Goodbye Blue Monday – The Sickness, The Shame EP

Die 4 Schotten aus Edinburgh von Goodbye Blue Monday sind ihres Zeichens Vertreter des Misery Punk und alleine deswegen schon verdientermaßen hier auf diesem Dings gelandet. Die EP „The Sickness, The Shame“ ist ganz frisch erschienen (24.02.) und auf 100 limitierten CDs veröffentlicht.

Sind auch nur 3 knackige Songs drauf, die allerdings musikalisch etwas über die düsteren Wahrheiten von bipolaren Störungen und Depressionen in den Texten hinweg täuschen, denn geboten wird hier astreiner Pop Punk. Irgendwo im Fahrwasser der poppigeren Dirtnap und It’s Alive Bands anzusiedeln, und der Song „Take your Pills“ könnte so (Text und Musik) auch auf einem Off with their Heads Album sein. Die „gefährlichsten Pop Punks aus Schottland“ gehen mit ihren Krankheiten, Ängsten und Sorgen auf jeden Fall gesund um und verstecken sich nicht, sondern teilen ihre Gedanken und Gefühle offensiv mit, was ja nur der richtige Weg sein kann.

Der Erlös der CDs geht dann auch noch an die Samaritans, eine Art Telefonseelsorge. Alles sehr sympathisch. Leider kein Vinyl, aber vielleicht möchte ja jemand hier das auf Platte veröffentlichen?

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Telecult – Waiting 7″

Nachdem ich schon die alte Single von Andy the Band aus dem letzten Jahr hier gerade noch einmal angepriesen habe, mach ich direkt mit altem Kram weiter. Die fantastische Debüt Single von Telecult aus Paris ist bereits letztes Jahr im März bei P.Trash und No Glory Records und Crapoulet Records erschienen, aber hat so viel Hitpotential, dass man die einfach erwähnen muss. Auf der kleinen 7″ sind nur 2 Songs drauf und diese sind bei meiner Version auch noch auf einer Seite, da wirkt ein Release auf 3 Labels irgendwie ein bisschen wie ein Overkill, aber bitte – vielleicht wollten einfach ganz viele Leute mit dabei sein, wenn das poppige Feuerwerk zum ersten Mal zündet.

Musikalisch dicht an dem melodieverliebten Garagezeugs, das auch Blank Pages oder meinetwegen Radioactivity so gut macht, ist der Zauber leider nach nicht einmal 7 Minuten schon wieder vorbei. Dafür hat man aber von dem zweiten Lied „C-R-O-I-X“ so lange einen Ohrwurm, dass es die kurze Spielzeit glatt entschädigt. Das bekommen andere Bands auf einer ganzen LP nicht hin, diese Melodien! Absoluter Tipp, das Trio sollte man live bestaunen, wenn man die Chance hat. Die können ja inzwischen nicht immer noch nur 2 Songs in ihrem Repertoire haben – in der Tat soll demnächst ihre erste LP erscheinen. Bis dahin freut man sich über das hier…

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Andy the Band – Carry on 7″

Andy Dahlström hat schon bei solch großartigen Bands wie Terrible Feelings, Sista Sekunden und Satanic Surfers gespielt und ist damit längst kein unbeschriebenes Blatt mehr in der Punk Rock Szene – in der Tat könnte man sagen, sein Blatt sei bereits zu 90% vollgekritzelt und ein Platz neben (ein wichtiger verstorbener Punk aus Schweden oder so) in der Ruhmeshalle des skandinavischen Punk Rocks ist für ihn schon reserviert. Aber um sicher zu gehen, dass dieses Blatt tatsächlich noch vollgeschrieben wird, muss man natürlich einen auf Rikk Agnew machen. Ihr wisst schon – alle Instrumente selber einspielen und dazu auch singen. So gesehen ist dann auch der „band“ Name Programm, denn Andy the Band besteht lediglich aus eben diesem Andy. Fertig.
Herausgekommen aus dieser Kooperation mit sich selbst ist eine sehr feine Single mit 4 Songs, von denen ich nur schwer einen als den besten ausmachen kann. Alles solider Punk Rock mit Garage Kante, wie man sich das jetzt halt auch schon hat denken können. Und der Vergleich mit Rikk Agnew ist jetzt auch gar nicht mal so weit hergeholt, denn zumindest die Solosachen von Herrn Agnew ähneln dieser Debüt Single von Herrn Dahlström klanglich doch schon merklich. Das meine ich absolut positiv!
Das Ding ist bereits vor einem Jahr auf Sabotage und Instigate erschienen, aber vielleicht hattet ihr das noch nicht auf dem Schirm, manche Leute haben ja keinen Bock auf 7″s, warum auch immer.
Absolute Empfehlung – hört und seht selbst:

Auf der Bandcamp Seite von Sabotage könnt ihr sogar noch ein paar von den limitierten Stücken kaufen. Schlagt zu!

