Cheap Girls – Famous Graves

Das Trio aus Michigan veröffentlicht heute ihr neues Album Famous Graves auf Xtra Mile Recordings. Das ist dann schon der vierte Longplayer der poppigen Rocker nach der letzten Platte Giant Orange, die noch auf Rise Records rausgekommen war. Ich mag den Kram ja sehr gerne, na gut, sonst würd ich das ja auch nicht hier schreiben.
Allerdings hab ich mich immer gefragt, warum man sich so einen seltsamen Bandnamen gibt, wenn man nicht mal ironischerweise zumindest ne komplette Mädelsband ist. Und darüber hinaus stelle ich mir dann immer vor, dass in einem Wallmart oder so, wo ja durchaus solche CDs verkauft werden (?), eine saublöde Situation heraufbeschworen wird, wenn ein Kunde nach Cheap Girls fragt. „Hello, I’m looking for cheap girls. Particularly, I’m searching for cheap girls‘ famous graves…“

Hm. Aber das passiert wahrscheinlich nur in meinem Kopf. Egal. Ihr dürft Euch auf jeden Fall ab heute das Album immer und immer wieder hier kostenlos im Stream anhören, ohne jemanden vorher danach zu fragen. Und dann im Plattenladen Eures Vertrauens nachfragen, die schauen schon nicht komisch, und wenn doch, dann seid Ihr hässlich. Oder so.

Punk The Capital

Ein weiteres Projekt auf Kickstarter, das große Unterstützung verdient. Punk the Capital – Straight from Washington D.C. ist eine Dokumentation, die sich mit der Entstehung und Entwicklung einer der bedeutendsten Musikszenen der USA beschäftigt. Vom frühen Punk der 70er zum D.C. harDCore Mitte der 80er in der Hauptstadt der USA, wie der Titel schon vermuten lässt.
Seit über 10 Jahren werkeln die beiden Filmemacher Paul Bishow und James Schneider an dieser Dokumentation bereits herum und haben bislang schon mehr als 100 Interviews mit den bekannten und unbekannteren Menschen der Szene geführt, hunderte Flyer und Zines zusammengetragen und mehr als 200 Stunden Videomaterial aus der betreffenden Zeit angehäuft. Das kann dann schon mal ein bisschen dauern, bis man den Kram sortiert hat.

Zu Wort kommen natürlich unter anderem Ian MacKaye (die Anfänge von Straight Edge bis Fugazi), Herny Rollins (der damals noch Garfield heiß, also mit Nachnamen), Jello Biafra, Jeff Nelson (Dischord) oder auch Tim Kerr (Big Boys und so). In Punk The Capital soll eine komplette Story aufgearbeitet werden, die nicht nur die Bands, sondern auch das Umfeld der Szene beleuchten will. Radiomacher, Fanzinemenschen, DJs und die ersten DIY-Labels werden thematisch abgearbeitet. Das klingt nach einem riesigen Aufwand – ich bin gespannt, ob man dem Anspruch gerecht werden wird. Sollte man Geld für bereitstellen…und zwar hier.
Wie immer kann man sich aussuchen, wie viel Geld man spenden möchte. Je mehr man zu geben bereit ist, desto mehr kann man evtl. davon profitieren. Wenn Ihr mehr als 1000 Dollar zur Verfügung stellt, werdet Ihr in den Credits des Films erwähnt…wenn das kein Anreiz ist. Aber schaut Euch erstmal den Trailer an.

Sonic Avenues & Needles//Pins

Die Bands hatte ich vor gar nicht allzu langer Zeit mal hier und hier vorgestellt, das erspar ich mir dann mal jetzt. Was Ihr heute wissen müsst ist, dass die beiden kanadischen Bands grad auf dicker Europa-Tour sind und morgen (08.05.) in Aachen Station machen, um im AZ zu spielen. Oli und ich sind so freundlich und veranstalten den Kram.
Solltet Ihr also in der Gegend sein, kommt unbedingt rum! Da gibts bestimmt auch die neue LP von Sonic Avenues zu kaufen und außerdem könnt Ihr eines von den noblen Siebdruckpostern ergattern, die unser Lieblingskünstler Mario mal wieder sensationell schick gestaltet hat. Dazu gibts günstiges Bier, kostenloser Kicker und coole Leute.
Los gehts ab 20:00 Uhr, oder so…

Französischer Abgang und Die Simpsons

Die vierköpfige Band French Exit aus Los Angeles, Kalifornien, gibts so circa seit 4-5 Jahren und die machen poppigen Indie Punk Rock, wie es sich für ne Band auf It’s Alive Records auch gehört. So weit, so bekannt, so unspannend.
Ein bisschen interessanter wird es, wenn man sich die aktuelle LP mal ansieht, bzw. den Titel zu interpretieren versucht. „Guts and black stuff“ klingt ja erst mal so sinnvoll wie andere seltsame Albumtitel, die man auch nicht auf Anhieb verstehen muss. Limp Bizkit’s „Chocolate Starfish and the Hot Dog Flavored Water“ zum Beispiel. Oder „Captain Fantastic and the Brown Dirt Cowboy“ von Elton John. Beide Albumtitel gehen auf, sagen wir mal, autobiografische Hintergründe zurück und haben schon irgendeine bekloppte Bedeutung, die aber nicht interessant oder witzig sind. Ganz im Gegenteil dazu finde ich ja die Referenz, die im Namen des Albums von French Exit auszumachen ist, voll gut.
Der Titel „Guts and Black Stuff“ geht nämlich auf eine Folge der Simpsons zurück, in der Lisa mit Nelson anbändelt und ihn fragt, was er so denke und was sich in ihm befände, worauf er antwortet: „Guts and black stuff… and about 50 Slim Jims“. Ha! Schöne Idee, so eine Referenz, wenn der Name sonst eher irgendwie düster und eklig nach einer LP von einer uninspirierten Metal Band klingt. Ganz nebenbei ist die Platte auch noch gut geworden und der Name der Band ist darüber hinaus auch nicht ganz ohne.
Denn witzigerweise hatte ich grad am Wochenende erst eine Diskussion darüber, woher die Redewendung „einen polnischen Abgang machen“ denn eigentlich stammt. Ihr wisst schon, wenn man sich von einer Party davonschleicht, ohne sich zu verabschieden. Da kamen einige unterschiedliche Erklärungsansätze und Meinungen zu Vorschein. So zum Beispiel auch der Einwand, dass dieser „polnische“ eigentlich ja ein „Französischer Abgang“ ist und auf die unfreundlichen Franzosen zurückgeht, die sich eben einfach verpissen, ohne Auf Wiedersehen zu sagen. Das benutzt man wohl auch in Spanien so: „despedirse a la francesa„. Und im Englischen nennt man sowas eben French Exit. Allerdings haben die Franzosen wiederum dafür die Bezeichnung „s’excuser à l’anglaise“ erfunden, was eigentlich nur deutlich macht, dass da jedes Land seinen ungeliebten Nachbarn irgendwie verunglimpfen will. Na! Wieder was gelernt. Musik…!