The New Calling – S/T EP

The New Calling ist die neue Band vom Frontmann Ian Manhire der großartigen White Wires aus Kanadas Hauptstadt Ottawa. Aber wenn man jetzt von dem Debüt eine ähnliche popverliebte Garagedudelei erwartet, ist man schiefgewickelt. Vielleicht liegt das auch daran, dass The New Calling keineswegs eine Ein-Mann-Band ist, sondern vielmehr aus Mitgliedern von so sensationellen Lieblingen wie Bonnie Doon, Warp Lines, M$M, Mothers Children, Voicemail, Sedatives und eben den White Wires besteht. Das liest sich ja schon mal nicht schlecht, ne?

Auffällig bei den 4 Songs von The New Calling ist zunächst natürlich der prominente Orgelsound, der hier die Marschrichtung, Melodie und Stimmung vorgibt. Ein bisschen Bass, vielleicht eine Gitarre (?) und ein unaufgeregtes, aber hart gespieltes Schlagzeug unterfüttern sehr eingängig den düsteren Gesang. Die EP ist bei dem neuen Label Subfiction Records erschienen und damit auch die erste Nummer des Labels – ein Doppeldebüt sozusagen. Das ist das Label von Eric, ihr wisst schon, der Typ von Chiller, Feral Trash und und und.

Rundum ein sehr guter Start. Sowohl Label als auch Band liefern sehr ordentlich ab. Der einzige Kritikpunkt ist vielleicht die etwas spartanisch gehaltene Aufmachung der EP. Die kommt nämlich einfach nur in einer schwarzen Maxi-Hülle mit Aufkleber, ohne Infos oder D/L Code. Aber man kann den Kram ja immer online hören.
Zum Beispiel hier…

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Chiller – S/T LP

Chiller aus Moncton in Kanada sind quasi die Nachfolgeband von den großartigen Feral Trash, die 2014 mit ihrem einzigen Album Trashfiction mal sowas von bei mir eingeschlagen haben, dass ich immer noch glaube, die Platte ist das Beste, was in dem Jahr an Garage/Punk Rock erschienen ist. Erfreulicherweise knüpfen Chiller ziemlich genau dort an, wo Feral Trash aufgehört haben und machen ebenfalls irgendwie so düsteren Garage Punk Rock mit teilweise herzzerreißenden Melodien.
Ähnlich wie bei Feral Trash wechselt auch bei Chiller der Gesang zwischen Eric und Ilisha hin und her, was schon damals eine geniale Mischung war – obwohl es am besten klingt, wenn sie beide gemeinsam ins Mikro beißen. Während allerdings bei Feral Trash noch Eric der alleinige Songwriter war, teilen sich die beiden Eheleute (ja, die sind ein Pärchen) das Schreiben und Singen auf dem Chiller Album einigermaßen gerecht auf.

Leider ist der Spaß mit 8 Songs nach knapp 24 Minuten schon wieder vorbei, was der einzige Nachteil dieser LP ist. Verstärkung haben sich die beiden im übrigen von Erin (Black Tower – auch ziemlich gut!) und Tim (Mother’s Children) geholt, sodass bei dieser Platte die Hände von Ilisha frei waren für Gitarre und Piano. Guter Schachzug. Ich hoffe, da kommt bald mehr von oder aber die touren mal durch Europa und spielen dann einfach aufgrund der Kürze des Sets die ganze Trashfiction zusätzlich…

Offiziell erscheint das gute Stück erst am 02.02. dieses Jahres bei Rockstar Records und bei Dirt Cult, aber man kann natürlich schon auf Bandcamp alles hören und die LP vorbestellen. Mach ich jetzt. Dreimal.

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The Exbats – I Got The Hots For Charlie Watts

The Exbats aus Bisbee in Arizona sind irgendwie eine besondere Band. Nicht nur, dass sie mit ihrem lofi Garage/Pop/Punk relativ zielsicher einen Hit nach dem anderen nonchalant heraushauen, nein – zumeist sind die Lieder auch mit netten Texten und manchmal mit ansprechenden Videos versehen. Aber daran ist ja jetzt nicht so viel außergewöhnlich. Nein, ich finde es erstaunlich, dass es sich bei diesem Duo hier um eine Vater + Tochter Band aus einem Kaff im Süden der USA handelt. Sowas hatte ich noch gar nicht hier und ich werde das jetzt auch nicht googlen, ob es da noch andere Beispiele gibt.