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Amyl and the Sniffers – Big Attraction & Giddy Up

Hui, die australischen Amyl and the Sniffers sind ein bisschen aus der Zeit gefallen. Die 3 Kerle (Sniffers) um Sängerin (Amyl) schütteln hier mal eben 10 kurzweilige Punk Rock’n’Roll der 70er mit so viel Charme und Rotz aus dem Ärmel, dass man annehmen könnte, das sind Veteranen von Down Under, die seit 50 Jahren Musik machen und mit Bon Scott gesoffen haben. Stimmt aber so nicht, die Band gibts erst seit knapp 2 Jahren und diese LP hier ist netterweise eine Veröffentlichung ihrer ersten beiden EPs auf einem Vinyl Album. Giddy up und Big Attraction sind in den letzten beiden Jahren nämlich von der Band selbst auf Kassetten herausgebracht worden und nun hat sich Homeless Records erbarmt und den großartigen Rockern eine Labelheimat für Vinyl Releases in Melbourne gegeben.

Ob das anstehende Album, das noch dieses Jahr erscheinen soll, ebenfalls bei Homeless sein wird, wird sich zeigen. Ich hab da auf jeden Fall Bock drauf, mehr von diesen Vokuhila Leuten zu hören. Bis dahin muss diese Zusammenstellung erst einmal reichen.

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Discogs – Aufstieg und Fall in der Gunst eines Nutzers

Discogs! Die fast schon zwanzig Jahre alte Webseite hat sich in den letzten 10 Jahren zu der meistbesuchten Plattform für Musikliebhaber/Nerds und Sammler gemausert, wenn man den nicht ganz so genauen Statistiken Glauben schenken mag. Und das auch irgendwie zurecht, denn mit der Idee einer vollständigen Online-Datenbank von Tonträgern aller Musikrichtungen hat man – gerade was Vinyl angeht – bei dem Hipster-Zeitgeist offene Türen eingerannt. Ok, zunächst war das alles anders und der Gründer Kevin Lewandowski (habt ihr auch zwei hässliche Fußballer vor Augen? Haha) wollte eigentlich bloß seine eigene Plattensammlung online katalogisieren. Das fanden viele Leute ganz prima und so wurde Discogs zu einer öffentlichen Seite, die durch ihre Nutzer und deren Input stetig wuchs. Zunächst wurden Diskografien von Künstlern eingetragen, die nur ein einziges Genre – elektronische Musik – bedienten. Dann kam Hip Hop hinzu und nach und nach wuchs die Datenbank durch die Fleißarbeit der vielen Discogs-Nutzer an.
Heute hat Discogs fast 400.000 Nutzer und die Datenbank umfasst mehr als 9 Millionen Tonträger. Das ist alles ziemlich cool, wie ich finde. Ein System, das von einer Vielzahl von Nutzern aufgebaut und kontrolliert wird, erfüllt so seinen Selbstzweck: die vollständige Diskografie von Labels und Bands mit allen offiziellen und inoffiziellen Releases in all ihren Variationen. Weiterlesen

The New Calling – S/T EP

The New Calling ist die neue Band vom Frontmann Ian Manhire der großartigen White Wires aus Kanadas Hauptstadt Ottawa. Aber wenn man jetzt von dem Debüt eine ähnliche popverliebte Garagedudelei erwartet, ist man schiefgewickelt. Vielleicht liegt das auch daran, dass The New Calling keineswegs eine Ein-Mann-Band ist, sondern vielmehr aus Mitgliedern von so sensationellen Lieblingen wie Bonnie Doon, Warp Lines, M$M, Mothers Children, Voicemail, Sedatives und eben den White Wires besteht. Das liest sich ja schon mal nicht schlecht, ne?

Auffällig bei den 4 Songs von The New Calling ist zunächst natürlich der prominente Orgelsound, der hier die Marschrichtung, Melodie und Stimmung vorgibt. Ein bisschen Bass, vielleicht eine Gitarre (?) und ein unaufgeregtes, aber hart gespieltes Schlagzeug unterfüttern sehr eingängig den düsteren Gesang. Die EP ist bei dem neuen Label Subfiction Records erschienen und damit auch die erste Nummer des Labels – ein Doppeldebüt sozusagen. Das ist das Label von Eric, ihr wisst schon, der Typ von Chiller, Feral Trash und und und.

