Support your Lokal! Aber welches eigentlich?

Auch wenn ich hier normalerweise immer die Umtriebigkeiten der internationalen Punk Rock Szene beschreibe (wow), muss auch mal was Lokales thematisiert werden. Think global, act local und so…obwohl, passt gar nicht. Egal.

Ich bin in den ersten Jahren, in denen ich hier in Aachen neu war, immer wieder in dieselben Läden gerannt, was natürlich meiner Vorliebe für die Musik und dem damit verbundenen Klientel geschuldet war. Jeder kann sich ja seine bekloppte Szene selber aussuchen – bei mir war es das AZ, das Hauptquartier, das Aoxomoxoa, das Wild Rover und später auch der Malteserkeller, Jakobshof und der Musikbunker. Alles feine Läden mit unterschiedlichem Publikum. Man kann ja nicht dieselben Fressen jeden Tag sehen (Ja, im Studium kann man jeden Tag ausgehen).

Als im Jahr 2002 das AZ in Aachen für 2 Jahre schließen musste, weil es wohl „bauliche Mängel“ gab, die behoben werden mussten, hat man schon merken können, wie tief der Einschnitt in die kulturelle Vielfalt der Stadt durch den Wegfall eines Veranstaltungsortes sein kann. Wo früher Rockcity Aachen drauf stand, war in den besagten Jahren lediglich City Aachen drin. Und das war ganz schön kacke (zumindest für mich, der Konzerte von kleinen und großen Bands der Indie-Szene gerne besucht).

Nun kann man zwar wieder das AZ besuchen, im Musikbunker veranstalten ein paar Leute ebenfalls gute Konzerte, aber die Vielfalt hat in den letzten Monaten erheblich unter der Schließung diverser Läden gelitten. Der Malteserkeller! Nicht nur, weil ich da aufgelegt und viele schöne Nächte verbracht hab. Auch, weil es ein geschichtsträchtiger Laden war. Der älteste Jazzkeller Deutschlands. Egal. Zu laut, Anwohnern und Vermieter passt das nicht. Weg damit.

Das Hauptquartier! Unzählige Male diesen einzigartigen Laden zu spät in der Früh verlassen. Es gibt keinen anderen Laden, auf den das Attribut bunt besser zutrifft. Publikum, Einrichtung, Programm. Die beste Kneipe, die ich je besucht habe. Misswirtschaft? Fehlende Gäste? Kann man drüber streiten. Schmerzlich vermissen wird das HQ von allen, egal, welchen Standpunkt man vertreten mag.

Seit kurzem weiß man, dass der Jakobshof und das Aoxomoxa im nächsten Jahr schließen werden. Wie bereits erwähnt, da war ich nicht soo oft, aber jede Alternative, die einem geraubt wird, erhöht die Wahrscheinlichkeit eines langweiligen Abends. Beide Läden werden abgerissen. Mal sehen, was da Unspektakuläres hingebaut wird, das niemanden stört. Und lukrativ ist.

Die Eckkneipe Last Exit hat ebenso erhebliche Probleme, ihre Konzession zu behalten. Keine Veranstaltungen mehr, die nach 22.00 Uhr irgendwie Krach machen. Absolute Stille nach 22.00 Uhr im Außenbereich, was blöd ist, seitdem man nur noch draußen rauchen darf und das gerne mal mit einem Gespräch verbindet. Geht nicht.

Da darf man sich doch mal die Frage stellen, was sich geräuschempfindliche Anwohner dabei denken, in eine Wohnung zu ziehen, die sich in unmittelbarer Nähe zu einem Club oder einer Kneipe befindet. Oder was möchte mir eine Stadt eigentlich mitteilen, die sich Studentenstadt schimpft, wenn sie Einkaufszentren baut und Kioske nachts schließen möchte anstatt für eine lebendige Kneipen- und Clubkultur zu sorgen, bzw. diese zumindest nicht sterben lässt. Was machen denn die Studenten heutzutage? Shoppen und um 22.00 Uhr ins Bett gehen? Dann sind sie hier richtig!

Vielleicht übertreibe ich hier. Vielleicht bin ich zu pessimistisch. Und ich hab ein paar Läden überhaupt nicht erwähnt, die es lohnt, zu besuchen. Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass sich massentaugliche 0815 Scheiße gegenüber Vielfalt in Aachen langsam durchsetzt und dass das bunte Leben lieber in ein einheitliches Grau übergehen soll. Hört mal auf, alles schön und gleich zu machen. Ich mag dreckig und bunt.

2 Gedanken zu “Support your Lokal! Aber welches eigentlich?

  1. Ich bin erst vor ein paar Jahren in die Stadt gezogen, im Hinterkopf, das eine Studentenstadt wohl auch ein gewisses Maß an Artenvielfalt bei Kneipen und Clubs bieten würde. Ich bin schon Ü40, was mich aber noch nie daran gehindert hat, meinen Musikgeschmack quer ab vom Mainstream anzusiedeln.
    Um´s kurz zu machen, ich war völlig enttäuscht von der Kneipen- und Clubszene hier. Es gibt ein paar Schuppen die gut sind, in denen sich nettes Völkchen auffhält, aber gerade die Clubszene ist einfach nur bescheiden.
    Balla-balla an allen Ecken und Enden, aber nur eine winzige Anzahl von interessanten Spots. Die werden jetzt Schritt für Schritt weg-gentrifiziert, oder aber es werden ihnen Auflagen um die Ohren gesemmelt, die nicht einzuhalten sind. Das ist auch eine Art von Stadtentwicklungskonzept. Wo hier die Reise hingeht dacht ich mir schon nach den ersten Wochen in der Stadt. Es ist ein riesiges Altersheim mit Historie, das wohl seinen Wert darin sieht, möglichst alte Touristen in die Stadt zu holen, die dann dem ewigen Karl huldigen sollen.
    Das Angebot für Komasäufer wurde optimiert, wer was auf die Fresse will, bekommt das gleich noch in der Pont mit auf den Weg, aber die interessanten Nischen werden glattgebügelt und abgeschafft. So kann man eine Stadt natürlich herrlich klinisch rein bekommen.
    Das Leben für Menschen wie mich wird dadurch aber ärmer an Highlights und möglichen Treffpunkten und die Stadt an sich wird austauschbar.
    Was das Nachtleben hier angeht, zieht mich mittlerweile nicht mehr viel hinter dem Ofen hervor. Das ist einfach zu flach.

  2. Gute Worte Arne! Dem ist nichts hinzuzufügen! Ich finde es auch einfach nur traurig und vielleicht sollten sich ein paar Leute zusammen tun und und ein altes Bahnhofsgebäude hinter den verkackten Aachen Arkaden erwerben und dort den Rock City Aachhen Tempel 3.0 errichten. Wer spendet freiwillig das ein oder andere Milliönchen? Nicht verzagen, Tim Armstrong fragen!

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