Aerial Salad – Roach. LP

Aerial Salad aus dem hässlichen Manchester in England ist eine relativ frische und junge Band, die letztes Jahr ihr Debüt auf dem Label von den Wonk Unit Leuten (Plasterer) herausgebracht haben. Damit ist auch die Richtung bereits vorgegeben, in die der luftige Salat (oder wie soll man den Namen verstehen?) vordringen möchte. Pop Punk.
Und Aerial Salad können das sehr gut; das Album macht Spaß, ist abwechslungsreich und bietet sich zum Biertrinken, Grillen, Auto- oder Skateboardfahren und anderen sinnlosen Aktivitäten an. Doch dann, beim zweiten Durchlauf der Platte bemerke ich etwas Seltsames: Sie haben mich verarscht!

Die Platte ist einfach eine Ansammlung von geklauten Ideen aus den letzten 40 Jahren Pop Punk Geschichte. 12 Songs, die sich schamlos bei allen verschiedenen Spielarten des Genres bedienen, die halbwegs erfolgreiche Bands hervorgebracht haben. Das ist natürlich nichts Besonderes, das machen ja schließlich alle Bands, die sich diesem Genre verschrieben haben. Aber Aerial Salad geben sich nicht gerade große Mühe, ihre Raubzüge durch die Musikgeschichte zu verbergen.

Erster Song: bärtiger Punk aus Gainesville der 2000er (Song zum Mitgröhlen – check). Zweiter Song: Lookout Records (Song für pubertierende Teenager – check). Dritter Song: Sum 41 oder so Kram (Song für die MTV Generation: check). Vierter Song: Operation Army / Copyrights (Song mit Offbeat/Ska – check). Fünfter Song: Paddingtons. Und so weiter und so weiter.

Apropos Mühe geben. Das Cover besticht jetzt auch nicht unbedingt durch eine kreative Meisterleistung, gerade auch weil das gleiche Motiv zumindest online bereits zweimal (siehe Bandcamp) verwendet wurde. Naja, egal – ich denke mal, all das kann man unter Punk Rock subsumieren.
Wenn die Jungs dann in Zukunft auch noch besser abgemischt werden und ihre Instrumente so virtuos beherrschen, dass sie eigenständige Songs schreiben, wird das ne richtig gute Band. So ist es halt ein netter Haufen von geklauten Ideen, die dann nicht besonders originell umgesetzt wurden. Und was sagt das jetzt über mich aus, dass mir so etwas gefällt? Hm.

Im Juli mit den unterschätzten Raging Nathans auf Europa Tour und bestimmt auch in Deiner Nähe. Viel Spaß.

Longclaw – Patterns 12″

Ich muss mich vielleicht im Vorfeld bereits beim Leser entschuldigen. Das ist keine der Platten, die ich normalerweise hier verwurste, aber heute musste das einfach raus. Aus verschiedenen Gründen. Es regnet. Oh, mehr Gründe gibts gar nicht.
Ich hab das Review von Longclaw im Razorcake gelesen und musste beim kacken lachen, weil dort stand, sie würden sich selber als die traurigste Band in Portland bezeichnen und außerdem das Genre „Crycore“ bedienen. Das klingt so unfassbar prätentiös, dass es mein Interesse geweckt hat. Immerhin ist das Razorcake ja ein stilsicheres Magazin, das keine Scheiße rezensiert. Also mal Bandcamp angeschmissen und Longclaw herausgesucht (der Name ist im übrigen die Bezeichnung für das bekackte Schwert von Jon Snow bei Game of ThronesI shit you not) und tatsächlich – „Portland’s saddest Post Hardcore“ steht da.

Die Musik ist eigentlich gar nicht so schlecht, wenn man halt Emo mag. Abwechselnder Gesang/Geschrei zwischen einem Typen und einer Frau. Die können beide singen, alles gut. Ist halt Emo. Und musikalisch ist das auch gut, die Produktion ebenfalls. Aber naja, ist halt Emo, ne?
Es könnte aber auch sein, dass es sich hier um eine Karikatur handelt. Das kann doch keiner ernst meinen, oder? Ist nicht traurig sein ein Zustand, den es zu überwinden gilt, um dann wieder total happy zu sein? Muss man sich in seiner Traurigkeit suhlen, um irgendwie Aufmerksamkeit zu erzeugen? Ich versteh diese Emo-kacke nicht. Und dann packen die tatsächlich noch ein Foto von einem Konzert mit auf die Bandcamp Seite, das aussieht, als hätte die Show bei einem Suizidpräventionstag stattgefunden. Heilige Scheiße. Waren die schon so traurig, als die Band anfing oder ist das vielleicht eine Wirkung der Musik?

Hier hab ich dann den Stream aus Angst ausgemacht, ihr könnt aber gerne mal die 6 Songs durchhören, wenn euch sowas gefallen sollte. Bei mir regnets. Hat ganz gut gepasst. Ist halt Emo.