Rundum ein sehr guter Start. Sowohl Label als auch Band liefern sehr ordentlich ab. Der einzige Kritikpunkt ist vielleicht die etwas spartanisch gehaltene Aufmachung der EP. Die kommt nämlich einfach nur in einer schwarzen Maxi-Hülle mit Aufkleber, ohne Infos oder D/L Code. Aber man kann den Kram ja immer online hören.
Zum Beispiel hier…

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Chiller – S/T LP

Chiller aus Moncton in Kanada sind quasi die Nachfolgeband von den großartigen Feral Trash, die 2014 mit ihrem einzigen Album Trashfiction mal sowas von bei mir eingeschlagen haben, dass ich immer noch glaube, die Platte ist das Beste, was in dem Jahr an Garage/Punk Rock erschienen ist. Erfreulicherweise knüpfen Chiller ziemlich genau dort an, wo Feral Trash aufgehört haben und machen ebenfalls irgendwie so düsteren Garage Punk Rock mit teilweise herzzerreißenden Melodien.
Ähnlich wie bei Feral Trash wechselt auch bei Chiller der Gesang zwischen Eric und Ilisha hin und her, was schon damals eine geniale Mischung war – obwohl es am besten klingt, wenn sie beide gemeinsam ins Mikro beißen. Während allerdings bei Feral Trash noch Eric der alleinige Songwriter war, teilen sich die beiden Eheleute (ja, die sind ein Pärchen) das Schreiben und Singen auf dem Chiller Album einigermaßen gerecht auf.

Leider ist der Spaß mit 8 Songs nach knapp 24 Minuten schon wieder vorbei, was der einzige Nachteil dieser LP ist. Verstärkung haben sich die beiden im übrigen von Erin (Black Tower – auch ziemlich gut!) und Tim (Mother’s Children) geholt, sodass bei dieser Platte die Hände von Ilisha frei waren für Gitarre und Piano. Guter Schachzug. Ich hoffe, da kommt bald mehr von oder aber die touren mal durch Europa und spielen dann einfach aufgrund der Kürze des Sets die ganze Trashfiction zusätzlich…

Offiziell erscheint das gute Stück erst am 02.02. dieses Jahres bei Rockstar Records und bei Dirt Cult, aber man kann natürlich schon auf Bandcamp alles hören und die LP vorbestellen. Mach ich jetzt. Dreimal.

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The Exbats – I Got The Hots For Charlie Watts

The Exbats aus Bisbee in Arizona sind irgendwie eine besondere Band. Nicht nur, dass sie mit ihrem lofi Garage/Pop/Punk relativ zielsicher einen Hit nach dem anderen nonchalant heraushauen, nein – zumeist sind die Lieder auch mit netten Texten und manchmal mit ansprechenden Videos versehen. Aber daran ist ja jetzt nicht so viel außergewöhnlich. Nein, ich finde es erstaunlich, dass es sich bei diesem Duo hier um eine Vater + Tochter Band aus einem Kaff im Süden der USA handelt. Sowas hatte ich noch gar nicht hier und ich werde das jetzt auch nicht googlen, ob es da noch andere Beispiele gibt.

Aber echt mal, wenn man sich die Sachen anhört, vermutet man eher eine Teenie Garage Pop Punk Rock Band aus dem New York City Umfeld oder so was Hippes aus einer der angesagten Städte. OK, ursprünglich kommen die auch aus Portland und viel hipper gehts ja nicht, aber sie sind halt vor ein paar Jahren an die mexikanische Grenze gezogen und spielen da jetzt seitdem fröhlich vor sich hin. Die Tochter Inez singt und spielt Schlagzeug, der Vater Kenny dudelt dazu auf der Gitarre herum. Und das können die beiden McClains ziemlich gut – da wird nicht viel herumgedödelt, alles Überflüssige wird weggelassen. Wenn man den „hook“ einmal gefunden hat, wird der einfach mehrmals wiederholt und dann ist der Ohrwurm auch schon vorbei. Wie gesagt, das ist eine absolut 70er inspirierte lofi Garage Band, die sich durch die Bubblegum Stimme der Sängerin etwas in Richtung Pop schieben lässt, falls man jetzt unbedingt wieder die Schubladen bedienen muss. Hört euch den Kram doch einfach mal an. Die haben schon genügend Auswahl.

