Gedanken zu Produzenten

Ganz ehrlich? Ich hab mich selten mit den Produzenten von Punk Alben auseinandergesetzt. Pfft, ich hab meistens gar keine Ahnung, wer die LP abgemischt hat, die ich da grade höre. Keine Ahnung, warum das so ist, aber in Sachen Punk Rock war doch eigentlich der Sound einer Platte fast zweitrangig und ein Namedropping von irgendwelchen dicken Soundmenschen eher unangebracht.

Ausnahmen sind dabei vielleicht die Produzenten Steve Albini und J. Robbins, die mich allerdings zunächst als Musiker begeistern konnten. Ansonsten hätte ich die wohl erst sehr viel später auf dem Schirm gehabt (naja, um Albini kommt man wohl kaum rum). Eine andere Ausnahme sind fast alle Dischord Sachen, weil bei den über 160 Veröffentlichungen fast immer Don Zientara als Produzent drauf steht, da fällt es schwer, das nicht mitzubekommen.

Inzwischen ist es aber ganz normal, dass man im Zuge einer Neuerscheinung auch immer den Typen (gitbs da eigentlich auch Frauen in dem Geschäft?) hinter den Reglern erwähnt und ein bisschen damit wirbt, was der fabelhafte Mann noch so für Bands abgemischt hat. Ich merke dabei immer, dass ich von Sound keine Ahnung habe, denn ich frag mich des öfteren, wie viel ein Produzent an der Qualität einer Punk LP ausrichten kann. So ist meiner Meinung nach die New Day Rising von Hüsker Dü sagenhaft scheiße abgemischt, aber ein sensationelles Album. Im Gegensatz dazu gibt es unzählige Beispiele an sauber produzierten LPs, die jedoch komplett nichtssagend (dadurch) sind.

Aber eigentlich wollte ich bloß darauf hinweisen, dass der Produzent Will Yip, der unter anderem auch Title Fight, None More Black und Paint It Black abgemischt hat, jetzt einen Sampler von unveröffentlichten Songs seiner diversen Produzententätigkeiten in dem Studio 4 herausbringt: Off the Board: A Studio 4 Family Compilation. Finde ich gut, aber vor allem interessant. Dass man jetzt CDs unter dem Namen eines Produzenten herausbringt. Oder bin ich der Einzige, für den sowas neu ist?

Nun ja, hier könnt Ihr das Album vorbestellen und weiter unten auch einen neuen Song von None More Black als Appetizer anhören, der auch auf dem Sampler vertreten sein wird. Bin gespannt ob ich noch dazulerne,  was die Komplexität vom Sound einer Punk Rock LP angeht, oder ob ich das weiterhin belächeln werde. Ich bin immer noch der Überzeugung, dass die Form nicht über den Inhalt siegen darf. Bald schreib ich mal was Längeres über Abmischen und Produzieren und den Sound von Punk Rock. Muss ich mir erst noch Gedanken machen…