Aber echt mal, wenn man sich die Sachen anhört, vermutet man eher eine Teenie Garage Pop Punk Rock Band aus dem New York City Umfeld oder so was Hippes aus einer der angesagten Städte. OK, ursprünglich kommen die auch aus Portland und viel hipper gehts ja nicht, aber sie sind halt vor ein paar Jahren an die mexikanische Grenze gezogen und spielen da jetzt seitdem fröhlich vor sich hin. Die Tochter Inez singt und spielt Schlagzeug, der Vater Kenny dudelt dazu auf der Gitarre herum. Und das können die beiden McClains ziemlich gut – da wird nicht viel herumgedödelt, alles Überflüssige wird weggelassen. Wenn man den „hook“ einmal gefunden hat, wird der einfach mehrmals wiederholt und dann ist der Ohrwurm auch schon vorbei. Wie gesagt, das ist eine absolut 70er inspirierte lofi Garage Band, die sich durch die Bubblegum Stimme der Sängerin etwas in Richtung Pop schieben lässt, falls man jetzt unbedingt wieder die Schubladen bedienen muss. Hört euch den Kram doch einfach mal an. Die haben schon genügend Auswahl.

Die ersten 10 (!) Releases von The Exbats gibts alle ausschließlich digital auf deren Bandcampseite, das ist also nichts für Tonträger-Liebhaber wie mich. Es wird noch schlimmer. Das elfte Release und gleichzeitig aktuelle Album, dessen Titel ich voll kacke finde, erscheint bei Burger Records auf Kassette. Man kann „I Got The Hots For Charlie Watts“ aber auch auf CD erwerben, cool. Das ist vorgestern oder so erschienen, also noch brandneu – beeilt euch, sonst ist die CD ausverkauft. Oder die Kassette. Hehe.

Hab ich gemeckert? Das wollte ich gar nicht, eigentlich möchte ich ja nur die Band und schöne Musik vorstellen. Vielleicht liest/hört das hier ja jemand und möchte das dann auf Vinyl veröffentlichen? Ich würde eine Platte kaufen…

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Hardcore Show Flyers

Also wer auch immer die Seite von Hardcore Show Flyers betreibt, er oder sie verliert nicht viele Worte. Nirgends. Das ist natürlich auch irgendwie ok, denn schließlich bekommt man ziemlich genau das, was man erwartet, wenn man eine Seite mit diesem Namen aufruft. Flyer. Von Hardcore Shows. Fertig.
Aber manchmal verlangt das Herz doch ein bisschen mehr; schließlich sind diese bildhaften Zeugen der Vergangenheit ja hochgradig nostalgisch und daher mit irgendwelchen falschen Emotionen verbunden. Dann kann man da ja mal was zu sagen, wenn ohnehin Kopfkino läuft. Also jetzt nicht zu jedem Flyer ne Geschichte erzählen, das wäre wirklich bei der massenhaften Ansammlung auf der Seite etwas zu viel verlangt. Aber so ein kleiner Text auf der Startseite oder so? Egal, ich will nicht spitzfindig sein und in diesem Glashaus hier mit Steinen um mich schmeißen. Links seht ihr im übrigen einen Flyer von einem frühen Konzert der Beastie Boys, die dort in New York City für die Necros und Misfits eröffnet haben. Wäre ich hingegangen, hatte aber noch nicht gänzlich mit meiner analen Phase abgeschlossen und war daher mit den Gedanken woanders. Äh…

Am besten ist es, auf der Seite einfach nach diversen Bands zu suchen und schon erhält man eine Fülle von Konzertflyern aus längst vergangenen Tagen. Hier könnt ihr zum Beispiel mal die Ergebnisse von der Suche nach Minor Threat ansehen; immerhin 43 Flyer. Und natürlich gibts dann auch jede Menge zu Black Flag, D.R.I., die angesprochenen Beastie Boys und so weiter. Ihr wisst ja selber, was es für Bands in den 80ern gab – Versucht doch mal euer Glück! Weiterlesen