Die ersten 10 (!) Releases von The Exbats gibts alle ausschließlich digital auf deren Bandcampseite, das ist also nichts für Tonträger-Liebhaber wie mich. Es wird noch schlimmer. Das elfte Release und gleichzeitig aktuelle Album, dessen Titel ich voll kacke finde, erscheint bei Burger Records auf Kassette. Man kann „I Got The Hots For Charlie Watts“ aber auch auf CD erwerben, cool. Das ist vorgestern oder so erschienen, also noch brandneu – beeilt euch, sonst ist die CD ausverkauft. Oder die Kassette. Hehe.

Hab ich gemeckert? Das wollte ich gar nicht, eigentlich möchte ich ja nur die Band und schöne Musik vorstellen. Vielleicht liest/hört das hier ja jemand und möchte das dann auf Vinyl veröffentlichen? Ich würde eine Platte kaufen…

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Hardcore Show Flyers

Also wer auch immer die Seite von Hardcore Show Flyers betreibt, er oder sie verliert nicht viele Worte. Nirgends. Das ist natürlich auch irgendwie ok, denn schließlich bekommt man ziemlich genau das, was man erwartet, wenn man eine Seite mit diesem Namen aufruft. Flyer. Von Hardcore Shows. Fertig.
Aber manchmal verlangt das Herz doch ein bisschen mehr; schließlich sind diese bildhaften Zeugen der Vergangenheit ja hochgradig nostalgisch und daher mit irgendwelchen falschen Emotionen verbunden. Dann kann man da ja mal was zu sagen, wenn ohnehin Kopfkino läuft. Also jetzt nicht zu jedem Flyer ne Geschichte erzählen, das wäre wirklich bei der massenhaften Ansammlung auf der Seite etwas zu viel verlangt. Aber so ein kleiner Text auf der Startseite oder so? Egal, ich will nicht spitzfindig sein und in diesem Glashaus hier mit Steinen um mich schmeißen. Links seht ihr im übrigen einen Flyer von einem frühen Konzert der Beastie Boys, die dort in New York City für die Necros und Misfits eröffnet haben. Wäre ich hingegangen, hatte aber noch nicht gänzlich mit meiner analen Phase abgeschlossen und war daher mit den Gedanken woanders. Äh…

Am besten ist es, auf der Seite einfach nach diversen Bands zu suchen und schon erhält man eine Fülle von Konzertflyern aus längst vergangenen Tagen. Hier könnt ihr zum Beispiel mal die Ergebnisse von der Suche nach Minor Threat ansehen; immerhin 43 Flyer. Und natürlich gibts dann auch jede Menge zu Black Flag, D.R.I., die angesprochenen Beastie Boys und so weiter. Ihr wisst ja selber, was es für Bands in den 80ern gab – Versucht doch mal euer Glück! Weiterlesen

The Effects – Eyes to the Light LP

Man könnte hier so langsam den Eindruck bekommen, ich würde inzwischen auf meine alten Tage nur noch Rock und Pop hören. Uff, wenn man das so liest, bekommt man direkt Würgreflex. Ich wollte eigentlich bloß darauf eingehen, dass ich tatsächlich einen relativ breit gefächerten Musikgeschmack hab, der sich nicht unbedingt hier immer widerspiegelt. Und um mein musikalisches Gewissen zu beruhigen, möchte ich endlich mal wieder eine Dischord Band empfehlen. Ja, das Label gibts noch und die machen nicht nur Rereleases. Nee, die haben im letzten Jahr zum Beispiel ein ganz fantastisches Album von The Effects veröffentlicht!
Eyes to the Light ist der erste Langspieler der Band nach zwei veröffentlichten Kassetten-Singles. Kassetten-Singles! Naja, darüber hab ich mich ja gerade erst ausgelassen. Auf jeden Fall ist das Album der drei Jungs aus Washington D.C. ziemlich großartig und passt in die Schaffensphase des Sängers und Gitaristen Devin Ocampo, der zuvor bei so genialen Bands wie Faraquet, Smart went Crazy oder Medications gespielt hat. Die drei Bands waren im übrigen auch alle auf Dischord, hier ist man sich also seit 20 Jahren (!) treu geblieben. Und nicht nur dort, auch der Sound von The Effects ist deutlich an den genannten Bands angelehnt, naja zumindest nah an Faraquet. Melodisch vertrackter Post-Kram, bei dem man nicht unbedingt als Deutscher im Takt mitklatschen kann, aber unbedingt dennoch zu irgendeinem gefühlt/gehörten Takt mitwippen muss. Nicht nur für Freunde von Dischord eine klare Empfehlung.

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