Cold Leather – Smart Moves LP

Cold Leather aus Berlin (mit Leuten von Pretty Hurts, Cult Values usw.) ist eine der besseren Leder-Bands dieser Tage, wenn man sich diesen Vergleich überhaupt erlauben sollte. Mach ich aber, weil es irgendwie auffällig wurde, wie viele Bands auf einmal ihre Liebe zu toter Tierhaut entdeckt haben. So eine Häufung liegt wahrscheinlich an dem modischen Bewusstsein, dass Leder irgendwie Rock’n’Roll ist, aber von solchen Dingen (Mode) versteh ich nichts.
Die erste Veröffentlichung von Cold Leather, Past Remedyauf Sabotage Records, war schon ein Knaller und hat es nur aus purer Faulheit meinerseits nicht auf die Seite geschafft.

Jetzt kommt Anfang Juni ihre erste LP „Smart Moves“ auf Adagio830 raus, was wohl nur daran liegt, dass Label und Band aus der Hauptstadt kommen und man sich dann besser zum gemeinsamen Geldzählen in einem Hipster Café treffen kann. Ob das ein smarter Move war, wird sich ja dann schnell herausstellen – live konnten sie mich auf jeden Fall überzeugen, als ich sie mit den Grazern Red Gaze gesehen hab. Falls ihr auf eine der nächsten Shows geht, kauft euch nicht das Longsleeve. Das sieht zwar geil aus, trägt sich aber eher wie ein Pyjama. Aber davon versteh ich ja nicht so viel – vielleicht läuft man in Berlin gerade so rum?

Zwei Songs kann man sich auf Bandcamp schon einmal von dem neuen Album anhören und hier wird schnell deutlich, dass sich die Band bei den Aufnahmen zur LP noch einmal im Vergleich zur 7″ gesteigert hat. Großartiges Gitarren-Gedudel, knochentrockener und treibender Bass unterstützt vom druckvollen Schlagzeug bieten die Grundlage für den sehr mitreißenden weiblichen Gesang. Das Rezept war schon auf der Single so zu hören, aber hier scheint auch die Produktion ein bisschen fetter und runder zu sein. Gemastert wurde die LP natürlich auch bei North London Bomb Factory. Bin gespannt auf den Rest der LP.

Criminal Code – 2534 LP

Criminal Code aus Tacoma, Washington haben mit 2534 kürzlich ihre zweite LP auf Deranged veröffentlicht, die mir ein bisschen mehr Rätsel aufgibt als dass sie zu begeistern vermag.
Natürlich hat man hier immer noch den düsteren Sound von Bands wie Estranged, Sievehead und anderen gekonnt umgesetzt, keine Frage. Ein hektisches Schlagzeug, megagute Gitarrenmelodien mit noch mehr megaviel Hall, eingängig wummernder Bass – alles wunderbar. Aber irgendwie klingt der Sänger die meiste Zeit so, als hätte er gerade keinen Bock auf den Quatsch. Kann natürlich sein, dass es sich hier um eine künstlerische Art handelt, sich zu distanzieren. Oder vielleicht wird eine emotional gesungene Darbietung dem kühlen Klischee dieser Art von Songwriting nicht gerecht? Keine Ahnung, mich hats genervt und so wird wertvolles Potenzial verschenkt.

Erst beim letzten Song der Platte, dem 7-minütigen Stück „Dying Destiny“ höre ich sowas wie…nee, stimmt auch nicht, dachte ich gerade nur beim Hören. Aber auch hier hat der Sänger eigentlich was Besseres zu tun als zu singen. Vielleicht hat er nebenbei mit dem Telefon gespielt oder Nachrichten gelesen oder geschrieben oder hatte Hunger?
Und was soll der Plattentitel bedeuten? 25,34. Bibel? Matthäus, 25,34:

Dann wird der König denen zu seiner Rechten sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, empfangt das Reich als Erbe, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist!

Ach so!

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En Attendant Ana – Lost and Found LP

En Attendant Ana aus Paris könnten mit ihrer ersten LP „Lost and Found“ direkt das Sommer Album 2018 abgeliefert haben. Ein zauberhaftes Sammelsurium aus Gesangs-, Gitarren- und Trompeten-Melodien, das durch ein sehr spartanisches Schlagzeug wohl akzentuiert begleitet wird.
Ich habe ja in letzter Zeit ohnehin eine Schwäche für so melodisch-poppigen Kram, der von Frauen vorgetragen wird. Und dieses französische Quintett macht das großartig, teilweise mehrstimmig und toll.

Irgendwie ein bisschen schade, dass sie nicht auf Französisch singen, aber wer wird denn so kleinlich sein.

In den USA und Kanada erscheinen die auf Trouble in Mind, was sehr gut passt und mir das Label mal wieder ins Bewusstsein zurückgerufen hat – die machen auch nicht viel falsch. Aber das ist jetzt ja auch nur zweitrangig, hört euch mal diese großartigen 10 Songs an und kauft euch dann die LP. Entweder bei der Band direkt oder vielleicht auch mal wieder bei X-Mist? Da hab ich die „gefunden“.

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