The Effects – Eyes to the Light LP

Man könnte hier so langsam den Eindruck bekommen, ich würde inzwischen auf meine alten Tage nur noch Rock und Pop hören. Uff, wenn man das so liest, bekommt man direkt Würgreflex. Ich wollte eigentlich bloß darauf eingehen, dass ich tatsächlich einen relativ breit gefächerten Musikgeschmack hab, der sich nicht unbedingt hier immer widerspiegelt. Und um mein musikalisches Gewissen zu beruhigen, möchte ich endlich mal wieder eine Dischord Band empfehlen. Ja, das Label gibts noch und die machen nicht nur Rereleases. Nee, die haben im letzten Jahr zum Beispiel ein ganz fantastisches Album von The Effects veröffentlicht!
Eyes to the Light ist der erste Langspieler der Band nach zwei veröffentlichten Kassetten-Singles. Kassetten-Singles! Naja, darüber hab ich mich ja gerade erst ausgelassen. Auf jeden Fall ist das Album der drei Jungs aus Washington D.C. ziemlich großartig und passt in die Schaffensphase des Sängers und Gitaristen Devin Ocampo, der zuvor bei so genialen Bands wie Faraquet, Smart went Crazy oder Medications gespielt hat. Die drei Bands waren im übrigen auch alle auf Dischord, hier ist man sich also seit 20 Jahren (!) treu geblieben. Und nicht nur dort, auch der Sound von The Effects ist deutlich an den genannten Bands angelehnt, naja zumindest nah an Faraquet. Melodisch vertrackter Post-Kram, bei dem man nicht unbedingt als Deutscher im Takt mitklatschen kann, aber unbedingt dennoch zu irgendeinem gefühlt/gehörten Takt mitwippen muss. Nicht nur für Freunde von Dischord eine klare Empfehlung.

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Wer hat Angst vor dem schwarzen Band?

Neulich hab ich eine Meldung gelesen, dass die Verkäufe von Audiokassetten im Jahr 2017 um 35% gestiegen sind. 35 Prozent! Man hat wohl im Jahr 2016 ca. 129 000 Stück verkaufen können und im letzten Jahr nun 174 000. Das behauptet zumindest die verlässliche Quelle des Hollywood Reporters. Hä? Fragt ihr euch jetzt, warum der bekackte Hollywood Reporter auf einmal eine Quelle für musikrelevante Themen ist?

Ja nun – der Grund für diesen rasanten Anstieg der Verkäufe sind die Soundtracks von Serien und Filmen. Vor allem der Soundtrack zu den beiden Teilen von „Guardians of the Galaxy“ wurde im Jahr 2017 zum Kassenschlager, oder besser zum Kassettenschlager, haha. Auf den ersten drei Plätzen der Verkaufscharts für Audiotapes halten also die Hüter der Galaxie Wache (*). Auf dem vierten Platz mit 3000 verkauften Kassetten folgt dann auch schon der Soundtrack zu der Serie „Stranger Things„.
Und daran kann man auch schon erahnen, warum ausgerechnet diese Musik auf Kassetten so beliebt ist – Das Ambiente von „Stranger Things“ ist ja sowas von in den 80er Jahren angesiedelt, dass man vor lauter Referenzen fast nicht mehr der Story folgen kann. Und da passt natürlich das Medium der Kassette ziemlich gut mit rein – zugegeben auch die Schallplatte, die natürlich ebenfalls verkauft wird (anderes Thema). Denn das echte „Stranger Things“ Feeling kommt natürlich nur mit einem Relikt aus den 80ern so richtig gut. Sei’s drum. Nur, wer hört sich das eigentlich komplett an? Die Titelmelodie, ok. Aber den ganzen Rest? Nun ja. Weiterlesen

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Clowns – Lucid again LP

Clowns aus Melbourne haben mit ihrem dritten Album ganz schön auf die Kacke gehauen. Die unermüdlich tourenden Australier sind zuvor eigentlich eher mit ihrem hochenergetischen Hardcore-Punk-Gemisch aufgefallen und knüppelten ordentlich böse vor sich hin. Nicht, dass mit Lucid again jetzt das Publikum eingeschläfert wird, nee. Ganz im Gegenteil. Clowns sind nach wie vor mit Raketen im Arsch unterwegs und stehen mächtig unter Druck, wenn sie auf der Bühne stehen und diese ganze Energie aufbauen, bündeln und dann gezielt freisetzen.

Jetzt furzen sie halt nicht mehr laut von der Bühne herunter, sondern stinken das Publikum eher subtil mit feinen Pupsern zu. Keine Ahnung, ob es an der talentierten neuen Bassistin Hanny liegt, die nun bei den Clowns mitspielt, dass die Band nun eher verspieltere Töne an den Tag legt. Auf jeden Fall ist Lucid again wesentlich melodischer und viiieeeel ruhiger als seine Vorgänger, was der Band wirklich gut steht. Auch hier bietet sich die Frage an: ist das noch Punk Rock? Ist das noch Hardcore? Ist das nicht eigentlich schon Rock?

