Trinkwasser.“

„Ok, aber hast Du das nicht schon mit The Cry so gemacht? Das wird ja langsam peinlich, immer den gleichen Kram in anderer Besetzung zu dödeln.“

„Quatsch, gute Pop Musik wird immer gekauft. In Kanada haben die Punk Rocker da oben auch nur einen Song geschrieben, der seit 15 Jahren immer wieder nachgespielt wird.“

„Naja, wenn Du meinst – dann lass uns aber wenigstens einen coolen Namen wählen und ein geiles Artwork für die LP machen.“

„Deal!“

„Vielleicht hätten wir nicht unbedingt mit dem ersten Song des Albums die Lüge auffliegen lassen sollen. Oder zumindest den Titel ändern oder so. Und der Bandname ist auch irgendwie kacke. Was sollen denn „Bad Shadows“ sein? Gibt es dann auch „Good Shadows“? Und wie sehen die dann aus?“

„Alter, Du denkst zu viel nach. Das ist Punk Rock Garage Rock’n’Roll Pop Gedöns. Namen sind hier Schall und Rauch, nur die Melodien bleiben. Und nächste Woche machen wir einfach ne neue Band und spielen den gleichen Scheiß. Was hältst Du von dem Namen „The bleak Sheik“?“

Espectrostatic – Curios

Oh, cool. Es ist ja der 1. Juni – heute kommen tausend neue Platten raus und verlangen wie nörgelnder Kinder nach Aufmerksamkeit. Hier hier hier hier hör mal hör mal hör mal schau mal schau mal. Da hab ich aber gerade keine Zeit für, sorry kids.
Die einzige Ausnahme ist eine Zusammenstellung von Raries, Demos und Samplerbeiträgen des großartigen Alex Cuervos mit seinem Horror-Synthie-Kram unter dem schönen Namen Espetrostatic!
Super! Auch hier gilt wieder, der Sänger der genialen Hex Dispensers hat bei viel zu vielen Horrorfilmen mehr zugehört als zugesehen – das machen immer diese ängstlichen Typen, die dann mit den Händen vor den Augen nur die Hälfte der Handlung mitbekommen und später den Film nicht verstanden haben. Ugh! Allerdings hat das in diesem Fall auch etwas Gutes, denn so hat der Alex anscheinend viel von den musikalischen Untermalungen der gruseligen Szenen besser im Geiste aufnehmen können.
Und das Resultat ist nun eben seine eigene Vorstellung von gutem Synthie-Kram à la Carpenter. Geiles Zeugs. Leider nur digital.

Ach, ich mach mal ein bisschen Urlaub. Aber das merkt ihr dann schon sicher selber. Bis denne.