Und auch hier gilt, die Entwicklung der Band ist großartig, mir gefällt das sehr gut, wenn ab und zu etwas mehr Tiefe geboten wird. Und bei einer Spiellänge von 45 Minuten ist hier angenehm viel Platz für diese atmosphärische Tiefe. Dass Stevie ein unglaublich guter Schreihals ist, muss ich eigentlich nicht erwähnen. Dieses Album lief im letzten Jahr sehr häufig bei mir, vielleicht auch deswegen, weil ich die Band mehrmals live genießen durfte und sich diese Performance immer wieder sensationell ins Hirn gebrannt hat. In Australien bei Poison City und in Europa bei This Charming Man erschienen – demnächst dann auf nem Major?

Eines der besten Alben 2017. Ich höre zu viel Rock.

Crusades – This is a Sickness and Sickness will end LP

Crusades aus der kanadischen Hauptstadt Ottawa haben im letzten Jahr ebenfalls ein Album veröffentlicht, das meiner Meinung nach in die End-Jahres-Charts-Liste von den besten Punk Rock LPs gehört. Ich glaub, das sehen viele Idioten anders und vielleicht muss ich daher ein bisschen weiter ausholen, damit man das verstehen kann.

Das dritte Album der Poppunkmetalrocker wurde bereits im Frühling 2016 eingespielt und ist damit eigentlich schon nicht mehr aktuell, aber was solls. Umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass bald schon wieder etwas Neues von den vier Kreuzrittern das Licht der Welt erblickt. Auf ‚This is a Sickness and Sickness will end‚ gehen Crusades ihren Weg konsequent weiter, dessen Ziel mir allerdings völlig unklar ist. Angefangen hat die Band als Pop Punk Kapelle mit düsteren Texten und düsterem Artwork, sodass man beim bloßen Anblick der Singles und der ersten LP eigentlich an eine Black Metal Band aus Skandinavien erinnert war. Da denkt man doch „Ja, die zünden Kirchen an und laufen im Schnee bei Nordlicht durch die Wälder, um Bandfotos zu machen“. Aber der Sound der ersten LP ‚The Sund is down and the Night is riding in‚ lief ganz klar auf der Pop Punk Schiene, deswegen wahrscheinlich auch damals auf ‚It’s Alive‚ veröffentlicht.

Das zweite Album ‚Perhaps You Deliver this Judgment with Greater Fear than I Receive It‚ (die reizen die Titellänge einer LP auf jeden Fall aus – nicht ganz so schlimm wie die erste Snuff LP, bei der die Discogs Seite immer zerschossen wird, aber immerhin) ist schon wesentlich hymnenhafter und zwinkert auch bei einigen Riffs heftig in Richtung der Metal Ecke, ist dabei allerdings stets tief im Punk Rock und Hardcore verwurzelt. Klar, die Songs werden länger und die gesamte Ästhetik ist auf die antiklerikale Lobhudelei des Giordano Bruno ausgelegt, klassischer Punk Rock ist das zum Glück nicht mehr.Man hat sich hier einfach ein wenig entwickelt, mit der ersten großen Liebe auseinandergelebt und flirtet nun mit der „Erwachsenenwelt“.

Und dann dieses Jahr also das dritte Album. Crusades gehen hier noch einen Schritt weiter und zelebrieren ihre hymnenhaften Lieder über eine völlig inakzeptable Spiellänge von 5 bis zu fast 6 Minuten. Das ist ja kein Punk mehr, das ist ja schon Rock. Ja nun, keine Ahnung, was das genau ist, aber es ist großartig. Hier werden Streicher, Orgel und Keyboard eingesetzt. Chöre im Hintergrund, mantramäßige Wiederholungen von Refrain und Melodien zu einem enorm gedrosselten Tempo – ja, das ist eigentlich eher Rock als Pop Punk. Mir allerdings wurscht. Ich freu mich über die Entwicklung der Band und mag jede Phase und jedes dazugehöriges Album wahnsinnig gern. So auch dieses Meisterwerk aus Pathos, Hymne, Pop, Rock, Punk und Metal. Wenn das Debüt vielleicht die kindliche Pop Punk Liebe ist und das zweite Album mit ausgefeilterem Songwriting und komplexeren Strukturen ein Heranwachsen an die Ernsthaftigkeit der Dinge war – dann ist dieses ‚This is a Sickness…‘ Album keineswegs diesen beiden Stadien komplett entwachsen, aber ein großartiger Ausdruck von Erfahrung und Savoir-Faire. Das klingt jetzt ein bisschen schwülstig und abgedroschen, aber ich hab das Album gerade nebenbei noch einmal laufen lassen und dabei kommt man auf so hochtrabende Ideen/Formulierungen. Crusades vereinigen hier das Beste aus ihren letzten beiden LPs und packen noch ne Prise Pathos oben drauf. Geil.
Hab ich im Jahr 2017 sehr sehr oft gehört und daher kommt das auch in dieses Best of.